Eskalation am Golf
Öl-Rallye, Zinsangst, Gold fällt: Jetzt droht den Börsen der nächste Schock
Der Ölpreis nähert sich 100 US-Dollar. Die Renditen steigen und der DAX kämpft um 26.000 Punkte. Gleichzeitig wächst am Golf die Gefahr eines neuen Angebotsschocks.
- DAX kämpft um 26.000 Punkte, Renditen steigen
- Ölpreis steigt wegen Golf-Eskalation auf 100 Dollar
- Zinssorgen belasten Gold, Yen gewinnt an Stärke
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Der DAX startet knapp behauptet in die neue Woche. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex 0,1 Prozent tiefer, aber weiter über 26.000 Punkten. Thomas Altmann von QC Partners sieht einen offenen Kampf um die runde Marke. In der vergangenen Woche schloss der DAX dreimal darüber und zweimal darunter. Damit sei derzeit völlig offen, welche Seite sich durchsetzt.
Von der Wall Street kommen am Montag keine Impulse. Wegen des Labor Day bleiben die Börsen in den Vereinigten Staaten geschlossen. Der starke US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag hat zugleich die Erwartungen an höhere Zinsen verstärkt. Der Dow Jones Industrial Average verlor zum Wochenschluss 0,5 Prozent auf 53.414 Punkte.
Asien: Tech-Rallye treibt Nikkei und Kospi
In Asien greifen Anleger bei Technologieaktien zu. Der Nikkei 225 gewinnt 2,2 Prozent auf 66.460 Punkte. Der südkoreanische Kospi steigt sogar um 3,1 Prozent.
In Tokio springen die Chipausrüster Advantest und Tokyo Electron um jeweils mehr als vier Prozent. Mamoru Shimode von Resona Asset Management sieht die gesunkene Volatilität als wichtigen Treiber für die höhere Risikobereitschaft der Anleger.
Öl: Eskalation am Golf treibt Brent Richtung 100 US-Dollar
Die Ölpreise ziehen weiter an. Neue gegenseitige Angriffe der Vereinigten Staaten und des Iran auf Schiffe rund um die Straße von Hormus schüren die Sorge vor länger anhaltenden Lieferausfällen. Brent steigt um 0,82 Prozent auf 97,07 US-Dollar je Barrel. West Texas Intermediate (WTI) verteuert sich um 0,87 Prozent auf 92,28 US-Dollar. Allein in der vergangenen Woche legte Brent 7,8 Prozent zu, WTI fast zehn Prozent.
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Thomas Altmann spricht von einer weiterlaufenden "Eskalationsspirale am Golf". Öl, Gas und Zinsen zögen gleichzeitig an. Die Börsen spielten damit erneut das bekannte Eskalationsszenario.
Besonders kritisch bleibt die Straße von Hormus. Nach Daten von Kpler passierten dort zuletzt durchschnittlich nur noch zehn Frachtschiffe pro Tag – der niedrigste Stand seit Mai. Analysten der ANZ rechnen damit, dass die Exporte aus dem Nahen Osten bis Ende 2026 eingeschränkt bleiben könnten.
Zinsen: Fed, EZB und Bank of Japan unter Druck
Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck und damit das Risiko weiterer Zinserhöhungen. 10-jährige US-Staatsanleihen rentieren mit 4,7840 Prozent nahe dem höchsten Stand seit Ende 2023.
Die Märkte sehen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September. Für Oktober liegt sie bei 70 Prozent.
Auch in Europa geht es nach oben. Für Donnerstag wird eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank auf 2,75 Prozent erwartet. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt auf drei Prozent bis Dezember liegt laut Terminkontrakten bei 75 Prozent.
Devisen: Yen stärker – Dollar kann nicht profitieren
Der US-Dollar bleibt trotz steigender amerikanischer Zinserwartungen schwach. Sorgen über die Staatsverschuldung und politische Unsicherheit bremsen die Währung.
Der Euro steigt leicht auf 1,1618 US-Dollar. Deutlich stärker präsentiert sich der Yen. Die japanische Währung steigt auf 155,88 Yen je US-Dollar und setzt damit ihre Erholung fort. Erwartungen einer Zinserhöhung der Bank of Japan sowie die Auflösung von Carry-Trades sorgen für Rückenwind.
Gold: Zinssorgen drücken den Preis
Gold gerät nach den starken US-Arbeitsmarktdaten unter Druck. Der Spotpreis fällt um circa 0,7 Prozent auf etwa 4.400 US-Dollar je Feinunze. Jetzt richten sich alle Blicke auf die US-amerikanischen Inflationsdaten.
Tim Waterer von KCM Trade bezeichnet den Verbraucherpreisindex als das entscheidende fehlende Puzzleteil. Ein hoher Wert könnte die Erwartungen an eine Zinserhöhung weiter verstärken, die Renditen nach oben treiben und Gold zusätzlich belasten.
Bitcoin: 80.000 US-Dollar halten
Bitcoin hält sich nahe der psychologisch wichtigen Marke von 80.000 US-Dollar auf. Die Kryptowährung notiert derzeit knapp darunter. Rückenwind kommt laut der Vorlage von Anlegern, die Kapital aus dem US-Dollar in alternative Vermögenswerte umschichten.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
