Von 407 auf unter 100 Mrd.?
Burry warnt vor epischem Palantir-Crash – rechnerisch drohen über 75 % Minus
Burry greift nicht nur Palantirs Bewertung an. Er zweifelt an der Qualität des Wachstums, an offenen Kundenforderungen – und sogar daran, ob Palantir wirklich das Software-Unternehmen ist, für das es sich verkauft.
- Burry hält Palantirs Bewertung für massiv überhöht
- Offene Forderungen wachsen schneller als der Umsatz
- Burry zweifelt an Palantirs Softwaremodell
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Michael Burry legt im Streit um Palantir nach – und hält einen Absturz der Bewertung auf unter 100 Milliarden US-Dollar für möglich. Aktuell bringt der KI-Favorit rund 407 Milliarden US-Dollar (etwa 351 Milliarden Euro) auf die Waage. Das entspräche rechnerisch einem Wertverlust von mehr als 75 Prozent. "Palantir ist ein Beratungsunternehmen, das auf einer Blase aus KI-FOMO-Nachfrage reitet", schrieb der "Big Short"-Investor auf X. Selbst wenn der KI-Boom noch Jahre weiterlaufe, werde der Einbruch seiner Ansicht nach "genauso episch sein – oder sogar noch epischer".
Die Warnung kommt nach einer starken operativen Entwicklung. Palantirs Umsatz stieg im zweiten Quartal um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar, das US-Privatkundengeschäft sogar um 149 Prozent. Für 2026 peilt der Konzern inzwischen 8,15 Milliarden US-Dollar Umsatz an. An der Börse dreht die Stimmung dennoch: Die Aktie verlor am Mittwoch rund 6 Prozent auf 169,46 US-Dollar und steckt in der schwächsten Woche seit mehr als zwei Monaten.
Burrys Kritik richtet sich vor allem gegen die Qualität des Wachstums. Palantirs offene Kundenforderungen stiegen von 1,04 auf 1,49 Milliarden US-Dollar. Ein einzelner Kunde steht für 27 Prozent dieser noch nicht bezahlten Rechnungen, obwohl kein Kunde mehr als 10 Prozent zum Umsatz beiträgt. Burry verwies zudem darauf, dass die offenen Forderungen in neun der vergangenen zwölf Quartale schneller gewachsen seien als der Umsatz. "Keine der beiden Optionen ist gut", schrieb er mit Blick auf mögliche verlängerte Zahlungsfristen oder darauf, dass Rechnungen bereits vor der vollständigen Leistungserbringung gestellt wurden.
Auch Palantirs Image als klassischer Softwareanbieter greift Burry frontal an. Das Verhältnis abgegrenzter Umsätze zum Gesamtumsatz liege mit rund 32 Prozent näher bei Accenture als bei SaaS-Anbietern wie Salesforce oder ServiceNow. "Palantir ist einfach nicht das, was es zu sein vorgibt", sagte Burry.
Zusätzlich nimmt er die aktienbasierte Vergütung ins Visier. Die vorgetragenen steuerlichen Verluste auf Bundesebene stiegen auf 9 Milliarden US-Dollar. CEO Alex Karp verkaufte im vergangenen Monat Aktien im Wert von rund 86 Millionen US-Dollar. "In vielerlei Hinsicht ist der Aktienkurs das Geschäftsmodell", sagte Burry. Auch 17,2 Millionen US-Dollar an Kosten rund um Karps Privatflugzeug bezeichnete er als "verschwenderisch" und "unverschämt".
Zusätzlichen Druck bringen steigende Anleiherenditen und Googles neues "Gemini 3.8 Flash Cyber", das Teile von Palantirs Regierungsgeschäft angreifen könnte. Bei einem erwarteten KGV von 82 bleibt die Bewertung hoch – und genau deshalb treffen Zweifel an Wachstum und Geschäftsmodell die Aktie derzeit besonders hart.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Zentralredaktion

