Dritter Gewinntag in Folge
Siemens Energy: Ist die Aktie jetzt bereit für die nächste Rallyestufe?
Die Anteile von Siemens Energy sind auf Erholungskurs, doch eine neue Rallye ist noch nicht ausgemacht, wie der Blick auf den Chart der Aktie zeigt.
- Siemens Energy erholt sich, Trendwende aber offen
- Zwischen 135 und 160 Euro bleibt die Aktie gefangen
- Bewertung wird attraktiver, Einstieg nicht eilig
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Siemens Energy mit zuletzt viel Gegenwind
Trotz einer anhaltend starken Geschäftsentwicklung gibt es für die Anteilseignerinnen und -eigner von Siemens Energy schon seit Ende April nichts mehr zu holen. Gegenüber ihrem Allzeithoch befindet sich die Aktie im Rückwärtsgang. Zwischenzeitliche Erholungsversuche wurden immer wieder abverkauft. Dass die Anteile dabei in guter Gesellschaft sind, wie denjenigen von Mitbewerbern wie Caterpillar, Cummins und GE Vernova, dürfte für Investoren nur ein schwacher Trost sein.
Zuletzt belasteten der unaufhaltsame Anstieg der Anleiherenditen, Berichte über weitere Anteilsverkäufe durch die einstige Konzernmutter Siemens sowie Gerüchte um einen Einstieg von SpaceX in das Gasturbinen- beziehungsweise Zulieferergeschäft den Kurs.
Aktie auf Erholungskurs: Ist das schon die Trendwende?
Zum Wochenausklang zeigt sich die Aktie jedoch versöhnlich. Sie steht am Freitag vor dem dritten Gewinntag in Folge. Damit können sich die Anteile von der wichtigen Unterstützung bei 140 Euro lösen. Aber reicht das bereits für die erhoffte Trendwende und rechtfertigt das einen (erneuten) Einstieg in die Aktie oder bleibt die Gefahr weiterer Rücksetzer zunächst bestehen?
Anteile seit Allzeithoch in korrektivem Abwärtstrend
Übergeordnet befindet sich Siemens Energy in einem steilen, mehrjährigen Aufwärtstrend. Seit dem Allzeittief bei 6,53 Euro im Oktober 2023 hat sich das Papier sehr stark entwickelt und vom erfolgreichen operativen Turnaround des Unternehmens profitiert. Selbst in der lange notorisch schwachen Windkraftsparte läuft es inzwischen wieder. Der KI-Boom tut außerdem sein Übriges.
Doch seit Ende März stagnieren die Anteile. Bearishe Divergenzen in den technischen Indikatoren RSI und MACD haben zu einer Trendwende geführt, außerdem war die Unternehmensbewertung zeitweise aus den Fugen geraten und der Geschäftsentwicklung weit vorausgeeilt.
Gegenwärtig handelt die Aktie in einem Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 25 Euro. Zwischenzeitliche Abverkaufsversuche konnten im Bereich von 135 bis 140 Euro aufgefangen werden. Auch der jüngste Abverkauf endete bei rund 140 Euro, was auf eine starke Unterstützung in diesem Bereich schließen lässt. Gleichzeitig ist das nachhaltige Unterschreiten (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) dieser Auffangzone als Sell-Trigger zu verstehen.
Technische Indikatoren mit ersten Entspannungssignalen ...
In den vergangen drei Tagen hat eine Erholung eingesetzt. Diese wird vorangetrieben und begleitet durch bullishe Divergenzen und Aufwärtstrends in den technischen Indikatoren. Zuletzt konnte sich der Relative-Stärke-Index (RSI) von überverkauften Bereichen erholen, er nimmt inzwischen Kurs auf die neutrale Zone, was nachlassenden Gegenwind anzeigt.
Dasselbe gilt auch für den Trendstärkeindikator MACD. Der zeigt unter der Nulllinie liegend zwar einen weiterhin intakten Abwärtstrend an, doch der verliert an Schwung, während ein Vorzeichen- und damit auch ein Trendwechsel der Aktie in Reichweite rückt.
... doch eine Trendwende lässt sich noch nicht ableiten
Klare Kauf- oder Einstiegssignale liegen jedoch noch keine vor. Über Wochen und Monate hinweg ausgeprägte bullishe Divergenzen leiten zwar häufig Trendwenden ein, aber längst nicht immer. Gleichzeitig hat Siemens Energy noch keine Buy-Trigger überwunden, wie beispielsweise die gleitenden Durchschnitte, die es im Bereich zwischen 151 und 153 Euro zurückzuerobern gilt.
Für klare prozyklische Kaufsignale würde außerdem das Verlassen des Abwärtstrendkanals bei 160 Euro sorgen. Das liegt aber rund 10 Prozent vom aktuellen Kurs entfernt – für eine solche Aufwärtsstrecke ist mit Blick auf die verbesserten, aber noch nicht wieder starken technischen Indikatoren noch jede Menge Aufbauarbeit zu leisten.
Fazit: Erst Seitwärtskonsolidierung, dann Ausbruch?!
Die Siemens-Energy-Aktie steht am Freitag vor dem Abschluss einer kleinen Gewinnserie und einer Erholung. Eine Trendwende ist aus dieser allerdings noch nicht abzuleiten, weil die technischen Indikatoren trotz Verbesserungen noch immer einen Trend mit nur wenig Dynamik anzeigen.
Gleichzeitig befindet sich die Aktie zwischen 135/140 und 160 Euro in einem Bereich mit starken Unterstützungen, aber auch mit starken Widerständen. Erst das Verlassen dieser Range in die eine oder andere Richtung dürfte für den nächsten größeren Impuls sorgen. Bis dahin ist Range-Trading angesagt. Eile, sich bei Siemens Energy zu engagieren, besteht daher aktuell keine.
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung wird die Aktie dagegen langsam wieder attraktiv. Für 2026 steht ein KGVe von 33,5 zu Buche. Das ist viel, geht angesichts des beschleunigten Gewinnwachstums jedoch in Ordnung. Für 2027 wird das KGV auf 23,6 taxiert. Das wiederum ist bei einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 0,6 sehr günstig und lässt die Chancen eher auf der Ober- als auf der Unterseite vermuten. Voraussetzung: Die KI-Blase platzt nicht!
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion



