Kanada droht das Aus
800 Millionen für Jeep: Stellantis zieht Produktion massiv in die USA
Stellantis investiert über 800 Millionen US-Dollar in den US-Standort Belvidere, verschiebt den Produktionsstart aber erneut. In Kanada wächst zugleich die Unsicherheit.
- Über 800 Millionen Dollar für Werk Belvidere
- Cherokee-Produktion startet erst 2028 und 2029
- Kanadas Werk Brampton drohen Verkauf und Schließung
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Stellantis erhöht die Investitionen in sein Werk in Belvidere, Illinois, verschiebt aber erneut die Wiederaufnahme der Produktion, schrieb Milano Finanza am Dienstag. Die Gruppe wird weitere 200 Millionen US-Dollar investieren und damit ihr Gesamtengagement auf über 800 Millionen US-Dollar erhöhen. Die Pilotphase für den neuen Jeep Cherokee beginnt in der ersten Hälfte des Jahres 2028, die Serienproduktion ist für die zweite Hälfte des Jahres 2029 geplant.
Dies ist die dritte Verschiebung für das Werk, das seit 2023 stillsteht. Der neue Cherokee wird das erste US-Modell sein, das auf der Stla One-Plattform basiert, während das zweite für den Standort vorgesehene Modell noch nicht definiert ist und laut Uaw der Jeep Compass sein könnte. Wie die Zeitung schreibt, ist die Stärkung von Belvidere Teil des 13 Milliarden US-Dollar schweren Investitionsplans in den USA und der Strategie von Stellantis, die amerikanische Produktion zu steigern und das Risiko von Zöllen zu verringern. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit bezüglich des kanadischen Werks in Brampton, dessen Schließung und Verkauf der Unifor-Gewerkschaft erwägt.
Dabei geht es in Belvidere offenbar um weit mehr als eine einfache Wiederaufnahme der Produktion. Stellantis rüstet den Standort umfassend für die neue STLA-One-Architektur um. Bis Ende Juli waren bereits mehr als 60 Millionen US-Dollar in Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage geflossen. Das Werk soll künftig mindestens zwei Modelle und unterschiedliche Antriebsvarianten fertigen können.
Interessant ist dabei vor allem die Rolle des Jeep Compass. Stellantis hatte im Oktober 2025 noch offiziell angekündigt, sowohl den Cherokee als auch den Compass in Belvidere zu bauen und damit rund 3.300 Arbeitsplätze zu schaffen. In den jüngsten Angaben bestätigt der Konzern das zweite Modell jedoch nicht mehr ausdrücklich. Damit ist offen, ob der Compass tatsächlich wie geplant nach Illinois kommt.
Die wiederholte Verzögerung zeigt zugleich, wie stark Stellantis seine Produktionsstrategie in Nordamerika neu ordnet. Ursprünglich sollte Belvidere nach der Stilllegung unter anderem einen mittelgroßen Ram-Pick-up erhalten. Diese Pläne wurden später geändert. Nun soll der Standort zu einem wichtigen Werk für die nächste Modellgeneration von Jeep werden. Noch größer sind die Fragezeichen in Kanada. Stellantis hat die Gewerkschaft Unifor darüber informiert, dass Gespräche über einen möglichen Verkauf des Werks in Brampton geführt werden könnten. Eine endgültige Entscheidung über eine Schließung gibt es bislang nicht. Das Werk war für eine umfangreiche Umrüstung geschlossen worden und sollte ursprünglich ebenfalls den Jeep Compass produzieren.
Für Kanada wäre ein Rückzug besonders bitter. Die Regierung hatte die Modernisierung der Stellantis-Standorte mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Gleichzeitig verlagert der Autobauer einen wachsenden Teil seiner geplanten Investitionen in die USA. Im Rahmen seines 13 Milliarden US-Dollar schweren Programms will Stellantis die amerikanische Fahrzeugproduktion deutlich ausbauen und Tausende zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Damit zeichnet sich immer klarer ab, wohin die Reise geht: mehr Produktion in den USA, weniger Abhängigkeit von Importen aus Mexiko und Kanada – und damit ein geringeres Risiko durch mögliche Zölle. Belvidere könnte zu einem der größten Gewinner dieser Strategie werden. Für Brampton dagegen steht zunehmend die Zukunft des gesamten Standorts auf dem Spiel.
Die Aktie von Stellantis ist am Dienstag (7:50 Uhr, MESZ) auf Tradegate 0,14 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 4,44 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Stellantis Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,28 % und einem Kurs von 4,449EUR auf Lang & Schwarz (18. August 2026, 07:44 Uhr) gehandelt.

