45 Milliarden US-Dollar weg

    57625 Aufrufe 57625 1 Kommentar 1 Kommentar

    Leopold Aschenbrenner: Der gefallene Engel der Wall Street

    Er gilt als Genie in Sachen KI und sein Lebenslauf liest sich entsprechend: Der junge Deutsche Leopold Aschenbrenner (24). Erst durch das Scheitern seines Hedgefonds, wurde er hierzulande bekannt.

    Für Sie zusammengefasst
    • Leopold Aschenbrenner gilt als KI-Wunderkind
    • Mit 24 endet seine OpenAI-Zeit im Streit um KI
    • Gehebelte Wetten vernichten seinen Milliardenfonds
    • Report: KI braucht Strom
    45 Milliarden US-Dollar weg - Leopold Aschenbrenner: Der gefallene Engel der Wall Street

    Wer ist Leopold Aschenbrenner? "KI-Wunderkind" wird er oft genannt. In den USA sogar unübersetzt als "AI-Wunderkind" bezeichnet. Der gerade mal 24-jährige hat eine erstaunliche Karriere in den USA hingelegt und seit seinem Scheitern, ist er auch hierzulande bekannt.

    Mit 15 Jahren machte er Abitur in Berlin, im gleichen Jahr ging er noch in die USA um Wirtschaftswissenschaften und Mathematik zu studieren. Er schloss an der Columbia University als Jahrgangsbester ab. Da war er gerade einmal 19 Jahre alt.

    Anschließend arbeitete er im Bereich langfristiges Wirtschaftswachstum und globale Risiken am Global Priorities Institute der Universität Oxford und war zeitweise beim FTX Future Fund tätig.

    2023 wechselte er zu OpenAI und arbeitete im Superalignment-Team von Ilya Sutskever und Jan Leike an der Frage, wie sich künftige hochintelligente KI-Systeme kontrollieren lassen.

    Bis jetzt eine Bilderbuch-Karriere, aber es geht noch weiter: 2024 kommt es zum Bruch mit OpenAI: Er habe Geschäftsgeheimnisse an den Konkurrenten Anthropic weitergegeben. Aschenbrenner bestreitet dies: Er habe lediglich seinen Job gemacht, und von den Auswirkungen von KI warnen wollen. 

    Denn im Juni 2024 veröffentlicht er das rund 165 Seiten lange Manifest "Situational Awareness: The Decade Ahead", in dem er unter anderem argumentiert, dass AGI bereits um 2027 möglich sein könnte. AGI heißt: "Artificial General Intelligence" – eine künstliche eigenständige Superintelligenz, die eigenständig handelt; vielen eine Horrorvorstellung.

    Sein Essay schlägt in den USA hohe Wellen. Schließlich gründet er in San Francisco den KI-fokussierten Investmentfonds Situational Awareness LP. Zu den bekannten Unterstützern zählen unter anderem Patrick und John Collison, Nat Friedman und Daniel Gross. 

    Aus Investitionen von rund 225 Millionen US-Dollar macht 45 Milliarden US-Dollar in einer atemberaubend kurzen Zeit. Das geht nur mit gehebelten Positionen. 

    Exklusiv für wallstreetONLINE UserEröffnen Sie bis zum 31.08.2026 ein Depot bei Smartbroker+ und erhalten Sie einen Anteil Ihrer Lieblingsaktie in unserer Auswahl im Wert von 50 Euro.

     

    Der Q1-2026-13F belegt, dass Aschenbrenners Fonds große Optionspositionen gehalten hatte. Allein die gemeldeten Put-Positionen auf Halbleiterwerte hatten einen Nominalwert von rund 8,46 Milliarden US-Dollar. Seine Wette lautete vereinfacht gesagt: Long auf die Chiphersteller, Short auf die Softwareunternehmen. Der Fonds soll laut Berichten mit dem vierfachen seines Vermögens gehandelt haben. Mit geliehenem Geld. Das ging bis vor kurzem auch noch gut.

    Einen Beweis dafür, dass der spätere Käufer des Portfolios, Citadel, den Ausverkauf gezielt ausgelöst oder Aschenbrenner bewusst in die Zwangsliquidation getrieben hat, gibt es allerdings nicht. Der AI-Ausverkauf hatte bereits vor dem 27. Juli begonnen.

    Es mag die Unerfahrenheit Aschenbrenners am Markt eine Rolle gespielt haben. Die kurze Geschichte: Seine gehebelten Positionen liefen schließlich gegen ihn. Die Banken verlangten zusätzliches Kapital oder den Verkauf von Positionen. Als die Kurse von Halbleiter- und anderen KI-Aktien Ende Juli dramatisch einbrachen, geriet der Fonds zunehmend unter Liquiditätsdruck. Schließlich verkaufte Aschenbrenner den Großteil der verbliebenen öffentlichen Aktienpositionen am 27. Juli an Citadel. In kürzester Zeit wurde ein Portfoliowert von 45 Milliarden US-Dollar vernichtet. 

    Das ist die Short-Story. Dass Citadel dabei nicht ganz fair gespielt haben könnte, ist die lange, aber auch nicht belegbare Story, für die es zwar Hinweise, aber keine Beweise gibt. 

