Earnings Preview
Nach Nvidia: Jetzt müssen Broadcom, Dell und Burry-Wert Lululemon ran!
Diese in den kommenden Tagen (KW35) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Dienstag, 01. September: Dell
Zu den vielen Profiteuren des KI-Infrastrukturbooms gehören auch Serverhersteller wie Dell. Den Anteilen hat das in den vergangenen 12 Monaten zu einem Plus von 256 Prozent verholfen. Zwar bestanden lange Unsicherheiten bezüglich der Margen im Servergeschäft, die hat Dell mit einer Margenexpansion aber erfolgreich adressieren können – eine Entwicklung, die nicht zuletzt auch Mitbewerbern wie Hewlett Packard Enterprises und Super Micro Computer zugutegekommen ist.
Der starke Kursanstieg der Aktie hat aber im wahrsten Sinne des Wortes einen hohen Preis, denn die Unternehmensbewertung ist inzwischen weit über die historische Norm hinaus gestiegen. Für 2026 steht ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGVe) von 24,6 zu Buche, was um mehr als das Doppelte über dem 5-Jahres-Durchschnitt von 11,7 liegt. Das zeigt allerdings auch an, dass Dell nun nicht mehr als PC- und Peripheriegeräte, sondern als Zulieferer der KI-Branche wahrgenommen und bewertet wird. Nun gilt es diese Position mit starken Zahlen im Servergeschäft zu festigen.
Das PC-Geschäft dürfte ohnehin unter Margen- und Absatzdruck stehen. Die stark gestiegenen Preise für Arbeits- und Massenspeicher zwingen Hersteller wie Dell zu Preisanpassungen, was allerdings Endverbraucherinnen und -verbraucher vergrault. Sollte die Schwäche in diesem Segment nach dem Geschmack der Investoren zu groß sein, könnte das ein starkes Servergeschäft überschatten.
Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 29,78 Milliarden US-Dollar wird jetzt mit Erlösen in Höhe von 44,51 Milliarden US-Dollar gerechnet, was ein Plus von 49,5 Prozent bedeuten würde. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) soll sich sogar von 2,32 auf 4,92 US-Dollar mehr als verdoppelt haben.
Am Optionsmarkt herrscht vorsichtiger Optimismus, dass die Aktie von den Quartalszahlen profitieren und zulegen kann. 55,9 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite, ihnen steht ein Put-Anteil von 44,1 Prozent gegenüber. Eingepreist ist eine Kursreaktion von bis zu 12,1 Prozent, was einen überdurchschnittlichen Wert darstellt.
Dienstag, 01. September: Palo Alto Networks
Immer stärker zeichnen sich Cybersecurity-Werte als KI-Profiteure ab. Einerseits hilft die Technologie Entwicklern, wirkungsvolle Abwehrmechanismen gegen digitale Bedrohungen früher zu erkennen und effizienter zu programmieren, andererseits wird KI auch von Hackern genutzt, was für steigende Sicherheitsausgaben vor allem bei Unternehmenskunden sorgt.
Hatte Margen-König Fortinet schon vor einigen Wochen für eine starke Eröffnung der Branche in die Quartalssaison gesorgt, konnte in der vergangenen Woche auch Crowdstrike einmal mehr überzeugen und trotz einer bereits sehr weit fortgeschrittenen Unternehmensbewertung starke Kursgewinne verzeichnen, ist jetzt der bei Nancy Pelosi beliebte Cybersicherheitswert Palo Alto Networks an der Reihe.
Der hat sich im Februar für nicht weniger als 25 Milliarden US-Dollar CyberArk einverleibt und muss jetzt eine erfolgreiche Integration und weitere Synergieeffekte unter Beweis stellen. Gegenüber dem Vorjahresquartal wird ein massiver Umsatzsprung von 2,54 auf 3,35 Milliarden US-Dollar (+31,9 Prozent) erwartet – das wäre die größte prozentuale Steigerung seit mehr als 5 Jahren.
Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird aber nur eine geringfügige Steigerung von 0,95 auf 0,98 US-Dollar erwartet. Hier lauert also das größte Überraschungs- bzw. Enttäuschungspotenzial. Vor allem letzteres ist angesichts eines KGVe 2026 von fast 90 enorm – umso mehr, als dass auch das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis mit 5,16 gegenwärtig sehr unvorteilhaft ist.
Ungeachtet der jüngsten starken Quartalszahlen aus der Branche und positiven Kursreaktionen sichern sich Optionshändlerinnen und -händler vor den Zahlen lieber ab. Mit einem Anteil von 65,2 Prozent sind Put-Optionen gegenüber Call-Kontrakten klar in der Mehrzahl. Gerechnet werden muss mit einer Kursreaktion von bis zu 10,4 Prozent. Zuletzt ist die Aktie dreimal in Folge gefallen.
