Neue Allianz am Himmel
Google wagt einen ungewöhnlichen Vorstoß in der Luftfahrt
Google und Cathay Pacific testen künstliche Intelligenz gegen klimaschädliche Kondensstreifen. Erste Flüge zeigen bereits deutliche Effekte.
- Google und Cathay testen KI gegen Kondensstreifen
- KI empfiehlt Umflüge um feuchte Luftschichten
- Tests senken den Erwärmungseffekt um rund 40 Prozent
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Google will den Klimaeffekt des Luftverkehrs mit künstlicher Intelligenz reduzieren. Dafür arbeitet der Technologiekonzern erstmals mit einer kommerziellen Airline im asiatisch-pazifischen Raum zusammen. Cathay Pacific soll auf Langstreckenflügen testen, wie sich klimaschädliche Kondensstreifen gezielt vermeiden lassen.
Kondensstreifen entstehen, wenn Flugzeuge durch kalte und feuchte Luftschichten fliegen. Einige lösen sich schnell auf, andere bleiben bestehen und entwickeln sich zu ausgedehnten Wolkenformationen. Sie können Wärme in der Atmosphäre zurückhalten und damit zur Erderwärmung beitragen. Nach Angaben von Google entfallen rund ein Drittel des gesamten Klimaeffekts der Luftfahrt auf Kondensstreifen.
KI soll Flugzeuge umleiten
Der Ansatz klingt vergleichsweise simpel: Flugzeuge sollen ihre Flughöhe geringfügig verändern, um bestimmte feuchte und kalte Luftschichten zu umfliegen. Dafür liefert Googles System den Flugteams bereits vor dem Start konkrete Empfehlungen.
Die Technologie kombiniert Prognosen künstlicher Intelligenz mit Satellitenbildern und detaillierten Wetterdaten. Während des Fluges gelangen die Informationen über das WLAN und das elektronische Flugordnersystem von Cathay Pacific direkt ins Cockpit.
Google hatte die Technologie zuvor bereits in den Vereinigten Staaten und auf Flügen über den Nordatlantik getestet. Nun soll die Zusammenarbeit mit Cathay Pacific Erkenntnisse über die praktische Umsetzung auf asiatischen und transozeanischen Strecken liefern.
Erste Tests zeigen deutlichen Effekt
Für den ersten Test waren mehr als 100 Flüge vorgesehen. Mehr als 80 davon folgten Routen zur Vermeidung von Kondensstreifen. Nach einer Auswertung von Satellitenbildern durch Google verringerte sich der geschätzte Erwärmungseffekt der Kondensstreifen dabei um rund 40 Prozent.
Besonders deutlich fiel der Effekt auf der Strecke zwischen Hongkong und Singapur aus. Die dort vorgenommenen Anpassungen sollen mehr als 50 Prozent der gesamten Emissionsreduzierung des Tests ausgemacht haben.
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Nun geht das Projekt in eine größere zweite Phase. Zusätzlich arbeitet Google mit der gemeinnützigen Initiative Contrails.org zusammen. Für die Luftfahrt könnte die Technologie einen weiteren Hebel neben effizienteren Flugzeugen und nachhaltigen Treibstoffen eröffnen.
"Dieser Klimahandhabungshebel steht der Luftfahrtindustrie für ihre bestehende Flugzeugflotte und jede Art von Treibstoff, den sie derzeit verwendet, zur Verfügung", sagte Kemal Armada, Projektleiter für Kondensstreifen-Forschung bei Google, laut Bloomberg. Sie sei "äußerst kostengünstig und effektiv".
Auch Cathay Pacific sieht Potenzial. "Unsere Partnerschaft mit Google vereint das Beste aus Technologie und operativem Know-how", sagte Lawrence Fong, Director of Digital and Information Technology bei Cathay Pacific, laut Bloomberg. So lasse sich zeigen, wie Daten, künstliche Intelligenz und Innovation konkrete Herausforderungen in großem Maßstab lösen könnten.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

