Zollkrieg eskaliert
Trump verhängt Importverbote gegen Kanada, Carney-Unterstützung wächst
Kanada kontert US-Zölle mit Aufschlägen bis 50 Prozent. Trump antwortet mit Importverboten. Der Streit droht die eng verflochtenen Lieferketten beider Länder zu beschädigen.
- Kanada erhöht Zölle, USA antworten mit Importverboten
- Der Konflikt gefährdet enge Lieferketten beider Länder
- Enge Handelsbeziehungen machen eine Eskalation riskant
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Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada ist in eine neue Phase eingetreten. Seit Dienstag erhebt Ottawa auf Hunderte US-Produkte zusätzliche Zölle von 15, 25 oder 50 Prozent. Washington reagierte nur Stunden später nicht nur mit weiteren Zöllen, sondern auch mit Importverboten. Aus einem Streit um Marktregeln wird damit zunehmend ein wirtschaftlicher Abnutzungskampf zwischen zwei eng verflochtenen Nachbarn. Dabei sinken die Umfragewerte von US-Präsident Donald Trump wegen des Handelsstreits immer weiter, während Kanadas Premierminister Mark Carney in der Beliebtheit deutlich steigt.
Kanadas Gegenmaßnahmen treffen Waren im Wert von 27,6 Milliarden kanadischen Dollar (20 Milliarden US-Dollar). Damit reagiert Premierminister Mark Carney "Dollar für Dollar" auf die US-Zölle, die nach dem Scheitern der Verhandlungen Ende August in Kraft getreten waren. Bei zahlreichen Stahl- und Aluminiumprodukten steigen bestehende Aufschläge von 25 auf 50 Prozent. Hinzu kommen unter anderem Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Landmaschinen, Zellstoff und Papier, Kunststoffe und Elektronik.
Donald Trump unterzeichnete daraufhin fünf Proklamationen auf Basis von Section 338 des Tariff Act von 1930. Zum 15. September wird die Liste der Waren verändert, auf die bereits 50-Prozent-Zölle gelten. Neu erfasst werden unter anderem weitere Milchprodukte und Geländefahrzeuge; andere Produkte wie Steinsalz und Zement werden ausgenommen. Die Section-338-Abgaben können zusätzlich zu bestehenden branchenspezifischen Zöllen nach Section 232 anfallen.
Noch schärfer ist der nächste Schritt: Ab dem 29. September sollen bestimmte kanadische Produkte gar nicht mehr in die USA eingeführt werden dürfen. Betroffen sind unter anderem Molkereiprodukte, alkoholische Getränke und Waren aus dem Fahrzeugbereich – darunter Molkenproteine, bestimmte Whisky- und Spirituosensorten, Bier, einige Weine sowie Motorräder. Wo bislang ein Zoll den Import verteuerte, soll der Handel nun teilweise vollständig abgeschnitten werden.

wallstreetONLINE RedaktionGriff ins Klo
Zollstreit zeigt US-Abhängigkeit von kanadischem Klopapier
Section 338 erlaubt dem US-Präsidenten bei aus seiner Sicht diskriminierenden Handelspraktiken zusätzliche Zölle von bis zu 50 Prozent und unter bestimmten Voraussetzungen auch Einfuhrverbote. Washington wirft Kanada Benachteiligungen amerikanischer Anbieter bei Alkohol, Milchprodukten und Fahrzeugen vor.
Trump will kanadische Anbieter zudem aus Teilen der staatlichen US-Beschaffung drängen. Das Weiße Haus verweist dabei auf ein Marktvolumen von rund 50 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben eines hochrangigen Regierungsvertreters entspricht diese Summe jedoch nicht automatisch den tatsächlichen Umsätzen kanadischer Firmen.
Die Eskalation ist deshalb riskant, weil beide Volkswirtschaften eng verbunden sind. 2025 belief sich der bilaterale Waren- und Dienstleistungshandel auf rund 872 Milliarden US-Dollar. Die USA exportierten Waren für 333,6 Milliarden US-Dollar nach Kanada und importierten für 381,9 Milliarden US-Dollar. Für Kanada ist die Abhängigkeit besonders groß: Mehr als 70 Prozent seiner Warenexporte gingen 2025 in die USA.
Besonders gefährlich wäre eine weitere Eskalation im Autosektor. Mehr als 90 Prozent der in Kanada gefertigten Fahrzeuge und rund 60 Prozent der dort produzierten Autoteile werden in die USA geliefert. Trump hält zudem an der Drohung fest, die Zölle auf kanadische Autos und Autoteile zum 1. Januar auf 50 Prozent anzuheben. Das würde auch US-Hersteller treffen, deren Lieferketten die Grenze mehrfach überqueren.
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Noch sind besonders sensible Bereiche weitgehend ausgespart: Öl, Gas und Kali-Dünger. Kanada war 2025 mit Abstand der wichtigste ausländische Rohöllieferant der USA und lieferte durchschnittlich 3,9 Millionen Barrel pro Tag. Insgesamt hatte der Energiehandel zwischen beiden Ländern 2025 noch einen Wert von rund 137 Milliarden US-Dollar. Ein Zollkrieg in diesem Bereich könnte deshalb schnell auf amerikanische Raffinerien und Verbraucher zurückschlagen.
Eine neue Umfrage von Angus Reid vom Dienstag ergab, dass die Zustimmung zu Carneys Arbeit im Vergleich zu einer Umfrage vom August um 11 Prozentpunkte auf 62 Prozent gestiegen ist. Unterdessen befürworteten laut einer Umfrage von Reuters/Ipsos nur 20 Prozent der Amerikaner Trumps Zölle auf kanadische Waren.
Beide Regierungen wollen maximalen Druck erzeugen, ohne die eigene Wirtschaft zu stark zu beschädigen. Carney signalisiert, dass Kanada wirtschaftliche Schmerzen in Kauf nimmt, statt einen aus seiner Sicht schlechten Deal zu akzeptieren. Trump erhöht den Einsatz Schritt für Schritt. Der große Bruch ist noch nicht vollzogen, doch mit den angekündigten Importverboten ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

