Energie
Gaspreise explodieren: Wie will Deutschland seine Speicher füllen?
Deutschlands Gasspeicher sind auf einem historischen Tiefstand. Die Speicher müssen jetzt gefüllt werden, aber zu welchem Preis?
- Deutschlands Gasspeicher auf historischem Tiefstand
- Gaspreise steigen binnen eines Jahres um 160 Prozent
- LNG-Einkäufe werden durch globale Konkurrenz teurer
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Die Gasspeicher sind in Deutschland nur zu 53 Prozent gefüllt – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren – und dem Land drohen im Falle eines sehr kalten Winters Versorgungsengpässe, wie der deutsche Gasspeicherverband INES am Dienstag mitteilte.
Dazu kommt: Die Gaspreise explodieren. Der europäische Referenzgaskontrakt für Lieferungen im nächsten Monat an der niederländischen Title Transfer Facility (TTF) notiert auf dem höchsten Stand seit Januar 2023.
Am Freitag liegt der Front-Month-TTF-Kontrakt bei rund 80 bis 81 Euro je Megawattstunde. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei rund 31,45 €/MWh. Das entspricht einer Steigerung von gut 160 Prozent auf Jahressicht.
Der norwegische Energieproduzent Equinor meint zwar, dass Deutschland seine Gasspeicher noch rechtzeitig füllen kann. Das werde aber eine teure Angelegenheit. Denn an eine Entspannung der Gaspreise denkt angesichts der geopolitischen Gemengelage derzeit niemand. Derzeit fließt durch die Straße von Hormus nicht nur kein Erdöl mehr, sondern es passiert auch kein LNG-Flüssiggas das Nadelöhr der Weltwirtschaft.
Deutschland wird auch von Norwegen über Pipelines beliefert. Der deutsche Gasmix sieht so aus: 44 Prozent stammen aus norwegischen Pipelines, danach folgen die Niederlande mit 24 und Belgien mit 21 Prozent. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass 2025 106 TWh über deutsche LNG-Terminals importiert wurden, das sind 10,3 Prozent der gesamten Gasimporte. Für diese 10 Prozent kommen die USA auf.
Zwar bieten langfristige Verträge mit den Partnerländern einen gewissen Schutz vor den Preisschwankungen am Gasmarkt. Aber: LNG ist besonders preissensibel. Wer jetzt zusätzlich LNG für Deutschland oder Europa einkaufen muss, konkurriert mit anderen Abnehmern, insbesondere in Asien, um verfügbare Tanker und das treibt den Preis.
Oder wie Irene Rummelhoff, Leiterin Marketing, Midstream und Verarbeitung bei Equinor, auf der Deutsch-Norwegischen Energiekonferenz in Oslo am Dienstag zur Gasbeschaffung Deutschlands meinte: "Die Versorgung dürfte gesichert sein – die Preise sind allerdings eine andere Frage."
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion
Erdgas wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,14 % und einem Kurs von 2,800USD auf Ariva Indikation (11. September 2026, 13:28 Uhr) gehandelt.

