Earnings Preview
Nvidia, Marvell & Salesforce mit Zahlen: Geht der KI-Bullenmarkt jetzt weiter?
Diese in den kommenden Tagen (KW34) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Montag, 24. August: Xpeng
Hinter den Anteilen chinesischer Fahrzeughersteller liegt eine schwierige Zeit. Zwar sorgt der starke Ölpreisanstieg für vermehrtes Kaufinteresse auch auf internationalen Märkten, gleichzeitig ist der Wettbewerbsdruck auf dem chinesischen Heimatmarkt immens hoch. Das zwingt Händler zu Rabatten und sorgt für sinkende Margen – die sich verschlechternde Ertragslage hat sich bei Xpeng in Verlusten von 46,4 Prozent in den vergangenen 12 Monaten niedergeschlagen.
Dementsprechend bemüht sich das Unternehmen um eine Diversifizierung seines Geschäftsmodells. Ähnlich wie Tesla mit Optimus Prime hat Xpeng mit Xpeng Iron bereits im vergangenen Jahr einen humanoiden Roboter vorgestellt, dessen Produktionsstart (in Serie) noch in 2026 erfolgen soll. Neben den Geschäftszahlen zum abgelaufenen Quartal könnten finanzielle Details zu Xpeng Iron zum Hauptaugenmerk der Investoren werden.
Bei den Erlösen wird mit einem Wachstum von 19,7 Prozent auf 3,04 Milliarden US-Dollar gerechnet. Auf der Ertragsseite wird trotz oder gerade wegen höherer Umsätze aber ein Rückschlag erwartet. Nach einem Fehlbetrag von -0,06 US-Dollar pro Aktie vor einem Jahr prognostizieren Analystinnen und Analysten nun einen Verlust von -0,11 US-Dollar je Anteil.
Am Optionsmarkt wettet eine überwältigende Mehrheit der Händlerinnen und Händler auf eine positive Kursreaktion – und dass, obwohl die Aktie zuletzt viermal hintereinander gefallen ist. 78,0 Prozent aller am kommenden Freitagverfallende Kontrakte sind Call-Optionen, denen ein Put-Anteil von 22,0 Prozent gegenübersteht. Eingepreist ist eine Kursreaktion von bis zu 9,1 Prozent.
Mittwoch, 26. August: CrowdStrike
Cybersecurity-Werte gehören zu wenigen Titeln innerhalb der Softwarebranche, die sich dem monatelangen Abverkauf entziehen konnten. Sie haben sich im Gegenteil sogar sehr stark entwickelt, denn zu den Schattenseiten von Künstlicher Intelligenz gehört eine wachsende Zahl an KI-unterstützten Hackerangriffen, was zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach Sicherheitslösungen geführt hat. Unter anderem angeführt von CrowdStrike, dessen Aktie in den vergangenen 12 Monaten um über 85 Prozent gestiegen ist, hat sich der Branchen-ETF Amplify Cybersecurity im zurückliegenden Jahr um rund 36 Prozent verteuert.
Gerade bei CrowdStrike stellt sich jedoch immer mehr die Bewertungsfrage, denn die Aktie ist inzwischen mit einem KGVe 2027 von 155,7 bewertet. Werden Aktienvergütungen mit berücksichtigt, liegt das Gewinnvielfache nach standardisierter Rechnungslegung GAAP sogar im vierstelligen Bereich. Auch bei anderen Kennziffern ist CrowdStrike sehr teuer bewertet, was die Gefahr einer Bewertungskorrektur stetig wachsen lässt.
Anlegerinnen und Anleger dürften sich daher mit nicht weniger als absoluten Blockbuster-Zahlen zufrieden geben. Vom Markt gefordert ist ein Umsatzergebnis in Höhe von 1,44 Milliarden US-Dollar und ein Gewinnergebnis von 0,29 US-Dollar pro Aktie (Non-GAAP). Gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche dies einem Wachstum von 23,1 Prozent beziehungsweise 26,1 Prozent.
Angesichts der bereits herausragenden Performance überwiegt bei CrowdStrike vor den Zahlen das Absicherungsinteresse, einem Call-Anteil von 43,9 Prozent steht eine Put-Quote von 56,1 Prozent gegenüber. Die implizite Kursreaktion liegt bei ± 8,9 Prozent.
