Eskalation an der Tankstelle
Kostet Diesel bald 3 Euro? Warum dieses Horror-Szenario wahr werden könnte!
Der Preis für börsengehandeltes Diesel nähert sich den bisherigen Jahreshochs. Geht es darüber, könnte der Kraftstoff an der Tankstelle bald 3 Euro kosten.
- Geschlossene Hormusstraße treibt Energiepreise hoch
- Diesel könnte technisch um 25 Prozent steigen
- Tankstellenpreise könnten bald drei Euro erreichen
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Keine Friedenslösung in Sicht: Energiepreise steigen unaufhaltsam
Rund ein halbes Jahr nach dem Beginn des Iran-Krieges zeichnet sich noch immer keine Friedenslösung ab. Damit bleibt die für Energieexporte so wichtige Straße von Hormus faktisch geschlossen, was zu anhaltend hohen Öl- und Gaspreisen führt.
Zuletzt hat sich der Preisauftrieb deutlich beschleunigt. Gegenüber dem Stand vor einem Monat hat sich die Nordsee-Sorte Brent um rund 18 Prozent verteuert, WTI ist sogar um 20 Prozent gestiegen. Angesichts leerer Gasspeicher in Europa und dem herannahenden Beginn der Heizperiode legte der in Amsterdam gehandelte Erdgas-Future sogar um fast 33 Prozent zu.
Benzin und Diesel bald 3 Euro? Warum das jetzt wahr werden könnte!
Die Preissteigerungen machen sich auch an der Tankstelle bemerkbar. Waren die Preise für Benzin und Diesel im Juni im bundesdeutschen Durchschnitt zeitweise wieder unter 2 Euro je Liter gefallen, notieren sie jetzt wieder in der Nähe ihrer bisherigen Jahreshochs. Zum Wochenauftakt kostete Super E10 rund 2,25 Euro und Diesel durchschnittlich 2,29 Euro.
Dabei könnte es sich allerdings nur um eine Momentaufnahme handeln, denn mit Blick auf den Chart von börsengehandeltem Diesel an der der Rohstoffbörse in London könnte die Situation bald eskalieren. Auch vor dem Hintergrund einer neuen Ölpreisprognose der US-Investmentbank Goldman Sachs sind Preise von 3 Euro und mehr pro Liter nicht mehr auszuschließen.
Quelle: Investing.com | London Gas Oil Futures
Diesel trotz zwischenzeitlicher Entspannung auf dem Weg zu neuen Hochs
Angesichts niedriger Ölpreise und mauen Konjunkturaussichten in Europa wurde Diesel im vergangenen Jahr noch zu Preisen von rund 600 US-Dollar je Tonne gehandelt. Der Iran-Krieg führte dann aber gegenüber dem Ölpreis zu einem überproportionalen Preisanstieg.
Zeitweise legte Diesel um mehr als das Doppelte zu. Da nicht jede Raffinerie beliebiges Öl verarbeiten kann, trafen die Lieferschwierigkeiten europäische Verarbeitungsstätten besonders hart. Gegenwärtig beträgt der Aufschlag gegenüber dem Stand vor einem Jahr knapp 114 Prozent.
Gegenüber dem durch den Beginn des Ukraine-Krieges hervorgerufenen Energieschock stieg Diesel zwar nicht ganz so hoch wie damals, nichtsdestotrotz wurden neue Mehrjahreshochs und damit aus technischer Perspektive Kaufsignale erreicht.
Aufwärtstrend zeigt längst technische Erfolge
Die konnten sich zunächst nicht durchsetzen, nachdem es zeitweise zu einem Waffenstillstand gekommen war. Der Preis für börsengehandeltes Diesel brach daraufhin um rund 40 Prozent ein. Doch seit Mitte Juni hat der Treibstoff angesichts der anhaltenden Lieferschwierigkeiten wieder Aufwind, wodurch es zur Bildung eines Aufwärtstrendkanals gekommen ist.
