Techwerte fallen
Wall Street unter Druck: Weltbörsen fallen, Bondmarkt sendet Alarmsignale
Verluste bei Techaktien haben die US-Börsen und den DAX belastet. Höhere Anleiherenditen und ungelöste Nahost-Spannungen dämpfen die Stimmung weltweit. Der Ölpreis steigt.
- Techverluste und Anleiherenditen belasten Börsen
- DAX gibt nach, während Ölpreise wegen Nahost steigen
- Bitcoin bleibt ruhig, Bewegung wird erwartet
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Der S&P 500 gab am Dienstag um 0,5 Prozent nach, belastet von steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen sowie Sorgen über eine anhaltende Inflation und hohe Ölpreise. Die Rendite 30-jähriger US-Anleihen kletterte dabei auf den höchsten Stand seit Juni 2007. Vergleichbare Bundesanleihen auf ein neues 15-Jahres-Hoch geklettert. Dadurch wachsen am Markt die Sorgen vor anhaltendem Inflationsdruck und steigenden Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen. Anleihen entwickeln sich zunehmend zu einer attraktiven Konkurrenz für Aktien im Kampf um Investorenkapital.
Auch der technologielastige Nasdaq Composite geriet unter Druck und büßte 1,3 Prozent ein. Deutliche Kursverluste im Halbleitersektor – darunter Einbußen von jeweils über 6 Prozent bei Western Digital, Sandisk, Marvell Technology und Seagate Technology – wogen schwer auf dem Index.
Im Vergleich dazu entwickelte sich der Dow Jones Industrial Average recht stabil und handelte nur leicht schwächer. Stützung erhielt der Traditionsindex vor allem durch das Heimwerker-Schwergewicht Home Depot: Die Aktie legte um 1 Prozent zu, nachdem das Unternehmen für das zweite Quartal bessere Ergebnisse als erwartet vorgelegt hatte.
In Frankfurt büßte der deutsche Leitindex zuletzt (Stand: 16:15 Uhr) 0,5 Prozent ein auf 26.202 Punkte. Nach der jüngsten Rekordjagd schlagen die Anleger vorsichtigere Töne an. Damit setzt sich die leichte Konsolidierung fort, nachdem der DAX am vergangenen Mittwoch bei 26.573 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Größte Verlierer sind bei DAX derzeit Infineon und Siemens Energy mit Verlusten über vier Prozent. Titel von Heidelberg Materials verlieren 2,3 Prozent, während es für Bayer, SAP und die Deutsche Telekom an der DAX-Spitze aufwärts geht.
Unternehmensseitig bleibt es nach dem Ende der Berichtssaison ruhig: Hugo Boss reagiert mit minus 0,2 Prozent kaum darauf, dass die britische Frasers Group ihren Anteil nach Ablauf der Übernahmefrist auf knapp unter 48 Prozent erhöhen konnte. Der Werkzeughersteller Einhell gab trotz bestätigtem Jahresausblick um 5,1 Prozent nach. Deutlich stärkere Kursbewegungen lösten Analystenumstufungen aus: Lanxess büßte nach einer Abstufung durch Exane BNP Paribas auf "Underperform" mit einem gesenkten Kursziel von 12 Euro rund 3,5 Prozent ein. Dagegen verzeichneten Sixt und Schott Pharma im SDAX jeweils ein Plus von mehr als 2 Prozent, nachdem Berenberg die Sixt-Aktie auf "Buy" (Ziel: 91 Euro) hochstufte und Barclays Schott Pharma nach einer erwarteten Trendwende auf "Overweight" (Ziel: 27 Euro) setzte. Salzgitter büßte 1,7 Prozent ein, auch wenn Analysten von Bank of America die Coverage mit einem Kursziel von 71 Euro und Kaufempfehlung wieder aufgenommen haben. Der Konzern profitiert von Handelsschutz und steigenden Stahlpreisen: BofA sieht 18 Prozent mehr Ergebnis als der Marktkonsens erwartet.
Die Vorgaben aus Asien liefern am Dienstag wenig Rückenwind:
An den asiatischen Börsen überwogen die Verluste. Der Nikkei 225 sackte um 2,5 Prozent ab, während der chinesische CSI 300 um 0,3 Prozent zurückfiel und der Hang Seng in Honkong 0,1 Prozent zulegte. Während Ölaktien wie Inpex (+3,3 Prozent), Woodside Energy (+0,9 Prozent) und CNOOC (+2,1 Prozent) von den gestiegenen Ölpreisen profitieren, geraten Technologie- und Chipwerte in Asien unter Verkaufsdruck – ungeachtet der Ankündigung von Nvidia, den Bau eines neuen OpenAI-Rechenzentrumskomplexes in Ohio mit bis zu 105 Milliarden US-Dollar zu unterstützen. Deutliche Verluste verzeichneten unter anderem Murata Manufacturing (-9,6 Prozent), Kioxia (-7,6 Prozent), Tokyo Electron (-6,2 Prozent), Advantest (- 5,1 Prozent) und Hua Hong (-2,0 Prozent), während Samsung Electronics (-2,2 Prozent) nachgaben und SK Hynix entgegen dem Trend um 1,0 Prozent zulegen konnte.
In Australien kletterte die Aktie von BHP Group um 1,7 Prozent. Der Gewinn des weltgrößten Bergbaukonzerns stieg um fast ein Drittel, da die hohen Rohstoffpreise das Ergebnis ankurbelten; dabei überstieg der Gesamtjahresumsatz mit Kupfer erstmals den mit Eisenerz.
Rohstoffe (Öl & Gold):
Die Ölpreise haben wegen der anhaltenden geopolitischen Risiken im Nahen Osten weiter zugelegt. Die Sorte Brent verteuerte sich um 0,1 Prozent auf 91,00 US-Dollar pro Barrel, während das US-Öl WTI bei etwa 85,00 US-Dollar je Barrel 0,5 Prozent höher notiert.
Gold: Das Edelmetall gibt 0,4 Prozent nach auf etwa 4.455 US-Dollar pro Unze. Silber sackt um 2,2 Prozent ab.
Devisen (EUR/USD & Yen)
- EUR/USD: Der Euro hält seine jüngste Stärke und notiert stabil bei etwa 1,1570 US-Dollar.
- USD/JPY: Der US-Dollar hält sich gegenüber dem japanischen Yen stabil und bewegt sich bei rund 159,47 Yen. Die Märkte warten auf Signale der Bank von Japan bezüglich einer möglichen Leitzinsanhebung im Herbst.
Kryptowährungen
Bitcoin präsentiert sich im abwartenden Fahrwasser der allgemeinen Finanzmärkte und gewinnt akuell 0,9 Prozent auf rund 64.866 US-Dollar. Die ungewöhnliche Ruhe am Kryptomarkt in den letzten Wochen könnte schon bald vorbei sein. Bitcoin steht nach Einschätzung von Fundstrat vor einer deutlich größeren Kursbewegung.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

