Nur 53 Prozent gefüllt
Gas-Alarm: Bei extremer Kälte könnten die Speicher Ende Januar leer sein
Deutschlands Gasreserven erreichen ein saisonales 15-Jahres-Tief. Bei extremer Kälte drohen erhebliche Versorgungslücken. Warum selbst weitere Einlagerungen nicht reichen könnten.
Deutschland droht bei extremer Winterkälte eine massive Gaslücke. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf neue Daten des Gasspeicherverbands INES berichtet, sind die Speicher derzeit nur zu 53 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit 15 Jahren.
Bis zum 1. November sind technisch höchstens 77 Prozent erreichbar. Dafür müsste in den kommenden zwei Monaten mehr Gas eingelagert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Dies gilt derzeit jedoch als unwahrscheinlich.
Selbst diese 77 Prozent würden bei einem überdurchschnittlich kalten Winter wie 2010 nicht genügen. Laut INES wären die Speicher dann Ende Januar leer. An einzelnen Tagen könnte der ungedeckte Gasbedarf über 25 Prozent betragen. Bei einem durchschnittlich kalten Winter hingegen blieben am 1. April noch 38 Prozent in den Speichern.
Die Schwachstelle sind die Flüssigerdgasterminals, die nur begrenzte Mengen ins Netz liefern können. Bei hohem Spitzenverbrauch müssen Speicher einspringen. Doch mit sinkendem Füllstand fehlt ihnen der nötige Druck, um schnell genug Gas abzugeben.
Gleichzeitig fehlt Händlern der wirtschaftliche Anreiz zur Einlagerung. Die aktuellen Preise lassen beim späteren Verkauf im Winter keinen Gewinn erwarten. Deshalb schlägt INES Entlastungen vor, etwa niedrigere Netzentgelte an Speicheranschlüssen oder die Abschaffung der Konvertierungsumlage für die Speichernutzung.
Staatliche Käufe könnten die Nachfrage plötzlich erhöhen und die Preise weiter in die Höhe treiben. Schon jetzt kostet Gas 73 Euro je Megawattstunde, was dem höchsten Stand seit vier Jahren entspricht und fast das Zweieinhalbfache des Niveaus zu Beginn des Irankriegs ist.
Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet nach aktuellem Kenntnisstand dennoch keine Gasmangellage im kommenden Winter. Es räumt jedoch eine angespanntere Situation als im Vorwinter ein.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

