Sam Altman mitangeklagt
OpenAI soll Warnsignale vor Kanadas Schulmassaker ignoriert haben
Neue Klagen werfen OpenAI vor, Warnsignale vor dem Schulmassaker in Kanada gekannt und trotzdem nicht an Behörden weitergegeben zu haben. Auch Sam Altman wird persönlich als Beklagter genannt.
- Klagen werfen OpenAI ignorierte Warnsignale vor
- Internes Team empfahl Meldung, Führung stoppte sie
- Sam Altman verklagt, KI-Verantwortung wird geprüft
- Report: KI braucht Strom
OpenAI sieht sich nach dem Schulmassaker im kanadischen Tumbler Ridge mit neuen Klagen konfrontiert. Lehrer, Schüler und ein Schulleiter werfen dem Unternehmen vor, bereits Monate vor der Tat Hinweise auf eine mögliche Angriffsplanung erkannt und trotzdem keine Behörden eingeschaltet zu haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass ein internes Sicherheitsteam sogar empfohlen haben soll, Chat-Protokolle an die Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben.
Nach Darstellung der Kläger hatte das automatisierte Sicherheitssystem von OpenAI das Konto der späteren Hauptverdächtigen Jesse Van Rootselaar bereits rund acht Monate vor der Schießerei wegen "Aktivität im Zusammenhang mit Waffengewalt und Angriffsplanung" markiert. Ein internes Team habe den Fall geprüft und eine Weiterleitung empfohlen. Führungskräfte hätten diese Empfehlung im Juni 2025 jedoch gestoppt und stattdessen lediglich das Konto deaktiviert. Van Rootselaar soll anschließend ein neues Konto eröffnet haben.
"Hier geht es nicht um jemanden, der bei Google eingibt: 'Wo kann ich eine Waffe kaufen?'", zitiert Bloomberg Klägeranwalt Jay Edelson. "Hier handelt es sich um eine Technologie, bei der der Chatbot dabei hilft, Morde zu planen." Die neuen Verfahren kommen zu sieben bereits im April eingereichten Klagen hinzu.
Bei dem Angriff im Februar wurden nach Angaben der Behörden zunächst die Mutter und der Stiefbruder der 18-jährigen Verdächtigen getötet. Anschließend soll Van Rootselaar zur Tumbler Ridge Secondary School gefahren sein und dort sechs weitere Menschen erschossen haben, darunter fünf Kinder. Danach wurde sie tot aufgefunden.
OpenAI weist zentrale Vorwürfe zurück. Chief Strategy Officer Jason Kwon erklärte in einer Stellungnahme, es sei "völlig falsch zu behaupten, dass die Menschen, die im Zentrum dieser schwierigen Entscheidungen stehen, der Sicherheit keine Priorität einräumen". Auch die Behauptung, Chief Global Affairs Officer Chris Lehane sei an der ursprünglichen Entscheidung über eine Weiterleitung beteiligt gewesen, sei laut Kwon falsch.
Sam Altman wird in den Klagen persönlich als Beklagter genannt. In einem öffentlichen Brief an die Gemeinde von Tumbler Ridge entschuldigte er sich dafür, dass das Konto der Verdächtigen nicht den Strafverfolgungsbehörden gemeldet worden war.
Der juristische Konflikt reicht damit weit über diesen einzelnen Fall hinaus. OpenAI und andere Anbieter von KI-Chatbots stehen seit 2024 zunehmend vor der Frage, welche Verantwortung sie tragen, wenn ihre Systeme Hinweise auf konkrete Gewaltpläne erkennen. Im Zentrum der neuen Klagen steht nun genau diese Grenze: Was muss ein KI-Unternehmen tun, wenn aus digitalen Warnsignalen eine mögliche Gefahr in der realen Welt wird?
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

