Über 30 % Gewinn
Diese Währung ist die stärkste der Welt – trotz Zöllen
Mehr als 30 Prozent Plus zum US-Dollar: Der kolumbianische Peso gehört zu den stärksten Währungen der Welt. Was steckt dahinter?
- Kolumbiens Peso legt dank hoher Zinsen stark zu
- Öl und Regierungswechsel stärken den Peso
- Sinkende Ölpreise und Zinssenkungen bergen Risiken
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Von kaum einem Anleger bemerkt, spielt sich in Südamerika eine bemerkenswerte Währungsrallye ab. Der kolumbianische Peso hat gegenüber dem US-Dollar binnen zwölf Monaten mehr als 30 Prozent aufgewertet und steht damit unter den größeren, frei handelbaren Währungen an der Weltspitze. Zuletzt kostete ein US-Dollar nur noch rund 3.100 Peso, verglichen mit mehr als 4.000 vor einem jahr.
Dabei boomt Kolumbiens Wirtschaft keineswegs. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 lediglich ein reales Wachstum von 2,3 Prozent. Gleichzeitig dürfte die Inflation mit rund sechs Prozent deutlich über dem Ziel der Zentralbank bleiben.
Was also macht den Peso so stark? Die wichtigste Antwort lautet: Zinsen. Die Banco de la República hat ihren Leitzins innerhalb weniger Monate kräftig angehoben. Seit Ende Juni liegt er bei 12 Prozent. Noch zu Jahresbeginn waren es 9,25 Prozent. Selbst nach Abzug der Inflation bleibt damit ein beachtlicher realer Zins übrig. Die Verbraucherpreise lagen im Juli 6,03 Prozent über dem Vorjahresniveau. Vereinfacht gerechnet ergibt sich damit ein realer Leitzins von fast sechs Prozentpunkten.
Für internationale Anleger ist das attraktiv. Sie können US-Dollar oder andere Niedrigzinswährungen verkaufen, Peso kaufen und das Geld beispielsweise in kolumbianische Anleihen investieren. Solange der Peso stabil bleibt oder sogar weiter steigt, kommt zum Zinsertrag noch ein Währungsgewinn hinzu. Solche sogenannten Carry Trades haben Schwellenländerwährungen zuletzt generell Rückenwind verschafft. Je größer der Zinsabstand zu den USA, desto interessanter wird das Geschäft. Sollte die US-Notenbank ihre Geldpolitik weniger stark straffen als zwischenzeitlich befürchtet, wächst dieser relative Vorteil zusätzlich. Zuletzt haben schwächere US-Konjunkturdaten die Erwartungen an weitere Fed-Zinserhöhungen bereits gedämpft.

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Der zweite große Faktor liegt im Boden Kolumbiens. Das Land fördert derzeit rund 750.000 Barrel Öl pro Tag und ist ein bedeutender Rohölexporteur. 2024 beliefen sich die Rohölexporte auf rund 12 Milliarden US-Dollar. Damit profitiert Kolumbien anders als viele andere Schwellenländer von hohen Energiepreisen. Der Krieg mit dem Iran und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus haben Brent-Rohöl 2026 zeitweise massiv verteuert. Noch Mitte August lag Brent bei knapp 90 US-Dollar je Barrel.
Steigt der Ölpreis, fließen potenziell mehr US-Dollar aus dem Ausland nach Kolumbien. Das verbessert die Terms of Trade und stützt den Peso. Gleichzeitig setzt die neue Regierung darauf, die jahrelang schwächelnde Öl- und Gasindustrie wieder anzukurbeln. Zwischen 2023 und 2025 waren die ausländischen Investitionen in Bergbau und Öl um 34 Prozent gefallen und die Ölproduktion um vier Prozent gesunken. Hier könnte eine Trendwende zusätzlichen Kapitalzufluss bringen.
Hinzu kommt ein Faktor, der sich erst seit wenigen Monaten vollständig im Kurs widerspiegelt: der Regierungswechsel. Der neue konservative Präsident Abelardo De La Espriella hat Ausgabendisziplin, eine wirtschaftsfreundlichere Politik und einen härteren Kurs gegen Drogenhandel und organisierte Kriminalität angekündigt. Auch das Verhältnis zu Washington hat sich nach den Konflikten zwischen Donald Trump und der vorherigen Regierung deutlich verbessert. Die USA planen eine Milliarde US-Dollar an Sicherheitshilfe.
Die Rallye ist umso bemerkenswerter, weil viele Exporte in die USA einem Basiszoll von 10 Prozent unterliegen. Gleichzeitig macht der starke Peso Waren aus Kolumbien für ausländische Käufer teurer und schmälert die in Peso umgerechneten Einnahmen der Exporteure. Auch die hohe Inflation ist keineswegs besiegt. Mit 6,03 Prozent liegt sie doppelt so hoch wie das Drei-Prozent-Ziel der Zentralbank. Dazu kommen alte strukturelle Risiken. Die Sicherheitslage hat sich gegenüber den Zeiten der großen Kartelle zwar langfristig verbessert, doch Kokainproduktion und der Einfluss bewaffneter Gruppen bleiben ein Problem. Deshalb hat die neue Regierung einen härteren Sicherheitskurs zu einem ihrer zentralen Projekte gemacht.
Die Stärke des Pesos beruht auf einer ungewöhnlichen Kombination: 12 Prozent Leitzins, ein hoher Ölpreis, ein schwächerer US-Dollar und die Hoffnung auf einen wirtschaftspolitischen Neustart. Das funktioniert hervorragend, solange internationales Kapital nach Kolumbien fließt. Sinkt aber der Ölpreis, enttäuscht die neue Regierung oder kann die Zentralbank die Inflation so stark drücken, dass Zinssenkungen möglich werden, verliert der Peso einen Teil seines wichtigsten Arguments.
Im Moment ist jedoch das Gegenteil der Fall: Während viele Industrieländer ihren Anlegern nur moderate Realzinsen bieten, zahlt Kolumbien einen außergewöhnlich hohen Preis für Kapital. Für internationale Investoren ist das ein Risikoaufschlag – und momentan einer, den viele gerne kassieren.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

