Märkte am Morgen
Iran-USA-Eskalation: Gaspreis explodiert – Öl steigt, DAX unter Druck!
Die Gewaltspirale zwischen den USA und dem Iran eskaliert erneut. Das sorgt für weiter steigende Energiepreise. Zins- und Inflationssorgen belasten Aktien, während die Anleihenrenditen steigen. Die Märkte am Morgen.
Die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran belastet die Börsen am Mittwoch. Angriffe und Vergeltungsschläge rund um die Straße von Hormus treiben den Ölpreis weiter in die Höhe und schüren zugleich Inflations- und Zinssorgen. Für Aktien ist solch eine Gemengenlage Gift.
Thomas Altmann, CFA bei QC Partners, kommentiert: "Die Eskalationsspirale dreht sich weiter [...] Nach einer anfänglichen Gelassenheit sorgt die erneute Eskalation jetzt doch für mehr und mehr Sorgen an den Börsen. Hier sind es steigende Energiepreise und zunehmende Inflationssorgen, die Aktien- und Rentenkurse einbrechen lassen."
Steigende Energiepreise würden "zu einer neuen Inflationswelle führen" und damit zu höheren Zinsen. Erstmals seit dem Jahr 2008 sei die Rendite der 56-Jährigen-Bundesanleihe über die Marke von 3 Prozent gestiegen, so Altmann.
Öl- und Gaspreise steigen
Öl steht weiterhin im Mittelpunkt der Sorgen der Anleger. So verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent am Mittwochmorgen zeitweise um 0,8 Prozent auf 95,44 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Damit wurde der höchste Stand seit rund zweieinhalb Monaten erreicht.
Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate stieg um 0,3 Prozent auf 90,50 US-Dollar je Barrel.
Der Preisschock am europäischen Gasmarkt ist besonders deutlich: Der TTF-Referenzpreis sprang laut der Nachrichtenagentur Reuters um rund sechs Prozent auf 74,14 Euro je Megawattstunde und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2023. Zugleich sind Europas Gasspeicher nur zu rund 65 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011.
Asiens Börsen starten tiefrot
In Asien ziehen sich Anleger aus Aktien zurück. Der breit gefasste MSCI-Index für den asiatisch-pazifischen Raum velor 1,8 Prozent. Der südkoreanische Kospi brach um mehr als drei Prozent ein und der japanische Nikkei 225 fiel um rund 2,6 Prozent. Besonders Technologiewerte stehen unter Druck, nachdem Wachstumsaktien bereits an der Wall Street schwach abgeschnitten hatten.
Wall Street gerät weiter unter Druck
Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Dienstag zum dritten Mal in Folge im Minus. Der S&P 500 verlor 0,71 Prozent, der Nasdaq Composite 1,03 Prozent und der Dow Jones 0,79 Prozent. Zusätzlich belastet die Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung. Fed-Gouverneur Michael Barr würde sich für einen Zinsschritt aussprechen, sollte die Inflation nicht ausreichend nachlassen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf rund 4,80 Prozent.
Unter den Einzelwerten rückt Dell in den Fokus. Die Aktie sprang nach US-Börsenschluss um acht Prozent auf 459,03 US-Dollar. Im zweiten Geschäftsquartal legte der Umsatz um 58 Prozent auf 46,97 Milliarden US-Dollar zu und der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf die Erwartungen deutlich. Vor allem das Geschäft mit KI-Servern boomt. Dell hob deshalb seine Jahresprognose auf 192 Milliarden US-Dollar Umsatz an.
DAX droht Ungemach
Auch dem DAX droht ein schwacher Start. Am Vortag schloss der Leitindex bei 25.970 Punkten und unterschritt damit die Marke von 26.000 Zählern. Vorbörslich taxiert der Broker IG ihn 0,7 Prozent tiefer auf 25.790 Punkte. Damit würde der DAX auch unter das Juli-Zwischenhoch von 25.900 Punkten zurückfallen. Danach rückt die 50-Tage-Linie bei rund 25.625 Punkten in den Fokus.
Laut Analyst Altmann seien beim DAX die lange erwarteten Gewinnmitnahmen zu beobachten. Erstmals seit zwei Monaten habe der deutsche Leitindex an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils mehr als ein Prozent verloren. Nun werde es entscheidend sein, wie die Anleger auf den Fall unter die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten reagieren. Den Börsen drohe ein "perfekter Sturm": Höhere Energiekosten belasten vor allem energieintensive Unternehmen, während steigende Zinsen Finanzierungen verteuern und zugleich den Spielraum der Staaten für Hilfen einschränkten.
Gold profitiert wegen explodierender Anleihenrenditen vorerst nicht
Vom erneut aufflammenden Iran-Konflikt profitiert Gold diesmal nicht. Obwohl sich die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran verschärft haben und der Preis für Brent-Öl auf über 95 US-Dollar gestiegen ist, verlor das Edelmetall innerhalb von vier Handelstagen fast sechs Prozent. Am Mittwochmorgen fiel der Preis auf rund 4.300 US-Dollar und erreichte damit den niedrigsten Stand seit mehr als drei Wochen.
Grund hierfür ist der Anleihemarkt: Höhere Ölpreise schüren Inflationsängste und verstärken die Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Die vom Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts der Fed im September stieg von rund 36 auf mehr als 66 Prozent. Da Gold keine Zinsen abwirft, erhöhen attraktive Anleiherenditen seine Opportunitätskosten und überlagern derzeit den üblichen Krisenreflex.
Wichtige Börsentermine am Mittwoch
Am Mittwoch richten sich die Blicke der Anleger um 14:15 Uhr deutscher Zeit auf den ADP-Arbeitsmarktbericht aus den USA. Um 15:45 Uhr folgt der Zinsentscheid der kanadischen Notenbank. Um 16.30 Uhr wird der EIA-Ölbericht veröffentlicht, um 20 Uhr das Beige Book der Fed. Unternehmensseitig stehen der Bayer-Investorentag um 15:30 Uhr sowie die Quartalszahlen von Hewlett Packard Enterprise um 22:05 Uhr und von Broadcom um 22:15 Uhr unserer Zeit an.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

