Buy-and-Hold statt Heuschrecke
Wie Gesco vom Nachfolgeproblem profitiert
Tausende Mittelständler suchen einen Nachfolger, viele finden keinen. Die Wuppertaler Industrieholding Gesco positioniert sich als dauerhafter Partner statt als Finanzinvestor und legt dabei operativ deutlich zu.
- Gesco begleitet Mittelständler langfristig
- Umsatz und EBIT steigen im Halbjahr deutlich
- Analysten sehen Potenzial durch Unterbewertung
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Wer sein Familienunternehmen jahrzehntelang aufgebaut hat, sucht beim Verkauf selten den schnellen Deal. Genau hier setzt die Wuppertaler Industrieholding Gesco SE an: Mit einer langfristig angelegten Buy-and-Hold-Strategie hat sich das Unternehmen laut SMC-Research einen sehr guten Ruf als Partner für den Mittelstand bei Nachfolgeproblemen erarbeitet, ein Vertrauensvorschuss, der sich nach Einschätzung der Analysten auch in günstigeren Einkaufspreisen niederschlägt.
Statt Beteiligungen nach kurzer Frist wieder abzustoßen, hält Gesco an seinen aktuell elf operativen Tochtergesellschaften fest und lässt ihnen dabei unternehmerische Eigenständigkeit.
Dass dieses Modell auch operativ trägt, zeigen die jüngsten Halbjahreszahlen. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 10,5 Prozent auf 127,7 Millionen Euro, EBIT und Nettoergebnis verdoppelten sich nahezu auf 8,1 beziehungsweise 5,1 Millionen Euro. Auf Halbjahressicht legte der Konzernumsatz um 4,8 Prozent auf 248,7 Millionen Euro zu, das EBIT sprang um 52,9 Prozent auf 12,7 Millionen Euro.
Ein Beispiel für die Nachfolgestrategie liefert die Tochter Doerrenberg: Der Werkzeugstahlhändler übernahm Ende 2025 den Lagerbestand eines Konkurrenten und konnte dadurch bereits mehr als 300 Neukunden gewinnen, was laut Unternehmensangaben zusätzliche Erlöse von rund 17,5 Millionen Euro einbringen soll.
Am Kapitalmarkt bleibt Gesco trotz der operativen Fortschritte ein Nischenwert. Bei einem Streubesitz von rund 81 Prozent und einer Marktkapitalisierung von etwa 149 bis 142 Millionen Euro zählt die Aktie zu den kleineren, wenig liquiden Titeln im deutschen Industriesegment, der durchschnittliche Tagesumsatz liegt SMC-Research zufolge bei lediglich 76.800 Euro.
Genau darin sehen beide Analysehäuser die Chance: Mit einem KGV von 8,4 beziehungsweise 9,3 für 2026 sowie einem EV/EBIT von 7,5 bis 8,3 notiert Gesco deutlich unter dem, was das Geschäftsmodell nach Einschätzung der Analysten eigentlich rechtfertigen würde. Fasse der Markt wieder mehr Vertrauen in das mittelfristige Wachstumspotenzial, sei laut SMC-Research eine spürbare Neubewertung der Aktie möglich.
Analyst Holger Steffen von SMC-Research stufte die Aktie nach den Zahlen von „Speculative Buy“ auf „Buy“ hoch und erhöhte das Kursziel von 28,00 auf 29,00 Euro. Er begründet dies mit einem reduzierten Prognoserisiko und einer aus seiner Sicht deutlichen Unterbewertung.
Auch Rene Rückert von Baader Helvea bestätigt sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 22,00 Euro und hob seine Gewinnschätzung für 2026 um 21 Prozent auf 25,6 Millionen Euro EBIT an. Die Neubewertung begründet er mit besserer Ertragsqualität und Kostendisziplin, nicht mit höheren Umsatzerwartungen.
Beide Analysten sehen in der Kombination aus stabiler Bilanz, breiter Diversifikation und dem Zugang zu Nachfolgeunternehmen im Mittelstand einen strukturellen Wachstumstreiber für Gesco, unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage in der deutschen Industrie.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die GESCO Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +3,64 % und einem Kurs von 14,25EUR auf Tradegate (14. August 2026, 22:25 Uhr) gehandelt.

