Europa-Banken vor Umbruch
Commerzbank bald italienisch? Warum Berlin jetzt plötzlich mit UniCredit spricht
Jahrelang blockierte Berlin eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit. Jetzt kommt Bewegung in den Milliarden-Poker: Der italienische Konzern verhandelt. Deutschland stellt klare Bedingungen.
- Berlin knüpft Fusion an klare Bedingungen
- UniCredit hält fast 50 Prozent an Commerzbank
- Fusion könnte Europas Bankenmarkt neu prägen
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Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit nimmt weiter Form an. Nach monatelangem Widerstand aus Berlin sprechen die Beteiligten inzwischen über Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss.
Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, traf sich UniCredit-Chef Andrea Orcel am Donnerstag mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Dabei soll Rhein mehrere Forderungen für eine mögliche Fusion gestellt haben. Die Commerzbank solle börsennotiert bleiben, ihren Hauptsitz in Frankfurt behalten und auch ihren Namen sowie ihre Marke weiterführen. Zudem solle das Firmenkundengeschäft nicht verkauft werden.
Der Ton aus Berlin hat sich zuletzt deutlich verändert. Die Bundesregierung hatte den Vorstoß von UniCredit zunächst als feindliche Übernahme kritisiert. Nachdem der italienische Finanzkonzern seinen Anteil an der Commerzbank auf knapp unter 50 Prozent ausgebaut hatte, zeigte sich die Regierung jedoch erstmals offen für Gespräche.
"Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir direkt mit der Regierung sprechen wollten", sagte ein UniCredit-Sprecher laut Bloomberg. Die Gespräche darüber, wie man im Interesse aller Beteiligten und Deutschlands vorankommen könne, seien konstruktiv verlaufen.
UniCredit arbeitet bereits seit zwei Jahren an einer Übernahme der Commerzbank. Ein formelles Angebot ohne nennenswerten Aufschlag brachte dem italienischen Institut genügend Aktien, um den Anteil auf fast 50 Prozent zu erhöhen.
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Parallel setzt die Commerzbank ihren angekündigten Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro fort. Nach der Einziehung der zurückgekauften Aktien könnte der Anteil von UniCredit weiter steigen.
Auch Reuters sieht in der veränderten Haltung Deutschlands ein mögliches Signal für die europäische Bankenbranche. Die Bereitschaft Berlins, mit UniCredit zu sprechen, könnte andere Länder und Banken zu einer offeneren Haltung gegenüber grenzüberschreitenden Fusionen bewegen.
Antonio Reale von der Bank of America sagte laut Reuters, der Deal könne die Grundlage für einen paneuropäischen Marktführer schaffen. Gleichzeitig würde er den Druck auf andere Banken erhöhen, ebenfalls stärker auf Größe und Skaleneffekte zu setzen.
Noch gibt es jedoch erhebliche Hürden. Experten verweisen auf politische Interessen und mögliche Überschneidungen zwischen UniCredit und der deutschen Tochter HypoVereinsbank. Doch Anleger schicken die Commerzbank-Aktie schon mal nach oben.
Eine Fusion würde einen Bankkonzern mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro schaffen. Damit könnte der Zusammenschluss zum Testfall für eine neue Welle europäischer Bankenfusionen werden.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
