15 Millionen weniger Besucher
US-Tourismus bricht weg – Milliardenloch statt Rekordjahr
Die USA wollten 2026 einen neuen Tourismusrekord feiern. Heute werden fast 15 Millionen Besucher weniger erwartet – und die Milliardenverluste für die Branche wachsen.
- US-Tourismusprognose 2026 sinkt auf 70 Millionen
- Fast 15 Millionen internationale Gäste fehlen
- Milliardenverluste treffen Hotels und ganze Regionen
- Report: KI braucht Strom
Eigentlich sollte 2026 ein Rekordjahr für den US-Tourismus werden. Das National Travel and Tourism Office (NTTO) rechnete vor Donald Trumps Amtsantritt noch mit 85 Millionen internationalen Besuchern. Das wäre ein deutliches Wachstum gegenüber dem bisherigen Rekord von 79,8 Millionen aus dem Jahr 2018 gewesen und ein Zeichen dafür, dass die Corona-Flaute endlich überwunden wurde.
Heute liegt die offizielle Prognose nur noch bei rund 70 Millionen. Damit fehlen gegenüber dem erwarteten Wachstumspfad fast 15 Millionen Reisende. Für die amerikanische Tourismusbranche ist das eine Katastrophe. Internationale Gäste lassen Geld in Hotels (Marriott, Hilton), Restaurants, Kasinos (MGM Resorts, Caesars Entertainment) Geschäften, Freizeitparks (Disney) und bei Fluggesellschaften (United Airlines, Delta Air Lines). Bleiben Millionen von ihnen weg, verschwinden Milliardenumsätze aus der Wirtschaft.
Schon 2025 hatte sich abgezeichnet, dass die USA ihren früheren Aufwärtstrend nicht halten können. Nach der Corona-Pandemie waren die Besucherzahlen mehrere Jahre kräftig gestiegen. 2024 kamen bereits wieder mehr als 72 Millionen internationale Gäste. Für 2025 war der nächste Wachstumsschritt vorgesehen. Stattdessen ging die Zahl der Besucher zurück.
Wie groß die finanzielle Lücke tatsächlich ist, lässt sich nur grob abschätzen. Internationale Besucher geben im Schnitt mehrere Tausend US-Dollar pro Reise in den USA aus. Im Jahr 2025 waren es rund 2.580 US-Dollar pro Besucher laut Zahlen des World Travel & Tourism Council. Überträgt man die durchschnittlichen Ausgaben auf die fast 15 Millionen Besucher, die gegenüber der früheren Prognose fehlen, ergibt sich für 2026 eine Größenordnung von rund 35 bis 40 Milliarden US-Dollar an potenziell entgangenen Tourismuseinnahmen.
Das ist keine exakte Schadensrechnung. Niemand kann garantieren, dass die alte Prognose tatsächlich eingetroffen wäre. Auch Wechselkurse, Konjunktur und Flugpreise beeinflussen die Reiselust. Doch der Unterschied zwischen der damaligen Erwartung und der heutigen Realität ist in jedem Fall gewaltig.
Hinzu kommt: Selbst die aktuell deutlich niedrigere Prognose könnte noch zu optimistisch sein. In der ersten Jahreshälfte bis Ende Juni lagen die internationalen Besucherzahlen um 4,3 Prozent unter dem sowieso schon schwachen Vorjahresniveau. Die Fußball-Weltmeisterschaft brachte zwar einen kurzfristigen Schub in Juni und Juli, reichte jedoch laut Branchenverbänden nicht aus, um die Einnahmenlücke im US-Einreisetourismus zu schließen. Eine Trendwende ist nicht zu erkennen. Aus dem erwarteten Rekordjahr ist ein Milliardenloch geworden.
Amerikas Image wird zum Wirtschaftsproblem
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Politische Spannungen mit wichtigen Herkunftsländern, eine schärfere Rhetorik gegenüber Ausländern und Sorgen über Einreisebestimmungen haben das Bild der USA als Reiseziel verändert. Besonders deutlich zeigt sich das bei Reisenden aus Kanada, dem mit Abstand wichtigsten Herkunftsland der US-Besucher. Doch auch in Europa hat die Attraktivität der USA als Reiseland gelitten.
Für die US-Wirtschaft ist das besonders schmerzhaft, weil internationale Touristen wichtige Devisenbringer sind: Ihr Geld fließt direkt an Hotels, Restaurants, Airlines und Geschäfte, also in die heimische Dienstleistungswirtschaft.
Das Fernbleiben von Millionen Touristen trifft aber nicht nur direkt Hotels oder Airlines, sondern ganze Regionen und Städte, die stark vom internationalen Tourismus abhängen. Trump will mit "America First" mehr Produktion, Investitionen und Kapital in die Vereinigten Staaten holen. Im Tourismus zeigt sich jedoch die Kehrseite dieser Politik: Den USA gehen dadurch, dass sich Millionen Menschen lieber für andere Reiseziele entscheiden, milliardenschwere Einnahmen verloren und eine ganze Branche leidet darunter.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