Mittwoch, 26. August: Nvidia
Halbleiterwerte waren im Börsenjahr 2026 einer der heißesten Trades. Angetrieben vor allem von den Anteilen von Speicherchipherstellern wie Micron, SanDisk und SK Hynix konnte sich der Branchenindex Philadelphia Semiconductor zeitweise mehr als verdoppeln. Trotz der jüngsten Korrektur beträgt das Plus noch immer stolze 72,7 Prozent. Deutlich gemächlicher ging es dagegen beim Branchenprimus Nvidia zu, der gegenüber dem Jahreswechsel mit einem Aufschlag von 15,1 Prozent gehandelt wird – die Unternehmensbewertung ist dadurch so attraktiv wie schon lange nicht mehr, was viele Anlegerinnen und Anleger auf eine Aufholjagd hoffen lässt.
Doch die ist alles andere als garantiert, denn wenngleich Nvidia auch im abgelaufenen Quartal stark gewachsen sein dürfte und mit dem Auslieferungsbeginn von der neuen GPU-Generation Vera Rubin über einen weiteren Wachstumstreiber verfügt, wachsen die Zweifel an der finanziellen Nachhaltigkeit der hohen Investitionsausgaben der Hyperscaler und Neocloud-Unternehmen.
Immer häufiger finanziert Nvidia seine eigenen Kunden oder erhält im Gegenzug für die Lieferung von KI-Hardware Unternehmensanteile. Das lässt die Furcht vor einer Kreislauffinanzierung und Erinnerungen an die Dotcom-Blase erwachen – damals hatten Cisco und Intel ähnlich wie Nvidia heute ebenfalls ihre Kunden finanziert, was die Wachstums- und Boom-Phase zwar verlängerte, aber zu einem umso größeren Crash im Anschluss führt. Am Kreditmarkt jedenfalls wird Nvidia zunehmend kritisch betrachtet. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen sind zuletzt spürbar gestiegen. Einmal mehr wird Nvidia daher zum Gradmesser für den gesamten KI-Boom.
Einige Analystinnen und Analysten erwarten nicht weniger als den größten Earnings-Beat aller Zeiten. Um bis zu 3 Milliarden US-Dollar könnte das Umsatzergebnis nach Einschätzung von Jefferies über der Marktprognose von 92,07 Milliarden US-Dollar liegen. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird mit 2,09 US-Dollar knapp eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahresergebnis von 1,05 US-Dollar je Anteil erwartet. Das zeigt, wie stark Nvidia zuletzt in seine einst hohe Unternehmensbewertung hineingewachsen sein könnte.
Beim KI-Überflieger sind Optionshändlerinnen und -händler moderat bullish. Einem Put-Anteil von 40,2 Prozent stehen auf der Call-Seite 59,8 Prozent gegenüber. Gerechnet werden muss mit einer Kursreaktion von bis zu 6,1 Prozent. Das ist ein für die Aktie durchschnittlicher Wert.
Mittwoch, 26. August: Salesforce
Noch vor wenigen Wochen herrschte bei der Aktie von Salesforce Land unter. Das Papier des Spezialisten für Kundenbeziehungsmanagement (CRM) war nach dem monatelangen Ausverkauf in der Softwarebranche auf den niedrigsten Stand seit dem Bärenmarkt 2022 gefallen. Trotz einer Erholung von 40 Prozent gegenüber ihren Mehrjahrestiefs notiert Salesforce gegenüber dem Jahreswechsel noch immer mit Verlusten von 21,0 Prozent. Es gibt also einiges wiedergutzumachen.
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung sind die Voraussetzungen für eine ansprechende Kursreaktion grundsätzlich günstig, denn mit einem KGVe von 14,8 handelt Salesforce deutlich unter seinem 5-Jahres-Mittel von 30,2. Auch gegenüber dem Branchendurchschnitt liegt ein Abschlag von 36,2 Prozent vor – dieser Trend setzt sich bei vielen weiteren Kennziffern fort. Zwar wächst Salesforce deutlich langsamer als viele andere Unternehmen aus der Softwarebranche, das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 0,92 ist aber ebenfalls günstig.
In den vergangenen 2 Quartalen ist Salesforce eine deutliche Wachstumsbeschleunigung gelungen. Eine solche werden Investoren jetzt erneut sehen wollen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit dürfte dabei die KI-unterstützte Plattform Agentforce stehen, die aktuell als Wachstumstreiber des Unternehmens gilt. Für die Erlöse wird ein Anstieg von 10,24 auf 11,32 Milliarden US-Dollar erwartet (+10,5 Prozent), der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich auf 3,27 US-Dollar belaufen nach 2,91 US-Dollar vor 12 Monaten (+12,4 Prozent).
