Analyst sieht Wendepunkt
Kann sich die Oracle-Aktie jetzt mehr als verdoppeln?
Bernstein sieht enormes Kurspotenzial für die Oracle-Aktie. Trotz hoher Schulden und Milliardeninvestitionen in KI könnte eine starke Wachstumsphase bevorstehen.
- Bernstein sieht über 120 Prozent Kurspotenzial
- Oracle investiert Milliarden in KI und Cloud
- OCI wächst stark, doch Finanzierung bleibt zentral
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Oracle setzt Milliarden auf den Ausbau seiner KI-Infrastruktur und nimmt dafür eine höhere Verschuldung in Kauf. Was Anleger bislang verunsichert, könnte sich jedoch als Grundlage für kräftiges Wachstum und eine deutliche Neubewertung der Aktie erweisen.
Bernstein-Analyst Mark Moerdler bezeichnet Oracle als "extrem kontrovers" und volatil, sieht für den Softwarekonzern aber erhebliches Potenzial. Sein Kursziel von 325 US-Dollar würde ausgehend von 145,30 US-Dollar einem Anstieg von mehr als 120 Prozent entsprechen.
Finanzierungsbedarf könnte bald seinen Höhepunkt überschreiten
Im Mittelpunkt der Sorgen steht Oracles kapitalintensive KI-Strategie. Der Konzern will im Geschäftsjahr 2027, das von Juni 2026 bis Ende Mai 2027 läuft, rund 95 Milliarden US-Dollar investieren. Damit soll insbesondere die Infrastruktur für das rasant wachsende Cloud- und KI-Geschäft ausgebaut werden.
Im Geschäftsjahr 2026 nahm Oracle dafür 43 Milliarden US-Dollar an Fremdfinanzierung auf. Für 2027 rechnet das Unternehmen mit weiteren rund 40 Milliarden US-Dollar aus einer Kombination von Fremd- und Eigenkapital.
Für Moerdler könnte sich der hohe Kapitalbedarf jedoch bald entspannen. Gleichzeitig dürften sich die milliardenschweren Investitionen zunehmend auszahlen und Oracle in den kommenden Jahren zu stärkerem Umsatz- und Gewinnwachstum verhelfen.
Oracle lässt Cloud-Konkurrenz hinter sich
Ein zentraler Grund für den Optimismus ist Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI. Das Geschäft wächst derzeit deutlich schneller als die Cloud-Sparten der großen Hyperscaler Microsoft, Alphabet und Amazon.
Im jüngsten vierten Geschäftsquartal erreichte OCI währungsbereinigt ein Wachstum von 93 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Moerdler sogar eine weitere Beschleunigung.
Für Anleger kommt es nun vor allem darauf an, ob Oracle sein starkes KI- und Cloud-Wachstum in steigende Gewinne übersetzen und zugleich die hohen Investitionen finanzieren kann.
638 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand als Chance und Risiko
Oracles Auftragsbestand beläuft sich inzwischen auf 638 Milliarden US-Dollar und könnte in den kommenden Jahren für erhebliches Umsatzpotenzial sorgen. Entscheidend ist dabei, wie schnell der Konzern zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten aufbaut und die zugesagten Leistungen in tatsächliche Erlöse umwandeln kann.
Cloud und KI gewinnen bei Oracle zunehmend an Bedeutung
Zusätzlichen Rückenwind sieht Bernstein in der Veränderung des Geschäftsmodells. Langsamer wachsende Bereiche wie das traditionelle Lizenzgeschäft verlieren zunehmend an Gewicht. Gleichzeitig machen wachstumsstärkere Software-as-a-Service-Angebote und OCI einen immer größeren Anteil der Erlöse aus.
Setzt sich diese Verschiebung fort, könnte Oracle zunehmend wie ein wachstumsstarker Cloud- und KI-Infrastrukturkonzern bewertet werden – und weniger wie ein traditioneller Softwareanbieter.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

