Abgehobene IPO-Aktien
SpaceX davon geeilt: Diese eher unbekannten IPO-Aktien sind bis zu 479 % im Plus
SpaceX schrieb mit 75 Milliarden US-Dollar Börsengeschichte. Doch seit dem Ausgabepreis liegt die Aktie nur 9,6 Prozent vorn. Drei weitgehend unbekannte IPOs lassen den Musk-Konzern alt aussehen.
- SpaceX erzielt trotz Rekord-IPO nur 9,6 Prozent
- Veradermics führt mit fast 480 Prozent Kursplus
- Vogenx und ASTA steigen ebenfalls deutlich stärker
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Elon Musk hat mit SpaceX den größten Börsengang aller Zeiten aufs Parkett gelegt. Doch wer beim IPO auf maximale Kursgewinne aus war, hätte sein Geld besser in Unternehmen gesteckt, deren Namen die meisten Anleger bis heute kaum kennen dürften.
Veradermics, Vogenx und die österreichische ASTA Energy Solutions haben ihre Ausgabepreise weit hinter sich gelassen. Zwei davon zeigen zugleich, dass Biotechnologie bei Börsengängen weiterhin ganz vorne mitspielt.
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SpaceX: 75 Milliarden US-Dollar – aber nur 9,6 Prozent Kursplus
Am 12. Juni feierte SpaceX sein Börsendebüt an der Nasdaq. Bereits die Dimensionen des Börsengangs sprengten alle bisherigen Rekorde. Das Unternehmen platzierte 555,6 Millionen Aktien zu jeweils 135 US-Dollar und nahm damit rund 75 Milliarden US-Dollar ein. Der bisherige Rekord von Saudi Aramco wurde damit deutlich übertroffen.
Anfangs schien SpaceX auch beim Kursverlauf neue Maßstäbe zu setzen. Die Aktie eröffnete bei 150 US-Dollar und legte am ersten Handelstag zeitweise kräftig zu. Danach folgte jedoch eine äußerst volatile Entwicklung. Zwischenzeitlich notierte die Aktie sogar rund 20 Prozent unter ihrem Ausgabepreis.
Inzwischen hat sich SpaceX wieder erholt. Zum jüngsten US-Schlusskurs am Freitag kostete die Aktie 147,95 US-Dollar. Gegenüber dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar entspricht das einem Gewinn von gerade einmal 9,6 Prozent.
Für den größten Börsengang der Geschichte ist das durchaus respektabel. Andere Neuemissionen des Jahres spielen jedoch in einer völlig anderen Liga.
Veradermics: Plus 479 Prozent seit dem Börsengang
Der spektakulärste Kandidat kommt aus der Biotechnologie. Veradermics ging Anfang Februar zu lediglich 17 US-Dollar je Aktie an die Börse. Inzwischen kostet das Papier 98,51 US-Dollar. Seit dem IPO beträgt das Plus damit unglaubliche 479,5 Prozent.
Dabei ist Veradermics alles andere als ein etablierter Pharmariese. Das Unternehmen konzentriert sich im Wesentlichen auf ein Medikament: VDPHL01, eine oral einzunehmende Retard-Formulierung des bekannten Wirkstoffs Minoxidil zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall.
Genau hier liegt die Fantasie. Im April meldete Veradermics positive Ergebnisse einer Phase-2/3-Studie mit mehr als 500 Männern. Beide Dosierungen erreichten sämtliche primären und wichtigen sekundären Studienziele. Nach sechs Monaten stieg die Haarzahl im untersuchten Bereich im Mittel um 30,3 beziehungsweise 33 Haare je Quadratzentimeter, verglichen mit 7,3 Haaren unter Placebo.
Der nächste große Kurstreiber steht bereits bevor. Die bestätigende Phase-3-Studie 304 ist vollständig rekrutiert, Ergebnisse werden noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet. Veradermics arbeitet zudem an einer Studie bei Frauen. Gelingt auch der nächste klinische Schritt, könnte VDPHL01 nach Einschätzung des Unternehmens zum ersten von der US-Arzneimittelbehörde zugelassenen nicht-hormonellen oralen Medikament gegen erblich bedingten Haarausfall werden.
Die Kehrseite: Nach fast 480 Prozent Kursgewinn sind enorme Erwartungen eingepreist. Enttäuschende Studiendaten könnten entsprechend heftige Kursverluste auslösen.