Mittwoch, 02. September: Broadcom
Für Halbleiterwerte ist die Berichtssaison überwiegend gut bis sehr gut verlaufen. Vor allem KI-Überflieger Nvidia konnte in der vergangenen Woche überzeugen und wurde dafür mit den größten Kursgewinnen seit einigen Quartalen belohnt. Viele Anlegerinnen und Anleger hoffen jetzt darauf, dass sich die Geschichte bei Broadcom wiederholt, denn mit einem Plus von nur wenig mehr als 6 Prozent seit dem Jahresauftakt ist der Spezialist für Halbleiterprodukte nach Kundenwunsch (ASIC) innerhalb der Branche bislang ein klarer Underperformer.
Und das, obwohl die Unternehmensbewertung mit einem KGVe 2027 von 18,2 und einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 0,64 zu den eher günstig bewerteten Titeln der gegenwärtig hochgehandelten Halbleiterbranche gehört. Mit einem Umsatzplus von 47,9 Prozent lieferte Broadcom zuletzt außerdem das beste Quartal seit eineinhalb Jahren.
Für die abgelaufenen drei Monate wird ebenfalls eine deutliche Leistungssteigerung erwartet. Nach 15,95 Milliarden US-Dollar vor einem Jahr soll Broadcom nach Einschätzung von Expertinnen und Experten jetzt 29,43 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet haben. Das würde einem Anstieg von 84,5 Prozent entsprechen und hätte Nvidia-Qualität. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll von 1,69 auf 3,24 US-Dollar und damit überproportional sogar um 91,7 Prozent steigen. Ein Auge dürften Investoren dabei auch auf VMware werfen. Sollte sich hier in Form schwächeren Wachstums eine Disruption durch KI abzeichnen, könnte das eine starke Vorstellung der Halbleitersparte überschatten.
Am Optionsmarkt überwiegen die Wetten auf steigende Kurse. Mit einem Call-Anteil von 54,2 Prozent sind die Bullen gegenüber den Bären knapp in der Mehrzahl, auch wenn die Bären historisch die besseren Argumente haben: In zwei der letzten drei Fälle fiel die Aktie, und zwar beide Mal mehr als 10 Prozent. Für dieses Mal ist eine Kursbewegung um ± 8,7 Prozent eingepreist.
Mittwoch, 02. September: Snowflake
Monatelang haben sich Anlegerinnen und Anleger Glauben machen lassen, dass Künstliche Intelligenz die Softwarebranche disruptieren und für deutlich schwächeres Wachstum sorgen würde, obwohl eine ganze Reihe von Geschäftsberichten dagegen gesprochen hat. Auch die aktuelle Berichtsperiode lieferte zahlreiche solcher Indizien, wie zum Beispiel die am Mittwochabend von Salesforce vorgelegten Quartalszahlen. Dementsprechend ist die These eines Niedergangs der Software-as-a-Service-Branche nicht mehr zu halten. Die Anteile befinden sich wieder im Aufwind.
Am Mittwoch liegt es an Snowflake, ein weiteres Indiz für anhaltend starke Geschäfte in der Softwarebranche zu liefern. Das Unternehmen ist Spezialist für sogenanntes Data Warehousing, als das Sammeln und Bewirtschaften von großen Datenmengen. Genau solche zu analysieren, ist eine der Kernaufgaben von KI, womit Snowflake früh als KI-Profiteur identifiziert wurde. Auf 12-Monats-Sicht steht in der Aktie ein Plus von über 60 Prozent zu Buche.
Mit einem KGVe von 163 und einer mageren Cashflow-Rendite von nur wenig mehr als einem Prozent ist das Unternehmen allerdings ein ausgesprochen teurer Wert. Um das Risiko einer Bewertungskorrektur zu reduzieren, müssen also sehr starke Quartalszahlen her. Von Analystinnen und Analysten gefordert sind ein Umsatzergebnis von 1,48 Milliarden US-Dollar und ein bereinigter Gewinn pro Aktie von 0,45 US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal würde das Steigerungen von 29,8 beziehungsweise 28,6 Prozent entsprechen.
Nach den guten Vorgaben aus der Branche überwiegen auch bei Snowflake mit 56,5 Prozent die bullishen Wetten – im Vorquartal ging es um nicht weniger als 36,5 Prozent nach oben. Die derzeit eingepreiste Kursreaktion liegt bei 12,9 Prozent und entspricht damit dem Durchschnittswert der Aktie.
Donnerstag, 03. September: Lululemon
Während Crash-Prophet Michael Burry massiv gegen Halbleiter- und KI-Werte wettet, darunter Caterpillar, Micron und Nvidia, ist er bullish für einige andere Titel – vor allem solche, die in den vergangenen Monaten stark unter Verkaufsdruck standen. Dazu gehört beispielsweise der Sportbekleidungseinzelhändler Lululemon, dessen Aktie in diesem Jahr über 40 Prozent verloren hat.
Seine These: Die Unternehmensbewertung sei inzwischen zu günstig, um die Aktie länger ignorieren zu können. Der Blick auf die Bewertungskennzahlen offenbart mit einem KGV von 10,7 für das laufende Geschäftsjahr ein Gewinnvielfaches um 60 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel sowie um rund ein Drittel unter dem Branchendurchschnitt. Auch bei anderen Vielfachen zeigen sich deutliche Abschläge sowohl gegenüber der historischen Norm als auch den Mitbewerbern.
