Zentralbanken verschieben Gold: Was hinter der Krisenvorsorge steckt
**Zentralbanken setzen auf Gold, während Märkte geopolitische und fiskalische Risiken neu bewerten**
Die niederländische Zentralbank verschiebt einen erheblichen Teil ihrer Goldreserven nach Europa. Zwischen März und August wurden rund 86 Tonnen Gold aus Lagerstätten in den USA und Kanada zur Bank of England nach London gebracht. Nach Angaben der De Nederlandsche Bank (DNB) entspricht dies mehr als einem Viertel der bislang in New York und Ottawa gehaltenen Bestände.
Mit der Umschichtung will die DNB ihre Krisenvorsorge stärken. Ausschlaggebend sei vor allem die bessere Handelbarkeit des Goldes in London. Die dort gelagerten Bestände erfüllen internationale Handelsstandards und könnten im Krisenfall schneller am Markt eingesetzt werden. Gouverneur Olaf Sleijpen betonte, die Zentralbank rechne zwar nicht damit, ihre Reserven kurzfristig nutzen zu müssen. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen solle die Widerstandsfähigkeit der niederländischen Finanzarchitektur jedoch verbessert werden.
Nach der Verlagerung befinden sich 32,1 Prozent der niederländischen Goldreserven in London und 30,8 Prozent im niederländischen Zeist. Auf New York und Ottawa entfallen jeweils 18,5 Prozent. Auch andere europäische Notenbanken haben ihre Lagerstrukturen zuletzt überprüft. Die Banque de France verlegte zwischen Juli 2025 und Januar 2026 insgesamt 129 Tonnen Gold aus der Federal Reserve in New York. Politische Motive wurden dabei zurückgewiesen.
Die Maßnahmen fallen in eine Phase deutlich gestiegener Goldpreise. Das Edelmetall verteuerte sich innerhalb eines Jahres um fast 25 Prozent und notierte zuletzt bei rund 4.430 US-Dollar je Feinunze. Als klassische Krisenanlage profitiert Gold von geopolitischer Unsicherheit, unter anderem von den Spannungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus.
Washington verschärfte unterdessen den wirtschaftlichen Druck auf Teheran. Die USA verhängten Sanktionen gegen die türkische Golden Global Bank und deren Tochtergesellschaften. Nach Darstellung des US-Finanzministeriums ermöglichten sie Transaktionen in Millionenhöhe zugunsten der iranischen Revolutionsgarden und unterstützten den internationalen Zahlungsverkehr der iranischen Führung. Die USA drohen zudem mit Sekundärsanktionen gegen Unternehmen in den Bereichen Technologie, digitale Vermögenswerte, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt.
Am Kapitalmarkt stehen daneben steigende Staatsanleiherenditen im Mittelpunkt. Anhaltende Inflation, hohe Energiepreise, wachsende Haushaltsdefizite und eine höhere Laufzeitprämie nähren Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Verschuldung. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen stieg über 4,8 Prozent. Kurzfristig belastete eine als restriktiv interpretierte Rede des Fed-Vertreters Kevin Warsh den Goldpreis. Mittelfristig könnten die Sorgen über Inflation und Staatsfinanzen das Edelmetall jedoch weiter stützen.
Gold wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von 0,00 % und einem Kurs von 4.429USD auf Forex (05. September 2026, 13:29 Uhr) gehandelt.
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