    Die Frage besteht, ob Citadel über seine Markt- und Prime-Broker-Netzwerke (bei denen Aschenbrenner Kreditnehmer war) bereits vor dem 27. Juli wusste, dass Aschenbrenners Margin-Situation kippt.

    Die Verdachtsmomente beginnen mit der auffällig offensiven Fed-Kommunikation von Citadel: Bereits im Juni argumentierte das Haus, der Markt unterschätze die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts nach oben. Am 19. Juni bezeichnete Citadel einen September-Hike als Basisszenario und hielt sogar einen Zinsschritt im Juli noch sogar für möglich. Am 27. Juli ging Citadel noch weiter und veröffentlichte unmittelbar vor der Fed-Sitzung einen ausführlichen Case für eine überraschende Zinserhöhung im Juli. Und was heißt ein solcher Zinsschritt: Gift für die Groth-Aktien, vor allen Dingen für jene Positionen, die Aschenbrenner im Portfolio gehalten hat.

    Zwei Tage später hielt die Fed die Zinsen tatsächlich konstant. Gleichzeitig gerieten die stark gehebelten AI- und Halbleiterpositionen von Leopold Aschenbrenners Fonds Situational Awareness massiv unter Druck. Der Fonds verlor im Juli rund 67 Prozent und musste den Großteil seines öffentlichen Aktienportfolios liquidieren. Am 30. Juli kaufte Citadel schließlich den Großteil dieses Portfolios – zu einem Abschlag von rund zehn Prozent. 

    Einen Beweis dafür, dass Citadel den Ausverkauf gezielt ausgelöst oder Aschenbrenner bewusst in die Zwangsliquidation getrieben hat, gibt es allerdings nicht. Denn der KI-Ausverkauf hatte bereits vor dem 27. Juli begonnen.

    Für Aschenbrenner mag dies eine schmerzhafte Lehre gewesen sein. Und vielleicht der Trost: Zu dem Genie gesellt sich jetzt auch Erfahrung.

    Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion


    Reports
    KI braucht Strom
    – 5 Aktien für den Energie-Boom!




    wallstreetONLINE Redaktion
    0 Follower
    Autor folgen
    Mehr anzeigen

    Melden Sie sich HIER für den Newsletter der wallstreetONLINE Redaktion an - alle Top-Themen der Börsenwoche im Überblick! Verpassen Sie kein wichtiges Anleger-Thema!

    Für Beiträge auf diesem journalistischen Channel ist die Chefredaktion der wallstreetONLINE Redaktion verantwortlich.

    Die Fachjournalisten der wallstreetONLINE Redaktion berichten hier mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerredaktionen exklusiv, fundiert, ausgewogen sowie unabhängig für den Anleger.

    Die Zentralredaktion recherchiert intensiv, um Anlegern der Kategorie Selbstentscheider relevante Informationen für ihre Anlageentscheidungen liefern zu können.

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"

    Mehr anzeigen

    NEU: Podcast "Börse, Baby!"

    Verfasst vonRedakteurKrischan Orth
    wallstreetONLINE bei Google bevorzugen.Sie erhalten mehr Inhalte von uns in Ihren Suchergebnissen
    45 Milliarden US-Dollar weg Leopold Aschenbrenner: Der gefallene Engel der Wall Street Er gilt als Genie in Sachen KI und sein Lebenslauf liest sich entsprechend: Der junge Deutsche Leopold Aschenbrenner (24). Erst durch das Scheitern seines Hedgefonds, wurde er hierzulande bekannt.

    Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
    Profitieren Sie von unserem Alleinstellungsmerkmal als den zentralen verlagsunabhängigen Wissens-Hub für einen aktuellen und fundierten Zugang in die Börsen- und Wirtschaftswelt, um strategische Entscheidungen zu treffen.
    • ✅ Größte Finanz-Community Deutschlands
    • ✅ über 550.000 registrierte Nutzer
    • ✅ rund 2.000 Beiträge pro Tag
    • ✅ verlagsunabhängige Partner ARIVA, FinanzNachrichten und BörsenNews
    • ✅ Jederzeit einfach handeln beim SMARTBROKER+
    • ✅ mehr als 25 Jahre Marktpräsenz
    Aktien von A - Z: # A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
    wallstreetONLINE bei X wallstreetONLINE bei Instagram wallstreetONLINE bei Facebook wallstreetONLINE bei Youtube wallstreetONLINE bei LinkedIn
    Unsere Apps: Apple App Store Icon Google Play Store Icon
    Wenn Sie Kursdaten, Widgets oder andere Finanzinformationen benötigen, hilft Ihnen ARIVA gerne. 

    Unsere User schätzen wallstreet-online.de: 4.8 von 5 Sternen ermittelt aus 285 Bewertungen bei www.kagels-trading.de
    Zeitverzögerung der Kursdaten: Deutsche Börsen +15 Min. NASDAQ +15 Min. NYSE +20 Min. AMEX +20 Min. Dow Jones +15 Min. Alle Angaben ohne Gewähr.
    Copyright © 1998-2026 Smartbroker Holding AG - Alle Rechte vorbehalten.
    Mit Unterstützung von: Ariva Smartbroker+
    Daten & Kurse von: TTMzero