Mehr Macht, mehr Abhängigkeit
Nvidia baut sich ein 99-Milliarden-Tech-Imperium
Nvidia steckt längst nicht mehr nur Chips in den KI-Boom. Der Konzern finanziert Labore, Clouds und Schlüsseltechnologien – und bindet damit immer mehr Firmen an sein eigenes Ökosystem.
- Nvidia wird zum strategischen KI-Investor
- Kapital stärkt Partner und bindet sie an Nvidia
- Milliarden fließen in Labore, Clouds und Photonik
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Nvidia hat sich in nur zwei Jahren vom Chipkonzern zu einem der größten strategischen Technologie-Investoren der Welt entwickelt. Der Wert seiner Beteiligungen lag zum 26. Juli bei 99 Milliarden US-Dollar – nach rund 7 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor und 2,2 Milliarden US-Dollar zwei Jahre zuvor. Allein für 2026 hat der Konzern bereits mehr als 40 Milliarden US-Dollar an neuen Investitionen zugesagt.
Das Geld fließt quer durch den KI-Sektor: in OpenAI, CoreWeave, Nebius, Photonikfirmen und Infrastrukturunternehmen. Nvidia verfolgt damit nicht nur Renditeziele. Der Konzern stärkt gezielt jene Firmen, die Rechenzentren bauen, GPUs kaufen oder ihre Systeme auf Nvidias Technologie ausrichten.
Ian Fogg von CCS Insight brachte das gegenüber CNBC auf den Punkt: "Nvidia hat ein klares Interesse daran, sicherzustellen, dass seine Kunden und Partner erfolgreich sind, um Nvidia auch in Zukunft Business zu sichern." Beteiligungen helfen Partnern bei der Expansion – und binden sie zugleich enger an Nvidias Ökosystem.
Besonders deutlich wird das bei den sogenannten Frontier-KI-Laboren. Finanzchefin Colette Kress erklärte Analysten, Nvidia habe "fast 50 Milliarden US-Dollar in die Frontier-KI-Labore" investiert. Allein OpenAI erhielt im Februar eine Zusage über 30 Milliarden US-Dollar. Kress begründete das damit, dass diese Unternehmen schneller wachsen, als ihre eigenen Bilanzen den enormen Bedarf an Rechenleistung tragen können: "Nvidia wird gebraucht, um dieses Schwungrad anzutreiben."
Auch bei Cloud-Anbietern folgt Nvidia demselben Muster. Im Januar investierte der Konzern 2 Milliarden US-Dollar in CoreWeave, im März erhielt Nebius ebenfalls 2 Milliarden US-Dollar. Forrester-Analyst Naveen Chhabra sagte gegenüber CNBC, Nvidia verschaffe solchen Unternehmen damit die Bilanzstärke, "um Zehntausende von Nvidia-GPUs zu erwerben".
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Hinzu kommen Milliarden in Schlüsseltechnologien. Seit März flossen mindestens 6,5 Milliarden US-Dollar in Photonik und optische Netzwerke. Lumentum, Coherent und Marvell erhielten jeweils 2 Milliarden US-Dollar. Eine frühere Beteiligung an Intel im Umfang von 5 Milliarden US-Dollar soll inzwischen rund 30 Milliarden US-Dollar wert sein, Nvidias SpaceX-Anteil im Juni rund 21 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger liegt der entscheidende Punkt darin, dass Nvidia längst nicht mehr nur Chips verkauft. Der Konzern finanziert zunehmend das Ökosystem, das diese Chips kaufen soll – und macht sich damit stärker vom Erfolg genau jener KI-Unternehmen abhängig, die er selbst mit Kapital versorgt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