Eine günstige Bewertung allein macht aber noch keine Investmentthese – Grund für den Kursabsturz der Kanadier ist die inzwischen tiefe Wachstumsdelle sowie die notorische Branchenschwäche gerade auf dem wichtigsten Wachstumsmarkt China. Ohne die Aussicht auf einen operativen Turnaround dürfte Burrys These daher kaum aufgehen.
Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 2,53 Milliarden US-Dollar wird mit einem Rückgang der Erlöse auf 2,46 Milliarden US-Dollar gerechnet (-2,8 Prozent). Noch deutlicher dürften sich die operativen Herausforderungen zeigen, denn bereinigte Gewinn pro Aktie soll von 3,10 auf 1,80 US-Dollar und damit um 41,9 Prozent zurückgegangen sein. Ohne einen starken Ausblick dürften daher auch Zahlen über den Erwartungen kaum für Begeisterung sorgen.
Am Optionsmarkt sind Anlegerinnen und Anleger der Bullenthese zumindest kurzfristig nicht zu folgen bereit, denn 53,3 Prozent der am Freitag verfallenden Optionen liegen auf der Put-Seite. In den vergangenen 3 Quartalen ist die Aktie entweder gefallen oder konnte sich nur geringfügig steigern, die Put-Seite scheint daher die sichere Wette. Die implizierte Bewegung beträgt ±9,6 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| SAIC | Mo., 31.08. | Vorbörse | 2,31 $ | 1,76 Mrd. $ | ± 9,1 % | 5,6 Mrd. $ |
| Medtronic | Di., 01.09. | Vorbörse | 1,39 $ | 9,54 Mrd. $ | ± 5,2 % | 115,2 Mrd. $ |
| Credo | Di., 01.09. | Nachbörse | 1,17 $ | 470,4 Mio. $ | ± 14,0 % | 45,1 Mrd. $ |
| MongoDB | Di., 01.09. | Nachbörse | 1,61 $ | 734,4 Mio. $ | ± 15,7 % | 35,5 Mrd. $ |
| Nio | Di., 01.09. | Vorbörse | -0,02 $ | 4,95 Mrd. $ | ± 8,7 % | 10,9 Mrd. $ |
| GitLab | Di., 01.09. | Nachbörse | 0,18 $ | 273,4 Mio. $ | ± 11,7 % | 7,6 Mrd. $ |
| Rezolve AI | Di., 01.09. | Vorbörse | -0,03 $ | 76,0 Mio. $ | ± 13,0 % | 1,2 Mrd. $ |
| HPE | Mi., 02.09. | Nachbörse | 0,93 $ | 11,94 Mrd. $ | ± 12,1 % | 72,2 Mrd. $ |
| NetApp | Mi., 02.09. | Nachbörse | 2,12 $ | 1,84 Mrd. $ | ± 12,7 % | 37,4 Mrd. $ |
| Five Below | Mi., 02.09. | Nachbörse | 1,40 $ | 1,22 Mrd. $ | ± 10,8 % | 13,7 Mrd. $ |
| Brown-Forman | Mi., 02.09. | Vorbörse | 0,37 $ | 915,6 Mio. $ | ± 8,1 % | 12,6 Mrd. $ |
| Sprinklr | Mi., 02.09. | Vorbörse | 0,10 $ | 214,4 Mio. $ | ± 11,5 % | 1,9 Mrd. $ |
| FuelCell | Mi., 02.09. | Vorbörse | -0,39 $ | 38,8 Mio. $ | ± 14,7 % | 1,5 Mrd. $ |
| C3.ai | Mi., 02.09. | Nachbörse | -0,25 $ | 52,1 Mio. $ | ± 13,5 % | 1,6 Mrd. $ |
| Ciena | Do., 03.09. | Vorbörse | 1,72 $ | 1,63 Mrd. $ | ± 13,3 % | 56,3 Mrd. $ |
| Zscaler | Do., 03.09. | Nachbörse | 1,09 $ | 877,6 Mio. $ | ± 13,7 % | 30,3 Mrd. $ |
| Samsara | Do., 03.09. | Nachbörse | 0,16 $ | 483,3 Mio. $ | ± 12,7 % | 24,4 Mrd. $ |
| DocuSign | Do., 03.09. | Nachbörse | 1,09 $ | 867,2 Mio. $ | ± 10,1 % | 12,4 Mrd. $ |
| UiPath | Do., 03.09. | Nachbörse | 0,15 $ | 397,9 Mio. $ | ± 13,9 % | 9,6 Mrd. $ |
| Planet Labs | Do., 03.09. | Nachbörse | -0,02 $ | 104,2 Mio. $ | ± 16,8 % | 7,5 Mrd. $ |
| Victoria's Secret | Do., 03.09. | Vorbörse | 0,77 $ | 1,62 Mrd. $ | ± 17,0 % | 7,2 Mrd. $ |
| Campbell's | Do., 03.09. | Vorbörse | 0,39 $ | 2,14 Mrd. $ | ± 6,4 % | 6,9 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Freitag, 25. August, 12:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

