Die KI-Begeisterung lässt nach
Alphabet-Aktie mit Verkaufssignal! Wie schlimm wird's jetzt?
Die Anteile von KI-Wert Alphabet sind am Mittwoch unter eine wichtige Unterstützungslinie gefallen. Damit trübt sich der Ausblick charttechnisch weiter ein.
- Alphabet fällt unter 200-Tage-Linie und schwächelt
- Weitere Verluste bis 275 Dollar sind möglich
- KI-Investitionen belasten Cashflows und Bewertung
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Alphabet-Aktie lahmt trotz starker Geschäftsentwicklung
Der KI-Boom verlangt von Unternehmen gewaltige Investitionen und verschlingt Milliardensummen. Für Alphabet scheint er sich bislang aber auszuzahlen, denn der Konzern erreichte nach seinen zuletzt vorgelegten Quartalszahlen ein Umsatzwachstum von 24,2 Prozent und damit so viel wie seit der Corona-Pandemie nicht mehr.
Auch operativ läuft es hervorragend. Das EBITDA kletterte im zurückliegenden Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32,6 Prozent auf 48,2 Milliarden US-Dollar und damit auf einen neuen Unternehmensrekord. Dank Investitions- und Beteiligungsgewinnen lag der Nettoertrag sogar bei 112,2 Milliarden US-Dollar. Profitieren konnte die Aktie davon jedoch nicht.
200-Tage-Linie unterschritten – weitere Verluste drohen jetzt
Die befindet sich seit dem Erreichen neuer Kursrekorde Mitte Mai in einem Abwärtstrend. Zeitweise beliefen sich die Verluste auf mehr als 20 Prozent. Aus technischer Perspektive entspricht das einem Bärenmarkt. Mit einem Plus von 4,7 Prozent seit dem Jahreswechsel ist Alphabet gegenüber dem Technologieindex Nasdaq 100 (+16,5 Prozent) ein Underperformer.
Am Mittwoch ist Alphabet mit der 200-Tage-Linie unter eine wichtige charttechnische Unterstützung gerutscht. Das könnte jetzt weitere Verluste und ein Anwachsen der Underperformance nach sich ziehen, wie der Blick auf den Chart der Aktie zeigt.
Langfristig stimmt der Trend noch ...
Übergeordnet befindet sich Alphabet in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Ausgehen vom letzten Bärenmarkttief im Herbst 2022 konnten sich die Anteile in der Spitze mehr als vervierfachen. Das stimmt grundsätzlich mit der Geschäftsentwicklung überein. Gegenüber einem Gewinnergebnis von knapp 60 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2022 erzielte Alphabet in den zurückliegenden 12 Monaten einen Nettoertrag in Höhe von 244,2 Milliarden US-Dollar.
Besonders dynamisch entwickelte sich Alphabet zwischen April 2025 und vergangenem Mai. Hier legten die Anteile um fast 170 Prozent zu. Neben einer operativ starken Entwicklung profitierte die Aktie nicht zuletzt von der Aufmerksamkeit auch institutioneller Investoren wie der von Investorenlegende Warren Buffett gegründeten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.
... doch das könnte sich jetzt ändern
Für Kurse um 400 US-Dollar war Alphabet mit Blick auf die technischen Indikatoren RSI und MACD jedoch deutlich überkauft. Daher setzte eine Konsolidierung ein, die bis heute anhält. Wurde die 50-Tage-Linie bereits vor einigen Wochen nach unten durchbrochen, womit ein erstes Verkaufssignal entstanden war, fiel Alphabet am Mittwoch in einem schwachen Gesamtmarktumfeld auch unter die 200-Tage-Linie. Das war zuletzt Ende Juli der Fall.
Die Wahrscheinlichkeit weiterer Verluste und einer Konsolidierung unterhalb der 200-Tage-Linie ist jetzt allerdings deutlich größer als noch im Juli, denn sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD sind aktuell deutlich weniger überverkauft als das vor einigen Wochen der Fall war. Der Abwärtstrend könnte daher gerade erst begonnen haben, an Fahrt aufzunehmen.
Das jedenfalls legt der MACD nahe, der mit dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie durch die Aktie unter seine (rote) Signallinie gefallen ist, womit er jetzt einen sich beschleunigenden Abwärtstrend anzeigt. Dass die technischen Indikatoren die Talfahrt der Alphabet-Aktie in den vergangenen Monaten begleitet haben, spricht außerdem für einen nachhaltigen Trend. Bullishe Divergenzen, die eine Erholung vorankündigen könnten, sind unterdessen noch keine zu sehen.
Verluste von 25 Prozent oder mehr sind möglich
Daher ist ein Anhalten der jüngsten Verluste das gegenwärtig wahrscheinlichste Szenario. Der nächste Unterstützungsbereich ist zwischen 300 und 315 US-Dollar zu finden. Sollte auch dieser unterschritten werden, dürften die Ende März bei 275 US-Dollar erzielten Jahrestiefs angelaufen werden. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von knapp 20 Prozent.
Im Rahmen einer weiteren Eintrübung des Gesamtmarktumfeldes könnte die Alphabet-Aktie sogar auf der 250-Dollar-Marke aufsetzen. Die Abwärtsrisiken sind also substanziell, vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die erst spät auf den Zug aufgestiegen sind. Zur Oberseite müssen die Käuferinnen und Käufer möglichst rasch den Bereich um 350 US-Dollar zurückerobern, um Schlimmeres zu verhindern. Das wäre gleichbedeutend mit Anstiegen über die gleitenden Durchschnitte, was neue prozyklische Kaufsignale bedeuten würde. Danach sieht es technisch aktuell jedoch nicht aus.

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Fazit: Bewertung nur optisch günstig, Abwärtsrisiken ernst zu nehmen
Die Unternehmensbewertung ist angesichts eines für 2026 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 16,3 auf den ersten Blick günstig. Das entspricht gegenüber dem 5-Jahres-Mittel einem Abschlag von knapp 30 Prozent. Auch beim Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis liegt Alphabet mit 1,24 rund 10 Prozent unter der historischen Norm.
Allerdings haben sich die Cashflows und damit auch die Unternehmensbilanz angesichts der milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur erheblich eingetrübt. Das EV/EBTIDA-Verhältnis liegt mit 17,4 um rund 23 Prozent über dem historischen Durchschnitt, während beim Kurs-Cashflow-Verhältnis ein Aufschlag von 27 Prozent besteht.
Das zeigt in der Zusammenschau bestenfalls eine faire Bewertung an und bedeutet, dass die Aktie nicht nur technisch, sondern auch fundamental über weiteres Abwärtspotenzial verfügt, insbesondere wenn sich das Gesamtmarktumfeld weiter eintrüben und die Anleiherenditen weiter steigen sollten.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


