Volkswagens Milliarden-Plan
VW will sein nächstes Tafelsilber verkaufen: Jetzt ist Traton dran!
Volkswagen will sein Paket an Traton-Aktien verkleinern. Der Milliardenplan soll dem Unternehmen finanziellen Spielraum verschaffen und könnte ausgerechnet für die Lkw-Aktie zum Kurstreiber werden. Die Details.
Volkswagen nimmt eine seiner wertvollsten Beteiligungen ins Visier: Der Konzern will seinen Anteil am Lkw-Hersteller Traton von 87,5 Prozent auf 75 Prozent plus eine Aktie senken. Das aktuelle Paket ist laut Bloomberg 16,6 Milliarden Euro wert. VW würde die Kontrolle behalten, zugleich aber finanziellen Spielraum gewinnen.
Der Schritt ist Teil des radikalen Sparkurses von Konzernchef Oliver Blume. Die allgemeinen Kosten bei VW liegen nach seiner Einschätzung rund 20 Prozent über denen der Konkurrenz. Gleichzeitig belasten der Absatzrückgang in China und hohe Investitionen. Bereits im Juni vereinbarte VW den Verkauf von 51 Prozent der Schiffsmotoren-Tochter Everllence. Die Transaktion soll rund 7,4 Milliarden Euro einbringen.
Nun rückt Traton ins Rampenlicht. Vorstandschef Christian Levin spürt wachsenden Druck des Haupteigentümers: Man müsse "äußerst umsichtig mit Geld, Kosten und Investitionen umgehen". Für Traton könnte der Teilverkauf jedoch zur Chance werden. Ein größerer Streubesitz dürfte mehr Investoren anlocken, die Handelbarkeit verbessern und laut Levin dazu beitragen, dass der Aktienkurs die operative Entwicklung besser widerspiegelt. Auch aktive Eigentümer könnten zusätzliche Kompetenz bei Technologie und Künstlicher Intelligenz einbringen.
Brisant ist das Timing: Traton übertraf im ersten Halbjahr mit einem operativen Gewinn von 957 Millionen Euro die Erwartungen. Die Bestellungen sprangen um 49 Prozent, in Nordamerika haben sie sich nahezu verdreifacht. Zudem hob der Lkw-Bauer das untere Ende seiner Margenprognose an.
VW könnte damit gerade in eine Phase steigender Dynamik hinein verkaufen. Entscheidend wird nun, zu welchem Preis und an welche Investoren die Aktien gehen. Fest steht: Was VW dringend Geld bringen soll, könnte Traton an der Börse neues Leben einhauchen.
An der Börse Frankfurt steht die Traton-Aktie im frühen Handel am Freitag jedoch fast ein Prozent im Minus. Ein Anteilsschein kostet derzeit 36,74 Euro. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert dagegen leicht im Plus bei 73,28 Euro je Anteilsschein (Stand: 09:43 Uhr, MESZ).
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

