Inflation marschiert
Der Ölpreis treibt die Staatsanleihen vor sich her – Stagflation in Sicht?
Am Freitag geraten global die Staatsanleihen aufgrund des Ölpreises unter Druck. Wächst damit die Gefahr einer Stagflation?
- Staatsanleiherenditen steigen weltweit deutlich an
- Ölpreise nahe 100 Dollar schüren Stagflationssorgen
- Schulden und Nahostrisiken belasten die Staaten
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Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen, die als Benchmark für die Eurozone und traditioneller sicherer Hafen gelten, überschritt nach Daten von LSEG erstmals seit April 2011 die Marke von 3,5 Prozent.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die für Kreditkarten- und Hypothekenzinsen von großer Bedeutung ist, legte leicht zu, nachdem sie am Donnerstag erstmals seit drei Jahren die Marke von 4,9 Prozent überschritten hatte.
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen stieg am Freitag um sechs Basispunkte, blieb damit aber knapp unter dem 1996 erreichten Höchststand, den sie in der vergangenen Woche erreicht hatte. Auch in der gesamten Asien-Pazifik-Region zogen die Renditen überwiegend an: In Australien stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um zwölf Basispunkte, in Südkorea um acht Basispunkte.
Die Ölpreise gaben am Freitag nach, blieben aber nahe der Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Anleger sind angesichts der wachsenden Schuldenlasten und Ausgabenpläne weltweit nervös. Analysten der Deutschen Bank erklärten, "Befürchtungen einer Stagflation", also eines schwachen Wirtschaftswachstums bei gleichzeitig hoher Inflation.
Die Deutsche Bank verwies auf eine ganze Reihe von Risiken, darunter anhaltende Behinderungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Roten Meer, eine geringere Ölförderung Saudi-Arabiens sowie die falkenhaften Äußerungen der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem diese am Donnerstag die Zinsen angehoben hatte.
Indes treibt der Ölpreis die Inflation weiter an, Staaten treibt dieses Szenario Sorgenfalten auf die Stirn: Wie können die Staatsschulden finanziert werden? Zudem konkurieren attraktive Unternehmensanleihen mit staatlichen Bonds, um den KI-Boom zu finanzieren. Mittelfristig gibt es hier zunächst keinen Ausweg, da die Krise im Nahen Osten anhält.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion


