China-Deal mit Sprengkraft
Anglo macht China-Deal fix – doch der wahre Härtetest kommt erst noch
Anglo American liefert ein Jahr lang Eisenerz an Chinas mächtigen Staatseinkäufer China Mineral Resources Group (CMRG). Der Vertrag wirkt wie ein Erfolg – doch die entscheidende Machtprobe wartet bei der Verlängerung.
Der britische Bergbaukonzern Anglo American hat sich mit dem staatlich gestützten chinesischen Eisenerz-Einkäufer China Mineral Resources Group (CMRG) auf einen einjährigen Liefervertrag geeinigt. Die vom 1. April 2026 bis zum 31. März 2027 laufende Vereinbarung betrifft Lieferungen der südafrikanischen Tochter Kumba Iron Ore an Stahlwerke des chinesischen Käuferverbunds. Zunächst hatte der US-Nachrichtensender Bloomberg darüber berichtet.
Der Abschluss ist brisant, da die CMRG bei den Beschaffungsverhandlungen mehr als die Hälfte der chinesischen Stahlhersteller vertritt. Damit bündelt die Gruppe eine enorme Nachfragemacht gegenüber den globalen Bergbaukonzernen. Neben BHP reiht sich nun auch Anglo in die Riege der Produzenten ein, die einen Jahresvertrag mit CMRG zustande gebracht haben. Fortescue steckt dagegen laut US-Medienberichten noch in angespannten Verhandlungen.
Doch der Deal ist kleiner, als es zunächst klingt. Kumba verkaufte 2025 insgesamt rund 37 Millionen Tonnen seines hochwertigen Eisenerzes. Nach Berechnungen von Bloomberg könnten davon etwa acht bis zehn Millionen Tonnen an CMRG gehen. Anglo selbst verkauft rund 54 Prozent seiner Produktion nach China. Der Anteil des neuen Vertrags am Gesamtportfolio sei jedoch "relativ klein", so Vertriebschef Ebrahim Dadoo.
Auch das brasilianische Minas-Rio-Projekt bleibt außen vor. Das dort geförderte Erz wird nicht über langfristige Verträge nach China verkauft.
Die eigentliche Machtprobe folgt deshalb im kommenden Jahr. BHP musste vor Abschluss des Vertrags Einschränkungen hinnehmen und monatelange Gespräche führen – und akzeptierte eine stärkere Preisstellung in Yuan. Wenn die Verträge im Jahr 2027 verlängert werden, könnte CMRG versuchen, den Minern weitere Zugeständnisse abzuringen.
Im frühen Handel an der Londoner Börse steht die Aktie von Anglo American mehr als zwei Prozent im Minus. Ein Anteilschein kostet derzeit 3.830 Pence (38,30 britische Pfund) (Stand: 09:05 Uhr MESZ).
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