Mit dessen Hilfe konnte rasch die 50-Tage-Linie zurückerobert werden, welche im Rahmen einer Korrektur im August erfolgreich getestet wurde. Gegenwärtig handelt Diesel in unmittelbarer Nähe zur Aufwärtstrendoberkante. Sollte es zu einem Ausbruch nach oben kommen, dürfte Diesel rasch zu den bisherigen Jahreshochs aufschließen, was neue Kaufsignale nach sich ziehen würde.
Anstieg von +25 Prozent und mehr möglich
Mit Blick auf die technischen Indikatoren ist die Gefahr einer solchen Eskalation nach oben real, denn der gegenwärtige Aufwärtstrend wird begleitet durch Aufwärtstrends auch im RSI und MACD. Das lässt auf die Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Kaufwelle schließen. Zu bearishen Divergenzen, welche auf eine Trendwende zur Unterseite hindeutet, ist es hingegen noch nicht gekommen.
Damit gibt es abgesehen von einem geringfügig überkauften RSI aktuell nur wenig, was einem fortgesetzten Anstieg des Dieselpreises im Wege steht. Bis zu den bisherigen Jahreshochs sind es noch rund 10 Prozent, weitere 10 bis 15 Prozent könnten im Rahmen einer Anschlussrallye folgen. Das ergibt ein Aufwärtspotenzial von 25 Prozent. Selbst wenn Diesel an der Tankstelle "nur" genau so viel steigen würde, entspräche das bereits Preisen von 2,75 bis 2,98 Euro pro Liter.
Goldman Sachs warnt vor höheren Ölpreisen
Auch fundamental ist Lage ernst. In einer am Montagmorgen vorgestellten Studie warnt die US-Investmentbank Goldman Sachs vor Ölpreisen um 120 US-Dollar je Barrel, sollten die Lieferschwierigkeiten und Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus anhalten.
In einem Interview gegenüber dem Finanznachrichtendienstleister Bloomberg empfahl Analyst Daan Struyven Erdgas- und Diesel-Futures zum Kauf. Er warnte: "Die Geschehnisse der vergangenen Tage legen nahe, dass die Risiken durch Störungen der Schifffahrt breiter werden und sich intensivieren." In der Vorwoche war es nach US-Luftangriffen zu einer neuen Eskalation gekommen.
Im Fall einer Entspannung rechnet Struyven mit Ölpreisen um 80 US-Dollar. Das läge noch immer signifikant über dem Niveau von etwa 60 US-Dollar zum Jahresauftakt. Mit einer raschen Entspannung an den Tankstellen ist daher nicht zu rechnen.

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Zusätzlich verstärkt wird die Krise durch die erfolgreiche Kampagne der ukrainischen Streitkräfte in Russland. Drohnen- und Raketenangriffe haben inzwischen einen Großteil der russischen Raffineriekapazitäten außer Gefecht gesetzt. Das ist zwar ein bedeutender strategischer Erfolg, erhöht aber den Druck auf den globalen Dieselmarkt, da Russland vom Exporteur von Treibstoffen zu einem Importeur geworden ist und zuletzt beispielsweise aus Indien Benzin und Diesel kaufen musste.
Da die Preise an der Tankstelle aber nicht nur hierzulande, sondern auch in den USA immer weiter steigen, könnte US-Präsident Donald Trump bald zu einem erneuten Rückzieher gezwungen sein, wenn er sich und der Republikanischen Partei noch Siegchancen bei den Anfang November anstehenden Midterm-Wahlen waren möchte. Die hohen Treibstoffpreise und Lebenshaltungskosten sind längst zum bestimmenden Thema geworden.
Auch wenn daher derzeit alles für weiter steigende Preise spricht, sollten sich Anlegerinnen und Anleger nicht blind auf der Long-Seite engagieren und sich gegebenenfalls mit Stopp-Loss-Orders gegen Schwankungen absichern.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


