Wachstum und Netzengpässe
400 Terawattstunden bis 2035: Europas Strombedarf explodiert
Europas Rechenzentren verbrauchen bis 2035 viermal so viel Strom wie heute. HSBC sieht Netze und erneuerbare Energien als klare Gewinner des Booms, während Kohle, Gas und Atomkraft kaum profitieren dürften.
- Rechenzentren vervierfachen Europas Strombedarf
- Netze und Erneuerbare gelten als Gewinner
- Fehlende Netzkapazitäten bremsen den Ausbau
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Der Boom künstlicher Intelligenz sorgt in Europa für einen historischen Wendepunkt beim Stromverbrauch. Nach einer neuen Analyse der Bank HSBC wird sich der Strombedarf europäischer Rechenzentren innerhalb von zehn Jahren mehr als vervierfachen, von rund 90 Terawattstunden im laufenden Jahr auf über 400 Terawattstunden bis 2035.
Damit folgt der Kontinent dem Beispiel der USA, wo die Analysten für denselben Zeitraum sogar einen Anstieg von 200 auf 900 Terawattstunden erwarten.
Für die Gesamtnachfrage bedeutet das einen deutlichen Kurswechsel. Nach Jahren stagnierender oder gar rückläufiger Werte prognostiziert HSBC nun ein jährliches Wachstum von 1 bis 3 Prozent über die kommenden 25 Jahre, wobei rund ein Drittel des Zuwachses bis 2035 direkt auf Rechenzentren entfällt.
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Die Bank hat ihre bisherige Schätzung von 1 bis 2 Prozent nach oben korrigiert, nachdem der europäische Branchenverband EUDCA seine Kapazitätsprognosen für 2030 binnen eines Jahres um rund 20 Prozent angehoben hatte.
Getragen wird das Wachstum weiterhin von den etablierten Standorten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Irland. Gleichzeitig gewinnen neue Regionen an Bedeutung, etwa die nordischen Länder, Spanien, Italien und Polen.
Als größte Hürde für weiteres Wachstum nennen Branchenvertreter fehlende Netzkapazitäten, in einer Umfrage gaben 76 Prozent der Befragten Stromzugang als zentrale Herausforderung an.
Von der Entwicklung profitieren laut HSBC vor allem erneuerbare Energien und die Stromnetze, während Kohle, Gas und Kernkraft kaum betroffen sein dürften. Europa habe bereits in den vergangenen Jahren stark in grüne Infrastruktur investiert, sodass die Systeme auf zusätzliches Wachstum vorbereitet seien.
So sollen etwa die Investitionen in deutsche und britische Stromnetze bis 2030 auf das Drei- bis Vierfache des Niveaus von 2020 steigen. Auch der Ausbau von Batteriespeichern nimmt Fahrt auf, die Kapazität in Europa soll sich bis 2035 mehr als versiebenfachen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