Anlegerinnen und Anleger wetten mit einer knappen Mehrheit darauf, dass die Erholung der Salesforce-Aktie auch nach den Zahlen anhält. Einem Call-Anteil von 52,8 Prozent stehen auf der Put-Seite 47,2 Prozent aller am kommenden Freitag verfallenden Optionskontrakte gegenüber. Die implizite Kursreaktion entspricht mit 7,9 Prozent dem Mittel der vergangenen Quartale.
Donnerstag, 27. August: Marvell
Geht es nach Nvidia-CEO Jensen Huang ist Marvell langfristig auf dem Weg zu einer Billionen-Bewertung. Bis hierhin ist es jedoch noch ein weiter Weg, der knapp eine Verfünffachung des Börsenwertes voraussetzen würde – unwahrscheinlich angesichts der gegenwärtig hohen Unternehmensbewertung. Beim KGV ist Marvell mit 58,4 bereits mehr als doppelt so hoch bewertet wie Nvidia (23,8). Gleichzeitig ist das Gewinnwachstum mit einem PEG von 1,57 nicht mehr günstig – im Mittel werden Halbleiterwerte aktuell mit einem PEG von 1,25 gehandelt.
Damit liegt die Hürde für den Spezialisten für Halbleiterprodukte nach Kundenwunsch (ASIC) und Rivalen von Broadcom hoch. Ohne starke Zahlen und einen überzeugenden Ausblick könnte die Aktie vor einer empfindlichen Bewertungskorrektur stehen.
Von Analystinnen und Analysten gefordert ist ein Umsatzergebnis von 2,71 Milliarden US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Wachstum von 34,8 Prozent entsprechen würde (nach +22,1 und +27,6 Prozent in den beiden Quartalen zuvor). Das Gewinnergebnis soll sich auf 0,93 US-Dollar je Aktie belaufen, was ein Anstieg von 38,8 Prozent bedeuten würde.
Deutlich optimistischer als gegenüber Nvidia zeigen sich Händlerinnen und Händler bei Marvell, wo 65,0 Prozent der Optionen auf der Call-Seite liegen. Vor allem nach den im März vorgelegten Quartalszahlen überzeugte die Aktie mit einem Plus von 18,4 Prozent. Jetzt hoffen Anlegerinnen und Anleger offenbar auf eine Wiederholung. Eingepreist ist eine Reaktion von ± 11,2 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| PDD Hldgs. | Mo., 24.08. | Vorbörse | 2,73 $ | 16,94 Mrd. $ | ± 7,5 % | 125,5 Mrd. $ |
| Bank of Montreal | Di., 25.08. | Vorbörse | 2,72 $ | 7,09 Mrd. $ | ± 5,0 % | 122,2 Mrd. $ |
| Bank of Nova Soctia | Di., 25.08 | Vorbörse | 1,52 $ | 7,20 Mrd. $ | ± 4,5 % | 106,8 Mrd. $ |
| Intuit | Di., 25.08 | Nachbörse | 3,59 $ | 4,27 Mrd. $ | ± 9,3 % | 100,4 Mrd. $ |
| Heico | Di., 25.08 | Vorbörse | 1,51 $ | 1,35 Mrd. $ | ± 9,0 % | 49,6 Mrd. $ |
| Zoom Comms. | Di., 25.08 | Nachbörse | 1,48 $ | 1,27 Mrd. $ | ± 8,5 % | 31,5 Mrd. $ |
| Dick's Sporting | Di., 25.08 | Vorbörse | 3,79 $ | 5,65 Mrd. $ | ± 12,0 % | 16,3 Mrd. $ |
| Semtech | Di., 25.08 | Nachbörse | 0,61 $ | 328,7 Mio. $ | ± 20,8 % | 11,6 Mrd. $ |
| Vipshop | Di., 25.08 | Vorbörse | 0,58 $ | 3,66 Mrd. $ | ± 7,9 % | 7,0 Mrd. $ |
| Joyy | Di., 25.08 | Vorbörse | 1,20 $ | 570,4 Mio. $ | ± 8,3 % | 3,7 Mrd. $ |
| Ehang | Di., 25.08 | Vorbörse | -0,13 $ | 19,6 Mio. $ | ± 17,4 % | 396,6 Mio. $ |
| Synopsys | Mi., 26.08. | Nachbörse | 3,67 $ | 2,44 Mrd. $ | ± 8,7 % | 76,2 Mrd. $ |
| Agilent | Mi., 26.08. | Nachbörse | 1,49 $ | 1,84 Mrd. $ | ± 8,9 % | 44,9 Mrd. $ |
| Veeva Systems | Mi., 26.08. | Nachbörse | 2,22 $ | 905,3 Mio. $ | ± 11,7 % | 40,3 Mrd. $ |
| Williams-Sonoma | Mi., 26.08. | Vorbörse | 2,07 $ | 1,93 Mrd. $ | ± 10,4 % | 28,0 Mrd. $ |
| HP | Mi., 26.08. | Nachbörse | 0,66 $ | 14,39 Mrd. $ | ± 9,9 % | 27,2 Mrd. $ |
| Okta | Mi., 26.08. | Nachbörse | 0,96 $ | 793,0 Mio. $ | ± 12,8 % | 23,5 Mrd. $ |
| Nutanix | Mi., 26.08. | Nachbörse | 0,49 $ | 738,2 Mio. $ | ± 14,5 % | 18,3 Mrd. $ |
| JM Smucker | Mi., 26.08. | Vorbörse | 2,22 $ | 2,13 Mrd. $ | ± 7,2 % | 13,3 Mrd. $ |
| Li Auto | Mi., 26.08. | Vorbörse | -0,22 $ | 3,72 Mrd. $ | ± 6,7 % | 12,8 Mrd. $ |
| JinkoSolar | Mi., 26.08. | Vorbörse | -0,70 $ | 2,08 Mrd. $ | ± 15,2 % | 833,7 Mio. $ |
| Royal B. of Canada | Do., 27.08. | Vorbörse | 2,95 $ | 13,18 Mrd. $ | ± 4,5 % | 258,2 Mrd. $ |
| Toronto-Dominion | Do., 27.08. | Vorbörse | 1,79 $ | 11,00 Mrd. $ | ± 4,9 % | 193,5 Mrd. $ |
| Autodesk | Do., 27.08. | Nachbörse | 3,12 $ | 2,01 Mrd. $ | ± 8,4 % | 53,6 Mrd. $ |
| Workday | Do., 27.08. | Nachbörse | 2,61 $ | 2,64 Mrd. $ | ± 7,2 % | 49,4 Mrd. $ |
| Dollar General | Do., 27.08. | Vorbörse | 2,01 $ | 11,19 Mrd. $ | ± 8,6 % | 27,2 Mrd. $ |
| Affirm | Do., 27.08. | Nachbörse | 0,82 $ | 1,11 Mrd. $ | ± 11,5 % | 25,8 Mrd. $ |
| Dollar Tree | Do., 27.08. | Nachbörse | 1,13 $ | 4,86 Mrd. $ | ± 9,3 % | 25,3 Mrd. $ |
| Ulta Beauty | Do., 27.08. | Nachbörse | 6,19 $ | 2,98 Mrd. $ | ± 8,9 % | 22,7 Mrd. $ |
| Rubrik | Do., 27.08. | Nachbörse | 0,04 $ | 396,2 Mio. $ | ± 13,4 % | 20,6 Mrd. $ |
| Best Buy | Do., 27.08. | Vorbörse | 1,37 $ | 9,57 Mrd. $ | ± 7,9 % | 18,1 Mrd. $ |
| IREN | Do., 27.08. | Nachbörse | -0,46 $ | 140,8 Mio. $ | ± 13,8 % | 15,0 Mrd. $ |
| Hormel Foods | Do., 27.08. | Vorbörse | 0,35 $ | 3,04 Mrd. $ | ± 5,7 % | 13,1 Mrd. $ |
| SentinelOne | Do., 27.08. | Nachbörse | 0,07 $ | 290,3 Mio. $ | ± 12,4 % | 7,3 Mrd. $ |
| Hyperliquid | Do., 27.08. | Vorbörse | 0,78 $ | 3,6 Mio. $ | ± 15,5 % | 2,1 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilieninvestitionsfonds (REIT), daher Funds from Operations (FFO) statt EPS
Stand: Sonntag, 23. August, 15:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
