Konjunktur überrascht
Deutschland wächst plötzlich deutlich stärker
Deutschlands Wirtschaft wächst stärker als gedacht. RWI und Ifo heben ihre Prognosen deutlich an. Doch hohe Energiekosten und wachsender Konkurrenzdruck aus China bedrohen den Aufschwung.
- RWI und Ifo heben Wachstumsprognosen deutlich an
- Staatsausgaben und Exporte stützen die Konjunktur
- Energiepreise und Chinas Druck begrenzen Wachstum
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Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet. Das RWI hob seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2026 von 0,8 auf 1,3 Prozent an. Für 2027 erwartet das Institut 1,1 Prozent Wachstum, 2028 nur noch 0,5 Prozent.
Auch das Ifo-Institut wird optimistischer. Es rechnet nun mit 1,4 Prozent Wachstum 2026 und 1,2 Prozent 2027. Zuvor hatte es für beide Jahre 0,8 Prozent erwartet. Grund ist vor allem das stärkere erste Halbjahr. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent. Exporte und höhere Staatsausgaben stützten die Konjunktur. Das Ifo erwartet in diesem Jahr fiskalische Impulse von fast 40 Milliarden Euro für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung.
Auch Deutsche Bank Research erhöhte seine Prognose für 2026 auf ein Prozent. Die Wirtschaft zeige sich trotz Energiepreisschock überraschend robust. Die zusätzlichen Staatsausgaben dürften in der zweiten Jahreshälfte weiter helfen.
RWI-Wirtschaftschef Torsten Schmidt warnt jedoch: Der Aufschwung sei da, die strukturellen Probleme aber nicht verschwunden. Hohe Energiepreise, Bürokratie, schwache Investitionen und eine geringe Wettbewerbsfähigkeit bleiben Belastungsfaktoren.
China erhöht den Druck
Besonders groß ist der Wettbewerb aus China. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer fühlen sich zwei Drittel von 1.300 befragten Unternehmen unter Druck gesetzt. In der Industrie sind es sogar 83 Prozent.
"Der Wettbewerb mit China hat eine neue Dimension erreicht", erklärte Außenwirtschaftschef Volker Treier. Chinesische Unternehmen konkurrierten längst nicht mehr nur über den Preis, sondern seien technologisch stark und international präsent. 55 Prozent der Unternehmen befürworten strengere Maßnahmen der Europäischen Union gegen Marktverzerrungen. Zugleich warnt die Kammer vor einem pauschalen Handelskonflikt.
Für Anleger bleibt das Bild damit gemischt: Staatsausgaben und Exporte stützen die Konjunktur, doch Energiepreise, Investitionsschwäche und der Konkurrenzdruck aus China begrenzen das Wachstum. Für den deutschen Aktienmarkt gehen damit gemischte Gefühle einher. Der DAX kann in diesem Jahr ein Plus von 5 Prozent vorweisen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
Der DAX wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,20 % und einem Kurs von 25.799PKT auf Ariva Indikation (03. September 2026, 12:27 Uhr) gehandelt.
