7 Mrd. Dollar für mehr Öl
Chevron will in Venezuela 600.000 Barrel fördern – jeden Tag
Chevron will seine Förderung in Venezuela mehr als verdoppeln und steckt dafür Milliarden in neue Felder. Entscheidend ist, wie billig der Konzern dort künftig fördern will.
- Chevron investiert sieben Milliarden in Venezuela
- Förderung soll auf 600.000 Barrel pro Tag steigen
- Niedrige Förderkosten versprechen hohe Margen
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Chevron macht in Venezuela ernst. Der US-Ölkonzern will in den kommenden fünf Jahren mehr als 7 Milliarden US-Dollar (rund 6,1 Milliarden Euro) investieren und seine Förderung dort von aktuell rund 280.000 auf 600.000 Barrel pro Tag mehr als verdoppeln. Dafür erhält Chevron Zugriff auf zwei weitere Felder im Orinoco-Gürtel – einer Region mit einigen der größten Schwerölvorkommen der Welt.
CEO Mike Wirth begründet den Schritt mit besseren wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen. In einer Stellungnahme erklärte er: "Mit verbesserten Konditionen und zusätzlichen Fördergebieten stärken wir ein Portfolio, von dem wir glauben, dass es ein attraktives Wachstum bei kostengünstiger Ölförderung ermöglichen, die Energieversorgung sichern und einen differenzierten langfristigen Wert schaffen kann." Gegenüber Bloomberg sagte Wirth zudem über die neuen Felder: "Es handelt sich um Ressourcenvorkommen in Höhe von mehreren Milliarden Barrel."
Für Chevron ist der Deal vor allem wegen der Kosten interessant. Das Unternehmen rechnet mit Gesamtkosten von weniger als 20 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig lag Brent-Rohöl in diesem Jahr laut Bloomberg im Schnitt bei knapp 87 US-Dollar. Selbst bei deutlich niedrigeren Ölpreisen bliebe damit rechnerisch eine große Spanne zwischen Förderung und Marktpreis.
Die Expansion ist unabhängig von dem zuletzt angekündigten Öl-Abkommen zwischen Washington und Venezuela ausgehandelt worden. Sie passt aber in die Strategie der Trump-Regierung, nach der Absetzung von Nicolás Maduro wieder mehr US-Kapital in den venezolanischen Energiesektor zu bringen. Chevron ist dabei klar im Vorteil: Das Unternehmen ist als einziger großer US-Ölkonzern durchgehend im Land geblieben und arbeitet dort über Joint Ventures mit dem Staatskonzern PDVSA.
ExxonMobil und ConocoPhillips hatten Venezuela 2007 verlassen, nachdem ihre Vermögenswerte unter Hugo Chávez verstaatlicht worden waren. Chevron blieb, handelte neue Vereinbarungen aus und verfügt deshalb heute über Infrastruktur und Personal vor Ort. Nach Angaben des Konzerns ist die Förderung seiner drei Joint Ventures in diesem Jahr bereits um 15 Prozent gestiegen.
Die geplanten zusätzlichen rund 300.000 Barrel pro Tag wären auch für Venezuela erheblich: Sie entsprächen fast 30 Prozent der derzeitigen nationalen Produktion von rund 1,1 Millionen Barrel täglich. Trotzdem läge das Land noch weit unter den knapp 3,5 Millionen Barrel pro Tag aus den späten 1990er Jahren.
Für Chevron ist Venezuela damit plötzlich wieder ein großer Wachstumspfeiler. Entscheidend ist nun, ob die neuen Vertragsbedingungen dauerhaft halten. Nach Jahren mit Sanktionen, Verstaatlichungen und politischen Eingriffen steckt genau dort weiterhin das größte Risiko der Milliardenwette.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

