35 Prozent Plus
Bester Bondmarkt seit Jahrzehnten, so können Anleger profitieren
US-Treasuries werfen fast fünf Prozent sichere Rendite ab und können eine interessante Alternative zu risikoreicheren Aktien bieten. Wir rechnen 10.000 Euro in einer Einzelanleihe und zwei Treasury-ETFs bis 2036 durch.
- US-Treasuries bieten fast fünf Prozent Rendite
- Einzelanleihe bringt bis 2036 rund 13.500 Euro
- ETFs sind bequem, aber Kursrisiken bleiben bestehen
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Fast fünf Prozent Rendite mit Staatsanleihen eines der kreditwürdigsten Schuldner der Welt: US-Treasuries sind für deutsche Anleger zu einer ernsthaften Alternative zu Aktien, Festgeld und Bundesanleihen geworden. Für Einkommensinvestoren ist der Anleihemarkt aktuell so attraktiv wie seit etwa 2007 nicht mehr. Doch welche Risiken bestehen und wie sieht es mit den Steuern aus?
Wir haben einmal durchgerechnet, was aus 10.000 Euro innerhalb von zehn Jahren werden könnte. Verglichen werden eine aktuelle zehnjährige US-Staatsanleihe, ein klassischer Treasury-ETF sowie dessen gegen Wechselkursschwankungen abgesicherte Variante.
Variante 1: Die Zinsen bis 2036 festschreiben
Am berechenbarsten ist die aktuelle zehnjährige Benchmark-Anleihe (ISIN US91282CRF04; WKN A4EZBJ) mit einer Laufzeit bis zum 15. August 2036 und einem festen Kupon von 4,625 Prozent. Der aktuelle Briefkurs liegt bei rund 98,775 Prozent, die Rendite bis zur Fälligkeit bei etwa 4,82 Prozent. Die Zinsen werden halbjährlich gezahlt.
Mit 10.000 Euro lassen sich beim Wechselkurs von 1,16 US-Dollar je Euro Treasuries im Volumen von ungefähr 11.600 US-Dollar Nominalwert erwerben. Jedes volle Jahr zahlt die Anleihe darauf etwa 540 US-Dollar Zinsen aus, entsprechend etwa 466 Euro brutto. Über die bis August 2036 anfallenden 20 Kuponzahlungen fließen also insgesamt 5.400 US-Dollar. Weil beim Kauf bereits Stückzinsen bezahlt werden müssen, liegt der tatsächliche wirtschaftliche Zinsertrag etwas darunter.
Zusätzlich wird die Anleihe 2036 zu 100 Prozent zurückgezahlt. Da sie heute für weniger als 100 Prozent gekauft wird, entsteht auch daraus ein kleiner Kursgewinn. Unterm Strich ergibt sich unter unseren Annahmen ein Bruttogewinn von rund 4.750 Euro. Nach 26,375 Prozent deutscher Steuer bleiben davon etwa 3.500 Euro netto. Aus den ursprünglich 10.000 Euro werden damit bis 2036 insgesamt rund 13.500 Euro nach Steuern. Das entspricht einem Plus von 35 Prozent über den Zeitraum.
Wer die Anleihe bis zum Ende hält, kennt seine Zahlungen in US-Dollar schon heute nahezu vollständig. Zinsänderungen während der Laufzeit können ihm egal sein, sofern er nicht vorher verkaufen will. US-amerikanische Quellensteuer fällt auf qualifizierende Portfolio-Zinsen aus solchen Papieren für ausländische Anleger grundsätzlich nicht an. Das macht das Anleiheinvestment sehr vorhersehbar, die Einnahmen können eingeplant werden.
Die Treasury ist über mehrere deutsche Anleihehandelsplätze erhältlich. Damit kann sie grundsätzlich über Broker gekauft werden, die diese Plätze anbinden. Der direkte Treasury-Kauf ist für deutsche Anleger technisch recht einfach und unsere Benchmark-Anleihe ist mit einem Volumen von rund 53 Milliarden US-Dollar gewaltig. Eine Order über 10.000 Euro sollte deshalb grundsätzlich problemlos möglich sein; Anleger sollten dennoch mit Limit ordern.
Variante 2: Die bequemere ETF-Lösung
Einfacher ist der iShares $ Treasury Bond 7–10yr UCITS ETF (ISIN IE00B1FZS798, WKN A0LGP4), der derzeit 13 US-Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren umfasst. Die Effektivverzinsung des Portfolios liegt bei 4,73 Prozent, die Kostenquote laut BlackRock bei lediglich 0,07 Prozent jährlich. Die nachlaufende Ausschüttungsrendite der vergangenen zwölf Monate beträgt derzeit 4,37 Prozent. Schreiben wir diese Ausschüttungsrendite für unsere Modellrechnung bis August 2036 fort, würden 10.000 Euro Investment über knapp zehn Jahre insgesamt rund 4.340 Euro Ausschüttungen vor Steuern liefern.
Nach derzeitiger Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag blieben davon etwa 3.200 Euro netto. Unterstellen wir zusätzlich, dass der ETF am 15. August 2036 zum gleichen Kurs verkauft werden kann wie heute, hätte der Anleger anschließend rund 13.200 Euro nach Steuern. Damit läge der ETF in unserer Rechnung etwas hinter der Einzelanleihe.
Ein entscheidender Unterschied zur Einzelanleihe ist jedoch, dass der ETF keinen Fälligkeitstermin hat. Auslaufende oder zu kurz laufende Staatsanleihen werden ständig durch neue ersetzt. Niemand weiß deshalb, welchen Kurs der ETF im August 2036 haben wird. Stehen die US-Zinsen dann höher als heute, könnte der Kurs niedriger sein. Sind die Zinsen deutlich gefallen, könnten zusätzlich zu den Ausschüttungen Kursgewinne entstehen. Auch die Ausschüttungsrendite von aktuell 4,37 Prozent ist keineswegs bis 2036 garantiert. Sie verändert sich mit den Anleihen, die der ETF künftig ins Portfolio aufnimmt.
Variante 3: Treasury-Rendite ohne großes Dollar-Risiko
Die dritte Möglichkeit ist der iShares $ Treasury Bond 7–10yr UCITS ETF EUR Hedged (ISIN IE00BGPP6697, WKN A2PDTS), dessen Portfolio weitgehend der ungesicherten Variante entspricht. Der große Unterschied liegt aber darin, dass das Wechselkurs-Risiko mit Derivaten abgesichert wird. Die Kostenquote liegt mit 0,10 Prozent etwas höher. Die nachlaufende Ausschüttungsrendite beträgt derzeit laut BlackRock 4,41 Prozent.
Wird auch diese Ausschüttungsrendite fest bis August 2036 fortgeschrieben, kämen bei 10.000 Euro Einsatz rund 4.380 Euro brutto zusammen. Nach Steuern verblieben ungefähr 3.225 Euro. Bei einem angenommenen unveränderten Verkaufskurs wären es am Ende also rund 13.225 Euro nach Steuern.
Dass die währungsgesicherte Variante in dieser Momentaufnahme sogar minimal besser abschneidet als der ungesicherte ETF, sollte allerdings nicht überinterpretiert werden. Die derzeitige Ausschüttungsrendite blickt 12 Monate zurück. Kosten und Erträge der Währungsabsicherung verändern sich laufend und hängen unter anderem vom Zinsunterschied zwischen den USA und dem Euroraum ab.
Das Ergebnis im Überblick
| Anlage von 10.000 Euro | laufende Basis | Netto-Ertrag bis 2036* | Vermögen 2036* |
|---|---|---|---|
| US-Treasury 4,625 % 2036 | Rendite ca. 4,82 % | ca. 3.500 € | ca. 13.500 € |
| iShares Trsry 7–10yr ETF | Ausschüttung 4,37 % | ca. 3.200 € | ca. 13.200 € |
| iShares Trsry 7–10yr EUR Hedged | Ausschüttung 4,41 % | ca. 3.225 € | ca. 13.225 € |
* Modellrechnung bei konstantem Wechselkurs, unveränderten ETF-Ausschüttungsrenditen und unverändertem ETF-Verkaufskurs im August 2036. Ohne Kirchensteuer und Sparer-Pauschbetrag.
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Anders als bei vielen Aktien- oder Immobilienfonds gibt es bei reinen Anleihe-ETFs keinen zusätzlichen Steuervorteil durch eine Teilfreistellung. Ihre Erträge sind daher grundsätzlich vollständig steuerpflichtig. Wer seinen Sparer-Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hat, kann allerdings bis zu dessen Höhe Kapitalerträge steuerfrei vereinnahmen.
Der US-Dollar kann die ganze Rechnung verändern
Die wichtigste Unsicherheit betrifft vor allem die Einzelanleihe und den ungesicherten ETF. Unsere Rechnung unterstellt einen konstanten Euro-Dollar-Kurs. In der Realität kann die Währung über zehn Jahre einen erheblich größeren Einfluss haben als einige Zehntelprozent Unterschied bei der Anleiherendite.
Wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro auf, steigen für einen deutschen Anleger sowohl die umgerechneten Zinszahlungen als auch der Wert des zurückgezahlten Kapitals. Ein schwächerer US-Dollar wirkt genau umgekehrt und kann einen erheblichen Teil der Zinsgewinne auffressen. Beim EUR-Hedged-ETF wird dieses Risiko weitgehend abgesichert, dafür kostet die Absicherung Geld und kann auch mögliche Währungsgewinne verhindern.
Wer die laufenden Zinsen beziehungsweise ETF-Ausschüttungen nicht zum Leben benötigt, kann sie zudem wieder anlegen. Dadurch käme über fast zehn Jahre der Zinseszinseffekt hinzu und das Endvermögen läge entsprechend höher.
Unter den sehr vereinfachten Annahmen unseres Vergleichs hat die direkte Treasury einen kleinen rechnerischen Vorteil. Ihr größter Pluspunkt ist aber ein anderer: Wer sie bis 2036 hält, weiß schon heute, wie viele US-Dollar er an Zinsen und am Ende zurückbekommt. Bei einem klassischen Treasury-ETF bleibt dagegen selbst nach zehn Jahren offen, zu welchem Kurs der Anleger aussteigen kann.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

