Abstieg nach Kursdesaster
VW-Aktie tief in der Krise: Jetzt fliegt Volkswagen aus Europas Börsen-Elite
Erst der Kursabsturz, jetzt der Abstieg aus Europas Blue-Chip-Index. Gleichzeitig drohen weitere Milliarden-Einschnitte und ganze VW-Werke stehen zur Debatte.
- Volkswagen verliert Platz im Euro Stoxx 50
- VW plant weitere Einschnitte und Werksschließungen
- Chinesische Konkurrenz belastet den Autobauer stark
- Report: KI braucht Strom
Volkswagen fliegt aus dem Euro Stoxx 50 – und die Aktie reagiert am Mittwoch mit weiteren Verlusten. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits etwa 27 Prozent verloren. Während VW seinen Platz im europäischen Blue-Chip-Index räumen muss, kehrt Nokia nach nur einem Jahr zurück. Die Änderungen treten vor Börsenbeginn am 21. September in Kraft. Für Volkswagen ist der Rauswurf ein weiteres sichtbares Zeichen der Krise: Während Nokia seinen Börsenwert binnen eines Jahres mehr als verdoppelt hat, kämpft VW mit chinesischer Konkurrenz, sinkenden Marktanteilen bei Elektroautos und einem immer härteren Sparkurs.
Wie ernst die Lage ist, machte Konzernchef Oliver Blume zuletzt selbst deutlich. "Die Lage ist mehr als kritisch", sagte er zum Auftakt mehrerer Betriebsversammlungen. Zwar schreibt Volkswagen weiterhin Gewinne, nach Darstellung des Managements reichen diese aber nicht aus, um die Zukunft des Konzerns zu finanzieren. Selbst der bereits beschlossene Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 und Kostensenkungen von 20 Prozent in den Fabriken gehen der Führung nicht weit genug.
Nun könnten sogar ganze Werke auf der Kippe stehen. Einem Reuters-Bericht unter Berufung auf die WirtschaftsWoche zufolge bereitet der Vorstand einen Vorschlag vor, die Produktion an vier deutschen Standorten bis 2034 einzustellen. Demnach könnte 2031 in Emden und Zwickau Schluss sein, 2032 in Hannover und 2034 im Audi-Werk Neckarsulm. Der Aufsichtsrat soll sich am Freitag mit dem Plan beschäftigen. Unter den Beschäftigten wächst die Sorge vor Zehntausenden weiteren Stellenstreichungen.
Automobilexpertin Helena Beron Wisbert hält zusätzliche Einschnitte für kaum vermeidbar. "Die Sparprogramme, die wir jetzt bei allen Autobauern sehen, sind unvermeidbar", sagte sie der dpa. Besonders problematisch: Auch in Europa verlieren deutsche Hersteller bei Elektroautos Marktanteile. VW müsse deshalb innerhalb der kommenden Monate eine Einigung über weitere Kostensenkungen erreichen.
Während Volkswagen aus dem Euro Stoxx 50 absteigt, könnte der Kontrast zum Aufsteiger kaum größer sein. Nokia hat seine Aktie binnen eines Jahres mehr als verdoppelt und profitiert vom Ausbau der Infrastruktur für KI-Rechenzentren. Neben Nokia steigt auch der französische Energiekonzern Engie in den Index auf, während Wolters Kluwer ebenfalls ausscheidet.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

