China verliert an Bedeutung
Stiller China-Rückzug von Microsoft: Diese Standorte sollen jetzt profitieren
Microsoft zieht sich in China schrittweise zurück und verlagert Teile seiner Forschungsaktivitäten und Talente zunehmend ins Ausland.
- Microsoft schließt mindestens 15 Standorte in China
- Forschung und Talente werden ins Ausland verlagert
- China steht nur für rund 1,5 Prozent des Umsatzes
- Report: KI braucht Strom
Microsoft reduziert seine Präsenz in China, wie Reuters am Donnerstag berichtete. Laut dem Bericht, der sich auf Unternehmensdokumente und ungenannte Quellen innerhalb des Unternehmens stützt, hat das Unternehmen mindestens 15 Microsoft-Niederlassungen und Joint Ventures in China geschlossen und von einer Strategie des "Rückzugs" gesprochen. Laut dem Bericht haben das wachsende Misstrauen zwischen China und den USA sowie sinkende Gewinne und geopolitische Risiken den stetigen, aber stillen Rückzug des Unternehmens vom Markt veranlasst.
Der Rückzug läuft bereits seit mehreren Jahren. Microsoft erwog laut Reuters intern zeitweise sogar einen vollständigen Ausstieg aus China, entschied sich letztlich aber dagegen. Der Markt hat für den Konzern wirtschaftlich stark an Bedeutung verloren: China stand 2024 nach Unternehmensangaben nur noch für rund 1,5 Prozent des weltweiten Umsatzes. Belastend wirkt vor allem Pekings Bestreben, ausländische Software in Behörden und staatsnahen Unternehmen durch heimische Lösungen zu ersetzen. Gleichzeitig verlagert Microsoft Forschung, Entwicklung und Personal zunehmend in andere Länder. So bot der Konzern rund 1.000 hochqualifizierten Ingenieuren in China einen Wechsel ins Ausland an.
Ganz aufgeben will Microsoft das Land dennoch nicht. Wachstum sieht der Konzern vor allem bei chinesischen Unternehmen, die international expandieren. Diese nutzen Microsoft Azure außerhalb Chinas unter anderem für Cloud-Dienste und den Zugang zu westlichen KI-Modellen. Der KI-Boom hält Microsoft damit trotz des schrittweisen Rückzugs weiter im chinesischen Markt. Stattdessen wird Microsoft einen Teil seiner Forschungs- und Entwicklungsressourcen in andere internationale Tech-Standorte verlagern.
Microsoft Research Asia hat in den vergangenen Jahren zusätzliche Labore in Vancouver, Singapur und Tokio aufgebaut, während Spitzeningenieuren in China Wechselmöglichkeiten in die USA und andere westliche Länder angeboten wurden. Hintergrund sind unter anderem US-Exportkontrollen, die den Zugang chinesischer Teams zu moderner KI- und Chiptechnologie einschränken. Reuters zufolge hatte Microsoft 2024 rund 1.000 hochqualifizierten Ingenieuren einen Wechsel angeboten, allerdings nahm nur etwa ein Drittel das Angebot an. Microsoft konzentriert seine sensibleren Forschungsaktivitäten damit zunehmend außerhalb Chinas, hält aber weiterhin Standorte in Peking und Shanghai sowie eine Präsenz in Hongkong.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Microsoft Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,57 % und einem Kurs von 429,9EUR auf Tradegate (13. August 2026, 15:20 Uhr) gehandelt.

