Zins so hoch wie lange nicht
Japans Nullzins-Ära ist vorbei: Was heißt das für Sparer und Unternehmen?
Erstmals seit 30 Jahren steigt die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen auf 3 Prozent. Firmen, Banken, Sparer und Premierministerin Takaichi müssen sich auf eine neue Zinswelt einstellen.
- Japans Anleiherendite erreicht erstmals 3 Prozent
- Firmen sichern Kredite, Haushalte spüren Zinsanstieg
- Banken verdienen mehr, doch Anleiheverluste wachsen
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Japans Anleihemarkt markiert einen historischen Wendepunkt: Die Rendite langlaufender Staatsanleihen ist erstmals seit drei Jahrzehnten auf 3 Prozent gestiegen. Für Unternehmen, private Haushalte und die Regierung in Tokio bedeutet das schwierige Entscheidungen nach Jahrzehnten billigen Geldes.
Viele Konzerne haben sich bereits gewappnet. Der Materialhersteller Resonac Holdings etwa wechselt seit 2023 gezielt von variablen zu festverzinslichen Krediten, mittlerweile liegt der Anteil fester Zinsen bei rund 90 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Nikkei berichtet.
Auch der Uhrenhersteller Seiko Group hat Laufzeiten seiner Bankkredite verlängert und Zinsen fixiert, während gleichzeitig die Schuldenlast reduziert wird. Der Handelskonzern Sumitomo will steigende Beschaffungskosten dagegen vor allem über höhere Verkaufspreise weitergeben und rechnet trotz kurzfristiger Belastungen nur mit begrenzten Auswirkungen auf die Gewinne.
JPMorgan-Strategin Rie Nishihara sieht die Profitabilität japanischer Firmen durch solche Preisanpassungen gestärkt. Ihrer Einschätzung nach dürften japanische Aktien erst bei einer Rendite von rund 4 Prozent in einen Abwärtstrend geraten.
Privathaushalte spüren die Wende ebenfalls, vor allem bei Immobilienkrediten. Der populäre Festzinskredit Flat 35 liegt im September bei 3,46 Prozent, Experten erwarten einen Anstieg Richtung 4 Prozent. Finanzberater raten Kreditnehmern dennoch nicht pauschal zu Festzinsdarlehen, da die Differenz zu variablen Zinsen derzeit rund zwei Prozentpunkte beträgt.
Für Banken bringt das steigende Zinsniveau tendenziell mehr Ertrag: Die durchschnittliche Zinsmarge der drei größten japanischen Institute lag im Quartal April bis Juni bei 1,23 Prozentpunkten, dem höchsten Stand für diesen Zeitraum seit 14 Jahren.
Gleichzeitig wachsen die Risiken. Bei den führenden Regionalbanken erreichten die unrealisierten Verluste aus Anleihebeständen bis Ende März 3,3 Billionen Yen, ein Anstieg von 40 Prozent binnen eines Jahres.
Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg seit Amtsantritt im Oktober 2025 von 1,6 auf 3 Prozent. Für das Haushaltsjahr 2027 kalkuliert das Finanzministerium bereits mit einem Zinssatz von 3,8 Prozent, die geschätzten Zinszahlungen von 16,6 Billionen Yen lägen 27 Prozent über dem ursprünglichen Budget 2026.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

