CCS-Milliardenmarkt mit Haken
CO₂-Goldrausch: Diese 7 Aktien locken – doch hier lauert die Totalverlust-Falle
77 CCS-Projekte laufen bereits, der Markt wächst rasant. Doch unter sieben vermeintlichen Carbon-Capture-Aktien stecken Penny Stocks, Zertifikathändler – und ein bereits delisteter Konzern.
CCS steht für "Carbon Capture and Storage". Dabei wird CO₂ aus Industrieabgasen abgeschieden, transportiert und in tiefen geologischen Formationen dauerhaft gespeichert. Mit dieser Technik sollen vor allem die Emissionen der Zement-, Stahl- und Chemieindustrie gesenkt werden.
Weltweit liefen 2025 77 große CCS-Projekte – 54 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 47 weitere werden gebaut. Die Kapazität der gesamten Pipeline stieg laut Global CCS Institute auf 513 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr. Klingt nach dem Startschuss für einen Börsenboom.
Auch an der Börse spielt das Thema CCS zunehmend eine Rolle. Doch genau hier beginnt die Falle: Keiner der sieben Titel aus der Carbon-Capture-Aktienliste erreicht einen Börsenwert von 100 Millionen US-Dollar. Viele sind illiquide OTC-Penny-Stocks und längst nicht alle von ihnen verdienen ihr Geld mit CO₂-Abscheidung.
Am ehesten trifft das Etikett auf LanzaTech (LNZA). LanzaTech wandelt Abgase per Gasfermentation in Ethanol und Chemierohstoffe um. Sechs kommerzielle Anlagen laufen bereits. Doch im zweiten Quartal 2026 standen nur 9 Millionen US-Dollar Umsatz und ein bereinigter EBITDA-Verlust von 7,6 Millionen US-Dollar zu Buche.
DevvStream (DEVSF), Base Carbon (BCBNF), Carbon Streaming (OFSTF) und Karbon-X (KARX) setzen vor allem auf Klimaprojekte sowie Handel oder Finanzierung von CO₂-Zertifikaten. Greenlane Renewables (GRNWF) trennt CO₂ bei der Biogasaufbereitung ab. Thermal Energy (TMGEF) spart Energie. Das sind Dekarbonisierungswetten – aber keine reinen CCS-Aktien.
Das größte Warnsignal: Der Nasdaq-Handel von DevvStream wurde im Juni ausgesetzt. Aker Carbon Capture ging 2025 in Liquidation und wurde delistet. Seine Technik lebt bei SLB Capturi weiter. Indirekte Alternativen sind daher Occidental. Dessen Tochter 1PointFive entwickelt mit STRATOS eine Anlage, die bis zu 500.000 Tonnen CO₂ jährlich aus der Luft filtern soll.
Der Sektor kann durchstarten. Doch bei den kleinsten Aktien treffen Technologie-, Finanzierungs-, Verwässerungs- und Liquiditätsrisiken aufeinander. Wer den falschen Titel erwischt, wettet nicht auf den Boom – sondern auf den Totalverlust.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

