Ölkurs relativ stabil, aber
Schock an der Zapfsäule: Benzinpreis außer Kontrolle
Der Benzinpreis geht durch die Decke, obwohl der Ölkurs relativ stabil bleibt. Warum ist das so?
- Benzinpreise steigen trotz ausreichender Ölexporte
- Tankerfrachtkosten haben sich versechsfacht
- Neue Handelsrouten umgehen Hormus und verteuern Transporte
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Der Benzinpreis geht durch die Decke. In Deutschland lag Anfang August der durchschnittliche Spritpreis noch bei 2,145 Euro je Liter E5. Der Tagesdurchschnitt von Dienstag zeigt den Anstieg deutlich: nunmehr muss für durchschnittlich 2,30 Euro je Liter E5 auf den Tisch gelegt werden. Der Grund: Nicht ein Mangel an Öl, sondern sein Transport auf Umwegen, hat das schwarze Gold noch teurer werden lassen.
Denn der Rohölpreis der Sorte Brent lag zu Beginn der Eskalation zwischen dem Iran und der USA teilweise bei bis zu 120 US-Dollar je Barrel.
Im Mai lag der Durchnittspreis für E5 je Liter noch bei 2,03 Euro. Warum sind die Benzinpreise jetzt nicht noch höher? Denn Brent hat derzeit "erst" die 100-Dollar-Marke in Angriff genommen.
Und ein weiterer Punkt verschäft die Frage: Rund 9 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und weitere 1 Million Barrel raffinierte Produkte wurden in den letzten Tagen aus dem Nahen Osten exportiert, laut Angaben von Reuters. Warum eskaliert die Preisspirale also weiter?
Die Antwort: Die Frachtraten der riesigen Öltanker (VLLC) haben sich in der Zeit des Konflikts versechfacht.
Die Reedereien lassen sich erhebliche Risikoaufschläge bezahlen. Per ship-to-ship-Transport floß zunächst noch Rohöl durch die Straße von Hormus: Tanker warteten vor der Meerenge, um von Schiffen, die passieren durften oder konnten, die Rohölmengen abzunehmen, beziehungsweise zu übertragen. Jetzt geht aber seit September kein Tropfen Rohöl mehr durch das Nadelöhr der Weltwirtschaft.
Neue Handelsrouten werden jetzt etabliert: Die Umstellung der gesamten Logistik kostet Geld und Zeit. Die Frachtkapazitäten werden dadurch nicht höher. Diese Umstellung wird gerade etabliert und voraussichtlich noch mindestens so lange in Betrieb sein, wie der Iran-Konflikt anhält.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion


