Dividenden-Radar
Vici bietet die höchste Rendite im S&P 500, doch kaum jemand kennt die Aktie
Über 7 Prozent Rendite, Dividendenerhöhungen seit dem Börsengang und Mieter bis zum Jahr 2100. VICI bietet Einkommensjägern eine seltene und interessante Mischung.
- VICI erreicht über sieben Prozent Dividendenrendite
- Acht Dividendenerhöhungen in acht Jahren seit IPO
- Zinslast und Casinoabhängigkeit bergen Risiken
- Report: KI braucht Strom
Bei hohen Dividendenrenditen ist Vorsicht meist angebracht. Oft steckt hinter sieben oder acht Prozent Ausschüttung ein Unternehmen, dessen Kurs und Geschäft unter Druck steht und dessen Dividende bereits wackelt. VICI Properties fällt aus diesem Muster heraus. Der US-Immobilienkonzern kommt aktuell auf über 7 Prozent Forward-Rendite und ist damit der dividendenstärkste Titel im S&P 500, laut Daten von Seeking Alpha. Gleichzeitig hat der REIT seine Ausschüttung seit dem Börsengang in jedem Jahr erhöht.
Und damit Willkommen beim heutigen Dividenden-Radar, bei dem wir wieder den Sprung über den großen Teich machen, nachdem wir uns in der vergangenen Woche den britischen Lebensversicherer Standard Life genauer angeschaut haben. Im Gegensatz zu den Briten, deren Wurzeln bis ins Jahr 1782 zurückreichen, blickt VICI allerdings noch auf keine allzu lange Historie zurück. Das Unternehmen entstand erst am 6. Oktober 2017 aus der Insolvenzrestrukturierung von Caesars Entertainment Operating Company. Immobilien des Casinokonzerns wurden in einen eigenständigen REIT ausgelagert. VICI startete mit 19 Immobilien und nur einem Mieter: Caesars Entertainment. Im Februar 2018 folgte der Börsengang.
Seitdem hat sich das Unternehmen grundlegend verändert. Heute gehören dem Konzern 103 Freizeit- und Erlebnisimmobilien in den USA und Kanada, darunter 63 Gaming-Objekte. Das Portfolio umfasst mehr als 12 Millionen Quadratmeter Fläche, rund 66.000 Hotelzimmer sowie mehr als 700 Restaurants, Bars, Nachtclubs und Sportwetten-Angebote. Zu den bekanntesten Immobilien zählen Caesars Palace, MGM Grand und The Venetian in Las Vegas.
Das Geschäftsmodell ist einfach: VICI betreibt die Casinos und Hotels nicht selbst, sondern besitzt die Immobilien und vermietet sie langfristig an Betreiber. Viele Verträge sind sogenannte Triple-Net-Leases. Dabei trägt der Mieter neben der Miete typischerweise auch wesentliche Kosten für Betrieb, Instandhaltung, Versicherungen und Steuern. Für VICI entstehen dadurch vergleichsweise planbare Zahlungsströme. Neue Verträge laufen häufig über Jahrzehnte und enthalten regelmäßige Mietsteigerungen. Die Verträge mit Caesars Entertainment laufen teilweise bis in die 2050er Jahre, die Vereinbarungen mit MGM Resorts reichen inklusive Verlängerungsoptionen sogar bis 2100.
Acht Jahre – acht Dividendenerhöhungen
Diese langlaufenden Verträge bieten eine ungewöhnlich hohe Planbarkeit der Mieteinnahmen und künftiger Dividenden. VICI zahlte in seinem ersten Jahr (2018) insgesamt 0,9975 US-Dollar je Aktie. Im vergangenen Jahr waren es bereits 1,765 US-Dollar. Selbst während der Pandemie wurde die Ausschüttung nicht gekürzt.
Im vergangenen September hob VICI die Quartalsdividende erneut um vier Prozent auf 0,45 US-Dollar an. Das Unternehmen sprach damit von der achten jährlichen Dividendenerhöhung in Folge seit dem IPO. Für das laufende Jahr sagen Analysten eine weitere leichte Erhöhung auf 1,82 US-Dollar je Aktie voraus. Das entspricht einer erwarteten Dividendenrendite von 7,04 Prozent.
Auch operativ wirkt die Ausschüttung derzeit nicht überzogen. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Der für REITs wichtigere bereinigte operative Mittelzufluss AFFO legte je Aktie um 4,6 Prozent auf 0,62 US-Dollar zu. Für das Gesamtjahr erwartet VICI einen AFFO von 2,45 bis 2,47 US-Dollar je Aktie. Die annualisierte Dividende entspricht damit nur rund 73 Prozent des erwarteten AFFO. Für einen REIT bleibt damit noch Luft.
