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    "Der Härtetest kommt im Herbst" Kryptowährungen

    Für Sie zusammengefasst
    • Bitcoin legt im August binnen Tagen 25 Prozent zu
    • ETP-Zuflüsse erreichen im August 6,1 Milliarden
    • Ab 2028 werden Krypto-Gewinne pauschal besteuert
    Deutsche Börse-News - Der Härtetest kommt im Herbst Kryptowährungen

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Mit einem rasanten Plus von über 25 Prozent innerhalb weniger Tage hat der Bitcoin im August viele überrascht. Die Zuflüsse in ETPs waren so hoch wie lange nicht. Seitdem entwickelt sich die Kryptowährung wieder etwas schwächer, aber auf höherem Niveau.

    11. September 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Damit hatte kaum jemand gerechnet: ein Bitcoin-Sprung um über 25 Prozent innerhalb kurzer Zeit. Nach einer langen Seitwärtsbewegung um 64.000 US-Dollar war die wichtigste Kryptowährung Mitte August auf in der Spitze über 80.000 US-Dollar gestiegen. Am Donnerstagmorgen sind es immer noch 78.000 US-Dollar.

    Die Gründe für den schnellen Kursanstieg: zum einen der erhoffte politische Rückenwind nach einem Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Vertretern der Kryptobranche am 19. August. Dazu kam die Ankündigung der US-Regierung, mehr Anleihen mit langer Laufzeit zurückzukaufen - interpretiert als Signal für niedrigere Zinsen. Zudem mussten sich viele, die an den Terminmärkten gegen den Bitcoin gewettet hatten, in der unerwarteten Aufwärtsbewegung schnell eindecken ("Short-Queeze"). Das verstärkte den Aufwärtstrend noch.

    Allerdings liegt der Bitcoin immer noch 38 Prozent unter dem Allzeithoch vom Oktober vergangenen Jahren. Auch andere Kryptowährungen wie Ethereum und Solana haben im August zugelegt, werden aber noch weit unter ihren Hochs gehandelt. "Allgemein ist das Umfeld für Risikoanlagen derzeit weniger günstig", kommentiert Dovile Silenskyte von WisdomTree. Sie verweist auf die erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die den Ölpreis steigen ließen. "Das verstärkt den Inflationsdruck weiter", stellt sie fest. Dazu kämen die hohen Renditen von Staatsanleihen. "Höhere Realrenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosen Anlagen."

    "Zuflüsse wie zuletzt im Oktober 2025"

    Mit Nettokapitalzuflüssen von weltweit 6,1 Milliarden US-Dollar erlebte der Markt für Krypto-ETNs und -ETFs im August den stärksten Monat seit Jahresbeginn, wie Stephen Coltman von 21shares berichtet. "Zuletzt wurden im Oktober 2025 vergleichbar hohe Volumina verzeichnet." Vor allem Bitcoin-Tracker seien gekauft worden (3,6 Milliarden US-Dollar), aber auch Produkte auf Ethereum, Solana, Ripple und Krypto-Körbe.

    Nach vielen ruhigen Monaten hat sich der Handel mit Krypto-ETNs durch den Kursanstieg belebt. Bei Lang & Schwarz waren Krypto-ETNs zwischenzeitlich wieder "extrem gefragt", und zwar über alle Währungen und Produkte hinweg, wie Janis Völker berichtete. Auch Ivo Orlemann von der ICF Bank meldete wieder mehr Interesse - allerdings auf niedrigem Niveau. Im Krypto-ETN-Handel an der Deutschen Börse dominieren weiter Bitcoin-Tracker, etwa von WisdomTree (GB00BJYDH287), iShares (XS2940466316), VanEck (DE000A28M8D0), Bitwise (DE000A27Z304) oder 21shares (CH1199067674).

    Neue Steuerregeln

    Die Pläne der Bundesregierung bezüglich einer veränderten Besteuerung von Krypto-Gewinnen werden offenbar konkreter, wie die "Welt" berichtet. Ab 2028 sollen Kursgewinne von Bitcoin & Co. wie Aktien besteuert werden, also pauschal mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Steuerfreiheit nach einem Jahr wäre damit Geschichte. Die Reform befindet sich der "Welt" zufolge in der sogenannten Frühkoordinierung innerhalb der Bundesregierung, ?"nderungen seien daher noch möglich. Die Besteuerung von Krypto-ETNs hängt derzeit von der Struktur ab: ETNs mit physischer Hinterlegung und Lieferoption werden wie Direktanlagen in Kryptowährungen behandelt, Krypto-ETNs ohne Hinterlegung und Lieferoption wie ETFs (und damit wie Aktien).

    Clarity Act: "Scheitern eingepreist"

    Für die Bitcoin-Entwicklung im September sind nach Einschätzung von Max Michielsen von 21shares drei Dinge wichtig: die Zinsentwicklung, die Entwicklung der Krypto-ETF-Flows und die US-Senatsabstimmung über den mehr Regulierung versprechenden Clarity Act am 15. September. "Da die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des Clarity Acts in diesem Jahr der Prognose-Plattform Polymarket zufolge bei etwa 20 Prozent liegt, ist ein Scheitern weitgehend eingepreist", erklärt Michielsen. "Eine Verabschiedung wäre eine positive Überraschung."

    "Der Härtetest für Krypto kommt im Herbst", meint Jacob Lindberg von Valour. "Entscheidend ist, ob die jüngste Erholung von einer nachhaltigen Nachfrage getragen wird oder ob sie im Wesentlichen das Ergebnis eines Short-Squeeze und einer vorübergehenden Entspannung an den Anleihemärkten war", bemerkt er. Die größte Gefahr liege weiterhin bei den langfristigen US-Zinsen. Sollten diese wieder deutlich steigen, werde das den jüngsten Rückenwind schnell abschwächen. Von der Senatsabstimmung über den Clarity Act Mitte September erwartet er mehr Aufmerksamkeit als tatsächliche Kursbewegungen. "Regulierung schafft zunächst einen Rahmen, sie erzeugt noch keine Nachfrage."

    Hineinwachsen in neue Rolle

    André Dragosch von Bitwise weist auf die deutlich gefallene Korrelation zwischen Bitcoin und US-Aktien, konkret den S&P 500. Die 260-Tage-Korrelation liege inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit 2015. "Das spricht dafür, dass Bitcoin derzeit nicht mehr nur als verlängerter Technologie- oder Risiko-Trade gehandelt wird, sondern sich wieder zunehmend eigenständig entwickelt", erklärt er. Die 90-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und Gold sei unterdessen auf den höchsten Stand seit 2020 gestiegen. "Damit verhält sich Bitcoin in Phasen erhöhter geldpolitischer und fiskalischer Unsicherheit zunehmend wie ein knappes, nicht-staatliches Wertaufbewahrungsmittel." Kurzfristig bleibe der Bitcoin volatil und anfällig für Rücksetzer. "Mittelfristig sprechen jedoch anhaltende ETP-Zuflüsse, die geringere Bindung an Aktienmärkte und die zunehmende Nähe zu Gold dafür, dass Bitcoin weiter in die Rolle eines globalen Makro-Assets hineinwächst."

    Von Anna-Maria Borse, 11. September 2026, Deutsche Börse AG

    (Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)







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