Historischer Rückschlag
JD.com schockt mit Umsatz-Knick – doch eine Zahl überrascht
Erstmals seit dem Börsengang schrumpft der Quartalsumsatz von JD.com. Die Aktie fällt – obwohl der Gewinn die Erwartungen klar übertrifft. Die Details.
JD.com hat eine historische Negativmarke erreicht: Erstmals seit dem Börsengang im Jahr 2014 ist der Quartalsumsatz gesunken. Im zweiten Quartal fielen die Erlöse um 2,9 Prozent auf 346,4 Milliarden Yuan (umgerechnet 51,4 Milliarden US-Dollar). Zwar lag der Wert knapp über der durchschnittlichen Analystenschätzung, an der Börse überwog jedoch die Enttäuschung. Die Aktie verlor im vorbörslichen US-Handel mehr als 3 Prozent.
Dabei stecken in den Zahlen auch positive Überraschungen: So sprang der Nettogewinn um 15 Prozent auf 7,1 Milliarden Yuan (ungefähr 1,05 Milliarden US-Dollar) und übertraf damit die Erwartungen. JD.com hatte den kostspieligen Preiskampf mit Alibaba und Meituan im Bereich der Essenslieferungen zurückgefahren. Laut Konzernchefin Sandy Xu verringerten sich dadurch die Verluste, während das Kerngeschäft JD Retail solide profitabel blieb.
Doch die Umsatzschwäche zeigt, wie angespannt Chinas Konsumsektor ist. Ein Jahr zuvor hatten staatlich unterstützte Kaufanreize für Autos, Elektronik und andere teure Güter den Handel noch beflügelt. Inzwischen bremst Peking den aggressiven Subventionswettbewerb. Zugleich belastet die anhaltende Konjunkturflaute: Im Mai waren Chinas Einzelhandelsumsätze erstmals seit der Pandemie rückläufig.
JD.com sucht deshalb Wachstum außerhalb des Heimatmarkts. In Europa rollt der Konzern die Marken Joybuy und JoyExpress aus. Auch die geplante Übernahme des deutschen Elektronikhändlers Ceconomy gehört zu dieser Expansion. Sie wird jedoch von der EU-Kommission auf mögliche Subventionen hin vertieft geprüft.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