Vogenx: Plus 144 Prozent in nicht einmal einem Monat
Noch frischer ist der Börsengang von Vogenx. Erst am 11. August wurden die Aktien des Biotech-Unternehmens für 13 US-Dollar ausgegeben. Rund drei Wochen später stehen sie bereits bei 31,73 US-Dollar. Das entspricht einem Kursgewinn von 144,1 Prozent.
Vogenx entwickelt Medikamente gegen Stoffwechselerkrankungen. Wichtigster Kandidat ist Mizagliflozin, ein oral verabreichter Hemmer des Glukosetransporters SGLT1 im Darm.
Im Mittelpunkt steht zunächst die sogenannte postbariatrische Hypoglykämie. Dabei leiden Patienten nach einer Magenverkleinerung unter gefährlich starken Blutzuckerabfällen nach dem Essen. Mizagliflozin soll die Aufnahme von Glukose im Darm verlangsamen und damit die extremen Ausschläge bei Blutzucker und Insulin reduzieren. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind Gastroparese sowie das GIP-abhängige Cushing-Syndrom.
Für Anleger dürfte vor allem die Phase-2b-Studie EMERGE entscheidend werden. Vogenx will 2026 mit der Rekrutierung beginnen und peilt die wichtigsten Ergebnisse für 2027 an. Bei Erfolg soll anschließend mit der FDA über das Design einer Phase-3-Studie gesprochen werden.
Damit ist Vogenx noch wesentlich früher in der Entwicklung als Veradermics. Das macht die Aktie hochspekulativ. Das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass die Mittel aus dem Börsengang nicht ausreichen dürften, um einen Wirkstoff bis durch die Phase 3 und zur Zulassung zu finanzieren.
Dass ausgerechnet Veradermics und Vogenx zu den großen Gewinnern gehören, ist kein Zufall. 2026 hat sich das Fenster für Biotech-Börsengänge wieder weit geöffnet. Bis Ende August kamen in den USA bereits mehr als 20 Biotech-Unternehmen an die Börse – deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025. Ein Großteil der Neuemissionen notiert inzwischen oberhalb des jeweiligen Ausgabepreises.
ASTA Energy Solutions: Plus 116 Prozent aus Österreich
Dass es auch ohne Medikamente geht, beweist ASTA Energy Solutions. Das österreichische Unternehmen war Ende Januar der erste Börsengang des Jahres im Prime Standard der Frankfurter Börse. Die Aktien wurden für 29,50 Euro ausgegeben. Am Montag notierte ASTA auf Xetra bei rund 63,80 Euro. Das entspricht seit dem IPO einem Plus von 116,3 Prozent.
ASTA produziert hochspezialisierte kupferbasierte Leiter und Wickelmaterialien, die unter anderem in Hochspannungs-Transformatoren und industriellen Generatoren eingesetzt werden. Damit profitiert das Unternehmen gleich von mehreren großen Investitionstrends: Ausbau der Stromnetze, Energiewende, Elektrifizierung und dem enormen Strombedarf neuer Rechenzentren. Zu den Kunden gehören unter anderem Siemens Energy, GE Vernova und Andritz.
Und anders als bei den beiden Biotechs basiert die Rallye bereits auf einem profitablen Geschäft. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 22,2 Prozent auf 435,8 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte sogar um 54,2 Prozent auf 37 Millionen Euro, der Nettogewinn sprang um 125 Prozent auf 22,5 Millionen Euro. Nach der starken Entwicklung erhöhte ASTA seine EBITDA-Prognose für 2026 auf 60 bis 64 Millionen Euro.
Damit könnte ASTA unter den drei Überfliegern die fundamental am einfachsten nachvollziehbare Geschichte liefern. Gleichzeitig hat sich die Aktie seit Januar bereits mehr als verdoppelt – billig ist auch dieser Börsenneuling nicht mehr.
Die Größe ist nicht entscheidend
SpaceX hat 2026 bislang zwar den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt. Die höchsten Renditen wurden jedoch andernorts erzielt. Während SpaceX seit dem Ausgabepreis lediglich 9,6 Prozent gewonnen hat, stehen ASTA bei rund 116 Prozent, Vogenx bei 144 Prozent und Veradermics sogar bei fast 480 Prozent. Der IPO-Jahrgang 2026 zeigt damit einmal mehr: Die spektakulärsten Renditen verstecken sich häufig dort, wo vor dem Börsengang kaum jemand den Namen kannte.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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