Das Wachstum geht zudem weiter. Im zweiten Quartal übernahm VICI unter anderem sieben Casinoimmobilien von Golden Entertainment für 1,16 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen neue Partnerschaften mit Clairvest und Club Med sowie weitere Immobilien in Kanada. Damit versucht das Unternehmen, seine ursprünglich extreme Abhängigkeit von Caesars Stück für Stück zu reduzieren.
Warum gibt es fast sieben Prozent?
Die hohe Rendite kommt nicht ohne Grund. Die Aktie notiert inzwischen mehr als 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ein Belastungsfaktor sind die hohen Zinsen, die tendenziell weiter steigen könnten. Immobilienkonzerne finanzieren einen erheblichen Teil ihres Wachstums über Fremdkapital und neue Aktien. Je teurer Kapital ist, desto schwieriger wird es, Übernahmen zu attraktiven Renditen zu finanzieren. Zum 30. Juni standen bei VICI rund 17,2 Milliarden US-Dollar Schulden in der Bilanz.
Hinzu kommt die Konzentration auf große Casino- und Freizeitbetreiber. Caesars und MGM bleiben besonders wichtige Mieter. Gerät ein großer Betreiber finanziell unter Druck, kann das für VICI trotz langfristiger Verträge problematisch werden. Und anders als eine gewöhnliche Lagerhalle lässt sich ein milliardenschweres Casino-Resort nicht ohne Weiteres für einen völlig anderen Zweck nutzen.
Die Wall Street bleibt dennoch überwiegend konstruktiv. Raymond James, Cantor Fitzgerald und Jefferies bestätigten im August Kaufempfehlungen, während Evercore ISI neutral blieb. Jefferies sieht das Kursziel bei 37 US-Dollar, BNP Paribas bei 32 US-Dollar und Baird ebenfalls bei 32 US-Dollar. Die entspricht einem Aufwärtspotenzial von 24 bis 43 Prozent für die Aktie.
VICI ist damit noch kein klassischer Dividendenaristokrat – dafür ist die Börsenhistorie viel zu kurz. Doch acht Erhöhungen in acht Jahren, eine AFFO-Ausschüttungsquote von rund 73 Prozent und aktuell fast sieben Prozent Rendite sind eine ungewöhnliche Kombination. Wer die Zins- und Mieterrisiken akzeptiert, findet hier einen der spannendsten Hochdividendenwerte im S&P 500.
12.000 Euro Dividende: So viel Kapital wäre nötig
Wer mit VICI auf 12.000 Euro Bruttodividende pro Jahr kommen möchte, müsste bei einer Rendite von 6,96 Prozent aktuell etwa 172.000 Euro investieren. Zum Vergleich: Bei Standard Life im Radar der vergangenen Woche waren es rund 194.000 Euro und bei der polnische PKO Bank in der Woche davor etwa 216.000 Euro.
Für deutsche Anleger kommt schließlich die Steuer hinzu. Auf US-Dividenden greift aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens bei privaten Anlegern in der üblichen Konstellation eine US-Quellensteuer von 15 Prozent. Die Quellensteuer wird grundsätzlich auf die deutsche Besteuerung der Kapitalerträge angerechnet. Ohne Kirchensteuer und bei ausgeschöpftem Sparer-Pauschbetrag liegt die Gesamtbelastung in der üblichen Konstellation ungefähr auf dem deutschen Niveau von 26,375 Prozent..
Übersicht zur Dividende von Vici Properties
Marktkapitalisierung: 28,48 Milliarden US-Dollar (24,59 Milliarden Euro)
Dividendenrendite für 2025: 6,28 %, 2026e 7,04 %
Dividende erhöht: 8 Jahre in Folge (seit IPO)
Dividende nicht gesenkt: 8 Jahre
Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: 8 Jahre
Frequenz: viermal jährlich, gewöhnlich April, Juli, Oktober und Januar
Zeitplan
04.06.2026: Dividendenvorschlag (nächster Vorschlag um den 18.09.2026)
18.06.2026: Ex-Tag/Record Date
09.07.2026: Auszahlung
| Geschäftsjahr |
Dividendenrendite in %** |
Dividende in US-Dollar |
|---|---|---|
| 2028e | 7,73e | 2,00e |
| 2027e | 7,38e | 1,91e |
| 2026e | 7,04e | 1,82e |
| 2025 | 6,28 | 1,765 |
| 2024 | 5,80 | 1,695 |
| 2023 | 5,05 | 1,61 |
| 2022 | 4,63 | 1,50 |
| 2021 | 4,58 | 1,38 |
| 2020 | 4,92 | 1,255 |
| 2019 | 4,58 | 1,17 |
| 2018 | 5,31 | 0,9975 |
* Quellen: Vici Properties, FactSet, wallstreetONLINE.
** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs des jeweiligen Geschäftsjahres genommen, beziehungsweise ab 2026 der aktuelle Kurs.
Die optimale Dividendenstrategie
Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:
Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.
Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.
Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.
Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.
Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.
Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.
Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.
Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.
Fazit:
Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.
Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
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