Gefährliche Top-Bildung
SAP-Aktie im Rückwärtsgang: Kommt es jetzt nochmal ganz schlimm?
Nach einer fulminanten Erholungsrallye zeichnet sich im Chart der SAP-Aktie immer deutlicher eine Top-Bildung ab. Kommt es jetzt zu einer neuen Verkaufswelle?
- SAP nach Rallye vor Top-Bildung und Korrektur
- Erste Unterstützung liegt bei 165 bis 175 Euro
- Korrektur könnte mittelfristige Chancen eröffnen
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Software-Aktien nach Korrektur wieder obenauf ...
Software-Aktien gehörten in diesem Jahr lange zu den schwächsten Titeln aus der Technologiebranche. Einerseits wetteten Investoren darauf, dass Künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell bedrohen könnte und andererseits zogen Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte viel Kapital aus anderen Marktsegmenten an, was zu Umschichtungen geführt hatte.
Nach einer ganzen Reihe zufriedenstellender Quartalszahlen, welche die Disruptionssorgen besänftigt haben, startete die Branche eine Erholungsrallye. In der vergangenen Woche gelang dem Branchen-ETF Expanded Tech-Software (iShares; BlackRock) gegenüber dem Jahresauftakt der Vorzeichenwechsel. Im deutschen Leitindex DAX verkörperte vor allem die SAP-Aktie die Erholung innerhalb der Branche. Sie konnte in wenigen Wochen mehr als 50 Prozent zulegen.
Nur im September: Depot eröffnen, 5 Trades ausführen, Depot übertragen – oder beides kombinieren. Jetzt teilnehmen
... doch für SAP droht bereits neues Ungemach!
In den vergangenen Tagen, so auch zum Wochenauftakt, ist das Papier der Walldorfer jedoch unter Druck geraten. Vor allem in den USA litt die Branche vor dem langen Labor-Day-Wochenende unter Gewinnmitnahmen, die sich am Montag auch auf europäische Software-Titel erstrecken. Dazu kommt eine Top-Bildung im Chart, die jetzt in eine größere Verkaufswelle münden könnte.
Die gute Nachricht: Neue Tiefs erstmal vom Tisch
Hinter den SAP-Anteilen liegt in diesem Jahr eine Berg- und Talfahrt. Nach einer desaströsen ersten Jahreshälfte und der Fortsetzung des Abwärtstrends, der schon im Januar 2025 ausgehend vom bei rund 280 Euro markierten Allzeithoch eingesetzt hatte, startete die Aktie nach der Vorlage des letzten Geschäftsberichts Ende Juli eine starke Erholungsrallye mit Gewinnen von zwischenzeitlich mehr als 50 Prozent. Selbst das genügte bislang jedoch nicht, um gegenüber dem Jahreswechsel einen Vorzeichenwechsel herbeizuführen. Rund 13 Prozent beträgt das Minus gegenwärtig.
Zwar verliert SAP am Montag rund 3 Prozent an Wert und vergrößert damit die gegenüber dem Verlaufshoch bei 192,12 Euro erlittenen Verluste, doch die charttechnische Ausgangslage hat sich insgesamt stark verbessert. Die Anteile notieren jetzt wieder über den gleitenden Durchschnitten sowie dem Unterstützungsbereich zwischen 165 und 175 Euro. Damit dürften neue Mehrjahrestiefs, wie das vor der Vorlage der letzten Quartalszielen, dauerhaft vom Tisch sein.
Die schlechte Nachricht: Neue Korrektur steht bereits an
Eine nachhaltige Trendwende zum Besseren ist für Kurse unterhalb des Widerstandsbereichs zwischen 200 Euro und der bei rund 220 Euro verlaufenden Abwärtstrendlinie aber ebenfalls noch keine ausgemachte Sache. Das gilt umso mehr, als dass es im Bereich von 180 bis 190 Euro zu einer zunehmend gefährlichen Top-Bildung gekommen ist, welche neben den branchenweiten Gewinnmitnahmen mitverantwortlich für die hohen Verluste am Montag ist.
Aus technischer Perspektive ist das vorläufige Ende der Erholungsrallye technischer Erschöpfung anzulasten. Der Relative-Stärke-Index (RSI) notierte für Kurse um 190 Euro klar im überkauften Bereich, gleichzeitig waren kurzeitig bearishe Divergenzen aufgetreten.
Das gilt auch für den Trendstärkeindikator MACD, der inzwischen unter seine Signallinie gefallen ist. Damit zeigt er zwar einen noch intakten Aufwärtstrend der Aktie an. Dieser verliert aber rasch an Momentum, außerdem genügen solche Crossings nach stärkeren Aufwärtsbewegungen häufig schon für länger anhaltende Korrekturen, so beispielsweise zuletzt im Mai.
Zahlreiche Unterstützungen müssen noch getestet werden
Eine erste Auffangzone für die Aktie liegt im Bereich des alten Widerstandsbereichs zwischen 165 und 175 Euro, der als neue Unterstützung noch nicht getestet wurde. Das gilt auch für die 200-Tage-Linie bei rund 168 Euro sowie die 50-Tage-Linie bei 162 Euro. Sollten diese unterschritten werden, könnte auch der Bereich um 150 Euro noch einmal getestet werden.
Tiefer dürfte es allerdings nicht gehen, sollte sich nicht gleichzeitig auch das Gesamtmarktumfeld eintrüben, denn in den gleitenden Durchschnitten zeichnet sich bereits ein Golden Cross und damit ein neues Kaufsignal ab. Daher sollte die gegenwärtig hohe Korrekturwahrscheinlichkeit als potenzielle Einstiegsgelegenheit betrachtet werden, solange nicht neue Verkaufssignale aktiv werden.

wallstreetONLINE RedaktionDritter Gewinntag in Folge
Siemens Energy: Ist die Aktie jetzt bereit für die nächste Rallyestufe?
Fazit: Korrektiver Abwärtstrend mit Einstiegschancen zu erwarten
Die SAP-Aktie steht nach einer hochdynamischen Erholungsrallye vor einer Top-Bildung und einem korrektiven Abwärtstrend mit Verlusten von bis zu 15 Prozent. Indizien für diese These sind die sich eintrübenden technischen Indikatoren sowie der noch ausstehende Test zentraler Unterstützungen und Unterstützungsbereiche. Solange die Aktie aber nicht auf neue Tiefs fällt, dürften die mittelfristigen Chancen nach einer Korrektur überwiegen und die Gewinnmitnahmen eine Chance bieten.
Auch mit Blick auf die Unternehmensbewertung würde eine Korrektur das Chance-Risiko-Profil der Aktie wieder aussichtsreicher gestalten. Aktuell ist SAP mit einem KGVe 2026 von 26,3 bewertet. Das liegt zwar deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 39,3, ist angesichts des langsameren Cloudwachstums als im Rest der Branche einen fairen Wert dar.
Für neue Impulse könnten außerdem die Quartalszahlen von Adobe und Mitbewerber Oracle am Donnerstagabend sorgen. Die wecken entweder den Risikoappetit gegenüber Software-Titeln wieder oder verstärken die Gewinnmitnahmen der letzten Tage.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


