Talfahrt ohne Ende

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    Russlands Rubel kennt seit Monaten nur eine Richtung – abwärts

    Innerhalb von nicht einmal drei Monaten hat der Rubel mehr als 16 Prozent zum US-Dollar verloren und steht kurz vor neuem Jahrestief. Dabei sah die Währung zu Jahresbeginn noch so gut aus.

    Für Sie zusammengefasst
    • Rubel verliert binnen drei Monaten über 16 Prozent
    • Sinkende Exporterlöse und steigende Importe belasten
    • Zinssenkungen und weniger Stützung schwächen Rubel
    • Report: KI braucht Strom
    Talfahrt ohne Ende - Russlands Rubel kennt seit Monaten nur eine Richtung – abwärts

    Noch Ende Mai schien der russische Rubel kaum zu stoppen. Ein US-Dollar kostete am 24. Mai nur 70,12 Rubel. Inzwischen hat das Bild vollständig gedreht. Die russische Zentralbank setzte den offiziellen Kurs am Dienstag bei 85,01 Rubel je US-Dollar fest, am Markt wurden noch schwächere Kurse gehandelt.

    Das entspricht einem Wertverlust der russischen Währung von mehr als 16 Prozent in weniger als drei Monaten. Unter den größeren Währungen der Welt ist das der höchste Verlust in dem kurzen Zeitraum. Viel fehlt damit nicht mehr zum bisherigen Jahrestief: Im März kostete ein US-Dollar zeitweise gut 86 Rubel. Ähnlich sieht die Entwicklung zum Euro aus.

    Im Frühjahr waren die Preise vieler russischer Exportgüter infolge der Energiekrise im Nahen Osten nach oben geschnellt. Russland nahm mehr Devisen ein, während hohe Zinsen Rubel-Anlagen attraktiv machten. Allein zwischen Mitte März und Ende Mai wertete die russische Währung zum US-Dollar und Euro massiv auf. Ende Mai war der Rubel so stark wie seit 2022 nicht mehr.

    Inzwischen läuft genau dieser Sondereffekt aus. Die Bank of Russia führt die Rubel-Schwäche seit Mitte Mai vor allem auf gesunkene Preise wichtiger russischer Exportgüter zurück. Besonders wichtig ist dabei der Energiesektor. Im Frühjahr hatten hohe Ölpreise Russlands Erlöse stark anschwellen lassen. Allein im Mai lagen die Einnahmen aus Öl- und Ölproduktexporten laut Internationaler Energieagentur bei 20,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Daten jedoch zunehmende Probleme bei der Verarbeitung und beim Export: Im Juli brachen die See-Exporte von Ölprodukten gegenüber Juni um ein Drittel ein und lagen fast 55 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dahinter stecken nicht zuletzt Schäden an Raffinerien und Exportinfrastruktur durch ukrainische Angriffe.

    Zudem hat die Rubel-Stärke vom Jahresanfang ihr eigenes Problem geschaffen, da dadurch ausländische Waren für russische Käufer billiger wurden. Im zweiten Quartal kletterten die russischen Warenimporte deshalb um 16 Prozent auf 87 Milliarden US-Dollar. Um diese Waren einzukaufen, benötigen die russischen Händler allerdings Fremdwährungen – sie verkaufen also Rubel und kaufen US-Dollar, Euro oder andere Währungen.

    Hinzu kommt die Geldpolitik. Die russische Zentralbank senkte ihren Leitzins im April auf 14,5 Prozent, im Juni auf 14,25 Prozent und im Juli schließlich auf 14 Prozent. Gleichzeitig halten andere große Zentralbanken ihre Zinsen hoch oder haben sie teilweise sogar angehoben. Der enorme Zinsvorsprung russischer Anlagen schrumpft damit und macht dadurch russische Vermögenswerte für ausländische Investoren weniger attraktiv.

    Schon zu Jahresbeginn wurde außerdem ein weiterer Stützpfeiler schwächer. Die Zentralbank hatte ihre eigenen täglichen Devisenverkäufe für 2026 deutlich reduziert. Solche Verkäufe erhöhen das Angebot an Fremdwährungen und stützen damit tendenziell den Rubel. Weniger Intervention bedeutet entsprechend weniger Rückenwind.

    Trotz des Kursrutsches wäre es falsch, von einer neuen Rubel-Krise zu sprechen. Russlands Leistungsbilanz wies im zweiten Quartal einen Überschuss von 21 Milliarden US-Dollar aus, nach nur 2 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Die Warenexporte lagen mit 126 Milliarden US-Dollar weiterhin deutlich über den Importen. Russland verdient also nach wie vor mehr Devisen, als über den Warenhandel abfließen.

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    Das Problem für den Rubel ist vielmehr die Richtung: Die Preise russischer Exporte (wie beispielsweise Rohöl) sinken tendenziell eher, während die Importe steigen, der Zinsvorsprung schmilzt und die staatliche Unterstützung ist geringer. Der Kurs von rund 71 Rubel je US-Dollar Ende Mai wirkt rückblickend deshalb immer stärker wie eine durch außergewöhnliche Umstände begünstigte Übertreibung.

    Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, dürfte die Marke von gut 86 Rubel je US-Dollar – und damit ein neues Jahrestief für die russische Währung – sehr schnell in Reichweite geraten.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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