Die Schmerzgrenze ist da
US-Verbraucher ziehen bei Rindfleisch die Reißleine – Futures auf Neunmonatstief
Fast zwei Jahre lang wurden immer höhere Preise geschluckt. Jetzt dreht die Nachfrage – ausgerechnet in der stärksten Saison des Jahres.
- Hohe Rindfleischpreise bremsen US-Nachfrage
- Viele Käufer wechseln wegen hoher Preise zu Hähnchen
- Knappes Angebot verzögert Entlastung bis 2027
- Report: KI braucht Strom
Die explodierenden Rindfleischpreise bringen die US-Verbraucher offenbar an ihre Belastungsgrenze. Ausgerechnet mitten in der Grillsaison, wenn die Nachfrage normalerweise besonders stark ist, gingen die Verkaufsmengen in den 13 Wochen bis Mitte Juli gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent zurück, berichtet Bloomberg unter Berufung auf das Marktforschungsunternehmen Circana. In den beiden Jahren zuvor waren die Mengen im gleichen Zeitraum jeweils um rund 5 Prozent gestiegen.
Der Preis bleibt gleichzeitig extrem hoch. Ein Pfund Rinderhackfleisch kostete im Juli im Schnitt 7,116 US-Dollar und damit 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg hat sich zwar abgeschwächt, das Preisniveau liegt aber weiterhin nahe am Rekord. Rund 40 Prozent der Rindfleischkäufer geben inzwischen an, seltener zuzugreifen. Viele wechseln zu günstigeren Alternativen wie Hähnchen.
Für die Fleischbranche wird das zunehmend zum Problem. Seit Ende Juni sind die Großhandelspreise für Rindfleisch und die Terminkontrakte für Lebendrinder deutlich gefallen. Ende Juli rutschten die Futures in Chicago auf den niedrigsten Stand seit Dezember, am Freitag folgte ein neues Neunmonatstief. Dazu kamen die geplante Wiederaufnahme von Rinderimporten aus Mexiko und weitere Werksschließungen bei Tyson Foods.
Die Entspannung für Verbraucher dürfte dennoch dauern. Der US-Rinderbestand liegt weiterhin nahe dem niedrigsten Niveau seit rund fünf Jahrzehnten. Damit bleibt das Angebot knapp, selbst wenn die Nachfrage nachlässt. Die USA versuchen gegenzusteuern: Mehr Fleisch wird unter anderem aus Argentinien importiert, zugleich sollen wieder lebende Rinder aus Mexiko ins Land kommen.
Auch Fast-Food-Konzerne rechnen deshalb nur schrittweise mit Entlastung. Shake Shack erwartet in der zweiten Jahreshälfte eine etwas schwächere Rindfleischinflation, Burger-King-Mutter Restaurant Brands International sieht den größeren Effekt erst Anfang 2027. Sinkende Preise könnten sich laut Premium Brands zudem frühestens gegen Ende des dritten Quartals bei den Kunden bemerkbar machen.
Der entscheidende Wendepunkt ist damit erreicht: Fast zwei Jahre lang konnten immer höhere Rindfleischpreise durchgesetzt werden. Jetzt beginnt die Nachfrage zu brechen – und das ausgerechnet in der saisonal stärksten Phase des Jahres.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

