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US-Dollar akut absturzgefährdet

Gastautor: Robert Rethfeld
04.08.2007, 18:03  |  12137   |   |   
Es ist eine alte Weisheit, dass die weltweiten Kapitalströme in einem bullischen globalen Finanzumfeld überwiegend in spekulativer Manier angelegt werden, während in einer bärischen Phase der „sichere Hafen“ bevorzugt wird. Als sicherer Hafen gelten beispiels-weise die Staatsanleihen der meisten Industrieländer oder Währungen wie der Schweizer Franken oder Edelmetalle wie Gold oder Silber.

Schwindet das Vertrauen in eine Volkswirtschaft, kommt es in der Regel zu relativen Verlusten der Währung gegenüber Alternativ-Währungen. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die für die USA bekannten Fakten (Verschuldung, Handelsbilanzdefizit, Haushaltsdefizit, negative Sparquote) eingehen. Vielmehr möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf den Chart des US-Dollar-Index lenken. Dieser Index zeigt den Verlauf des US-Dollar gegen einen handelsgewichteten Währungskorb, der vornehmlich aus Euro, Yen und britischem Pfund besteht. Der Index wird seit 1990 von der 80-Punkte-Marke unterstützt (rote Linie).



Gegenwärtig notiert der Dollar-Index bei 80,06 Punkten. Der aktuelle Test ist bereits der fünfte in achtzehn Jahren. Die Unterstützung erscheint akut gefährdet. Die letzte Reaktion des US-Dollars nach oben war nur schwach. Zudem beginnt bald eine Phase saisonaler Schwäche im US-Dollar. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Unterschreitung der 80-Punkte-Marke deutlich.



Wir wissen, dass die US-Amerikaner in den vergangenen Jahren ihr Kapital in bisher ungekanntem Ausmaß im Ausland investiert oder angelegt haben. Damit trugen sie in bedeutendem Maße zur bisherigen Abschwächung des US-Dollar bei.

Problematisch erscheint, dass die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten den Vertrauensverlust in den US-Dollar deutlich erhöhen. Die am Freitag veröffentlichten Zahlen zur US-Arbeitsmarktsituation und zur US-Dienstleistungsbranche lassen eine Abschwächung der US-Wirtschaft wahrscheinlicher werden. In Verbindung mit der sich verschärfenden Finanzkrise zeichnen sich für die kommenden Monate Leitzinssenkungen durch die US-Zentralbank ab. Die Zinsen am langen Ende fallen bereits seit Wochen. Das gleiche gilt für den Realzins, da sich die Inflationsrate momentan kaum verändert. Ein fallender Realzins schreckt potentielle Investoren ab und erhöht tendenziell den Druck auf die Währung. Die zunehmende Risikoaversion der Anleger führt zu einer forcierten Auflösung von Carry-Trades und damit zu einem steigenden Yen, was den US-Dollar zusätzlich unter Druck setzt.

Es ist zweifelhaft, ob die Repatriierung von Geldern in die USA ausreicht, um dem Fall des US-Dollar Einhalt zu gebieten. In Zeiten einer sich entwickelnden Finanzkrise wird nicht nur in den USA, sondern das Geld auf weltweiter Basis zurückgeholt: Auch die Japaner verkaufen den US-Dollar und kaufen den Yen, das gleiche gilt für die Europäer, was eine Unterstützung für den Euro darstellt. Diese Rückholmaßnahmen geschehen häufig nicht freiwillig, sondern in einem fortgeschrittenen Stadium einer Finanzkrise vor allem deshalb, um eigene Löcher zu stopfen. Die Effekte aus der Repatriierung dürften sich demnach ausgleichen.

Charttechnisch betrachtet hätte der US-Dollar-Index das Potential, sich von hier aus nochmals zu halbieren. Was ein derartiger Werteverfall für Konsequenzen hätte, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht ausschmücken.

Der Stress im weltweiten Finanzsystem nimmt weiter deutlich zu. Fonds schließen oder werden abgewickelt, Hypothekenfinanzierer melden Konkurs an, Banken geraten in Schieflage, die Versicherungen gegen Unternehmenszusammenbrüche verteuern sich täglich. Der Handel mit Subprime-Tranchen unterhalb der besten Bonität (AAA) findet seit dem 25. Juli praktisch nicht mehr statt. Der Finanzchef von Bear Stearns (ein großer US-Broker) spricht bereits von einer Krise, die größer ist als die Internet-Blase zur Jahrtausendwende.

Wenn das alles eintrifft, was sich andeutet, dann ist das hier bitterer Ernst. Speziell in den USA würde es ein brutales Erwachen geben. Folgt der Finanzkrise tatsächlich eine Rezession, würden alle wirtschaftlichen Bereiche erfasst werden und die Arbeitslosigkeit würde – zunächst in den USA - deutlich steigen. Europa – und auch Asien - würde von einer solchen Krise nicht verschont bleiben.

Ich kann nur ernsthaft hoffen, dass ich die Dramatik der Situation heillos überschätze. Ein Indiz dafür wäre, wenn der US-Dollar die Marke von 80 Punkten halten würde.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

www.wellenreiter-invest.de

P.S. Wir schauen hinter die Märkte und betrachten diese mit exklusiven Charts.
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