Warnsignal schrillt

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    Japans Schuldenhöhe wird zum Problem

    Deutlich niedrigere Leitzinsen, aber höhere Rendite? Japans 30-jährige Staatsanleihen rentieren höher als Bundesanleihen – und der globale Bondmarkt sendet ein Warnsignal.

    Für Sie zusammengefasst
    • Japans 30-jährige Anleihen rentieren über Bundesanleihen
    • BoJ zieht sich zurück, während Inflationssorgen wachsen
    • Weltweit steigen Langfristrenditen durch wachsenden Kapitalbedarf
    • Report: KI braucht Strom
    Warnsignal schrillt - Japans Schuldenhöhe wird zum Problem

    Jahrzehntelang galt Japan als Inbegriff der Niedrigzinswelt. Die Bank of Japan drückte die Renditen mit Negativzinsen und massiven Anleihekäufen teilweise bis unter null. Nun hat sich das Bild gedreht: 30-jährige japanische Staatsanleihen rentieren mit rund 4,1 Prozent inzwischen deutlich höher als vergleichbare deutsche Bundesanleihen.

    Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil die kurzfristigen Zinsen genau das Gegenteil vermuten lassen. Die Leitzinsen der Bank of Japan liegen bei lediglich 1,0 Prozent, während die der Europäischen Zentralbank bei 2,25 Prozent mehr als doppelt so hoch sind.

    Doch die Rendite einer 30-jährigen Staatsanleihe wird viel stärker durch den Markt bestimmt und weniger durch die Leitzinsen. Wer einem Staat für drei Jahrzehnte Geld leiht, muss sich fragen, wie Inflation, Staatsverschuldung und Zinsen bis weit in die 2050er-Jahre aussehen könnten. Deswegen verlangt der Markt von Japan inzwischen einen immer höheren Risikoaufschlag. Zentralbanken bestimmen mit den Leitzinsen vor allem die Finanzierungskosten mit kurzen Laufzeiten.

    Die Bank of Japan hat vor etwa zwei Jahren mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik begonnen und zieht sich gleichzeitig zunehmend aus dem Anleihemarkt zurück. Jahrelang war die Notenbank der mit Abstand wichtigste Käufer japanischer Staatsanleihen und hielt deren Renditen künstlich niedrig. Nun werden die Käufe reduziert. Allein im laufenden Fiskaljahr soll der Bestand der BoJ an Staatsanleihen um rund 48 Billionen Yen (etwa 260 Milliarden Euro) schrumpfen. Damit muss der Markt mehr Bonds selbst aufnehmen.

    Zugleich wächst die Sorge, dass die japanische Inflation dauerhaft höher bleiben könnte als in den vergangenen Jahrzehnten. Das würde weitere Zinserhöhungen erforderlich machen. Marktbeobachter halten bereits im September den nächsten Schritt der Bank of Japan für möglich. Damit stellt sich für Investoren in Staatsanleihen die Frage: Warum heute Papiere mit einem vergleichsweise niedrigen Zins kaufen und mich damit für Jahrzehnte festlegen, wenn ich schon in wenigen Monaten höhere Renditen erzielen kann?

    Auch Japans Finanzpolitik spielt eine Rolle. Der Staat gehört gemessen an seiner Wirtschaftsleistung zu den am höchsten verschuldeten Industrieländern. Gleichzeitig stehen neue Ausgabenprogramme im Raum. Je mehr Staatsanleihen ausgegeben werden müssen, um diese Programme zu finanzieren und je weniger davon die Zentralbank kauft, desto höher muss unter Umständen die Rendite steigen, um private Investoren anzulocken.

    Deutschland ist zwar ebenfalls auf einen expansiveren Kurs eingeschwenkt. Sondervermögen für Infrastruktur und höhere Verteidigungsausgaben haben bereits zu einem deutlich größeren Angebot an Bundesanleihen geführt. Dennoch gelten Bunds weiterhin als einer der wichtigsten sicheren Häfen der Welt. Deutschlands vergleichsweise günstigere Verschuldungssituation verschafft dem Staat dabei einen Vorteil. Der Renditevorsprung Japans gegenüber Deutschland zeigt, dass Anleger für sehr lange Laufzeiten inzwischen mehr Entschädigung für japanische Inflations-, Zins- und Fiskalrisiken verlangen.

    Japan ist allerdings nur die auffälligste Spitze einer viel größeren Bewegung. Weltweit geraten langlaufende Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist auf rund 3,2 Prozent gestiegen und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2011. Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries kletterte am Dienstag zeitweise auf 5,321 Prozent – den höchsten Stand seit Juni 2007. Und Japans zehnjährige Rendite steht sogar so hoch wie seit rund 30 Jahren nicht mehr.

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    Dahinter steckt ein gemeinsames Problem: Staaten benötigen enorme Mengen Kapital, während gleichzeitig Zentralbanken ihre Anleihebestände nicht mehr wie früher ausweiten. Dazu kommen höhere Energiepreise, Inflationsrisiken und ein wachsender Kapitalbedarf von Unternehmen. Allein große US-Technologiekonzerne haben 2026 laut Reuters bereits Anleihen im Volumen von fast 220 Milliarden US-Dollar begeben, um ihre milliardenschweren KI-Investitionen zu finanzieren. Der Preis dieses Kapitalhungers sind höhere Renditen.

    Für Aktienanleger kann das auch zunehmend wichtig werden. Denn wenn die Rendite sicherer Staatsanleihen in Richtung vier oder fünf Prozent steigt, werden sie als Alternative zum volatilen Aktienmarkt zunehmend attraktiver. Gleichzeitig verteuern sich Kredite für Unternehmen, Immobilienkäufer und Staaten.

    Die eigentliche Überraschung liefert dabei Japan: Ausgerechnet das Land, das jahrzehntelang als Synonym für Nullzinsen galt, muss Anlegern für 30 Jahre inzwischen höhere Renditen bieten als Deutschland. Die große Niedrigzinswelt ist nicht nur vorbei – an den langen Laufzeiten beginnt der Kapitalmarkt gerade, einen deutlich höheren Preis für immer weiter wachsende Schulden zu verlangen.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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