Rekord-Renditen

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    Die Fed kann Amerikas Schuldenproblem nicht mehr einfach wegkaufen

    Washington muss für neue Schulden so hohe Zinsen zahlen wie seit Jahrzehnten nicht. Doch ausgerechnet jetzt fallen wichtige Käufer von US-Staatsanleihen aus.

    Für Sie zusammengefasst
    • US-Schulden kosten wegen hoher Renditen deutlich mehr
    • Fed und China ziehen sich aus Langläufern zurück
    • Mehr Schulden treiben Renditen und Zinskosten hoch
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    Rekord-Renditen - Die Fed kann Amerikas Schuldenproblem nicht mehr einfach wegkaufen

    Die jüngsten Auktionen amerikanischer Staatsanleihen werfen ein Schlaglicht auf die wachsenden Probleme der USA, ihren wachsenden Schuldenberg zu finanzieren. Zwar fand Washington genügend Käufer, doch der Preis dafür ist dramatisch gestiegen. Für neue zehnjährige Treasuries musste das US-Finanzministerium rund 4,68 Prozent bieten – die höchste Rendite bei einer solchen Auktion seit 2007. Bei 30-jährigen Anleihen waren es sogar knapp 5,22 Prozent und damit so viel wie seit 2001 nicht mehr. Die Investoren lassen sich das Risiko, US-Staatsanleihen zu kaufen, immer teurer bezahlen.

    Das trifft die USA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Schuldenberg wächst immer weiter, während alte Anleihen laufend refinanziert werden müssen. Je länger die Renditen auf dem aktuellen Niveau bleiben, desto mehr niedrig verzinste Altschulden werden nach und nach durch deutlich teurere neue Papiere ersetzt. Bereits im laufenden Fiskaljahr summierten sich die Zinskosten bis Ende Juli auf rund 1,17 Billionen US-Dollar, rund 15 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

    Über Jahre verfügte der Treasury-Markt über einen Käufer, bei dem der Preis praktisch keine Rolle spielte: die US-Notenbank. Während der Pandemie kaufte die Federal Reserve in enormem Umfang Staatsanleihen und drückte damit insbesondere die langfristigen Renditen. Ab Juni 2022 drehte sie den Kurs um und ließ Anleihen aus ihrer Bilanz auslaufen. Bis 2025 schrumpften ihre Wertpapierbestände dadurch um rund 2,2 Billionen US-Dollar.

    Zwar beendete die Fed den Bilanzabbau im Dezember 2025 und kauft inzwischen wieder Treasuries. Doch diese Käufe dienen vor allem der Steuerung der Bankenreserven und konzentrieren sich auf kürzere Laufzeiten. Die Fed ist damit nicht wieder jener Großkäufer langfristiger Staatsanleihen, der sie während der großen QE-Programme war.

    China zieht sich zurück, Japan hat Alternativen

    Das hat einen guten Grund. Die Notenbank kämpft weiterhin mit Inflationsrisiken. Würde sie nun wieder massenhaft Langläufer kaufen, nur um Washington die Finanzierung zu erleichtern, könnte der Markt darin eine Lockerung der Geldpolitik oder sogar monetäre Staatsfinanzierung sehen. Die Inflationserwartungen könnten steigen – und damit ausgerechnet wieder die langfristigen Renditen. Die Fed kann Amerikas Schuldenproblem deshalb nicht einfach wegkaufen, ohne dadurch ein neues zu schaffen.

    Auch im Ausland verändert sich die Nachfrage. China war einst der größte ausländische Besitzer amerikanischer Staatsanleihen. 2014 hielt das Land noch rund 1,27 Billionen US-Dollar Treasuries. Inzwischen sind es nur noch rund 650 Milliarden US-Dollar. Damit hat Peking seine Position ungefähr halbiert. Japan ist heute mit mehr als 1,2 Billionen US-Dollar der größte ausländische Gläubiger der USA.

    Doch auch auf Japan kann Washington nicht mehr im gleichen Maße zählen wie früher. Steigende Renditen japanischer Staatsanleihen machen heimische Bonds für japanische Versicherer, Banken und Pensionsfonds wieder attraktiver. US-Treasuries müssen deshalb stärker mit Anlagen im Heimatmarkt konkurrieren. Damit verschiebt sich die Macht am Anleihemarkt zunehmend zu preissensitiven Investoren. Fonds, Versicherer oder Hedgefonds kaufen Treasuries durchaus – aber nur, wenn die Rendite stimmt.

    Für Washington entsteht daraus ein unangenehmer Mechanismus: Mehr Schulden bedeuten mehr Anleiheangebot. Mehr Angebot erfordert höhere Renditen. Höhere Renditen erhöhen die Zinskosten. Und höhere Zinskosten vergrößern wiederum das Haushaltsdefizit. Was wiederum dazu führt, dass noch mehr Staatsanleihen ausgegeben werden müssen.

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    Das Finanzministerium versucht bereits gegenzusteuern, indem es einen größeren Teil der Finanzierung auf kurzfristige Treasury Bills verlagert. So muss es sich nicht für 30 Jahre Zinsen von mehr als fünf Prozent festschreiben. Doch auch diese Lösung hat ihren Preis: Kurzfristige Schulden müssen wesentlich häufiger refinanziert werden. Bleiben die Zinsen hoch, schlägt die Belastung schneller auf den Haushalt durch.

    Deshalb sind die Ergebnisse der jüngsten Auktionen so bedenklich. Amerika findet weiterhin Käufer für seine Schulden. Aber die Zeit, in der Washington nahezu unbegrenzt neue Anleihen ausgeben konnte, ohne dafür einen spürbaren Risikoaufschlag zu zahlen, ist vorbei. Und anders als nach der Finanzkrise oder während der Pandemie kann die Fed diesmal nicht ohne Weiteres zur Rettung eilen. Denn was dem US-Haushalt helfen würde, könnte den Kampf gegen die Inflation erschweren – und damit das eigentliche Problem noch verschärfen.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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