Massive Verwerfungen drohen
Silberpreis-Prognose: Kippt Silber? Anleger befürchten Fed-Hammer am Mittwoch
Am Mittwoch steht die Silberpreisrallye vor ihrer ultimativen Belastungsprobe. Gelingt Silber 2026 noch das Comeback - oder zieht die Fed dem Edelmetall den Stecker?
- Silber bleibt langfristig industriell stark gefragt
- Fed-Termin erhöht die Risiken für Silber deutlich
- Über 70 US-Dollar wäre ein starkes Kaufsignal
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Aktuelle Silberpreisentwicklung vs. langfristiges Potenzial
Grundsätzlich muss man insbesondere bei Silber zwischen dem kurzfristigen und langfristigen Potenzial unterscheiden. Aufgrund seiner physikalischen und chemischen Eigenschaften findet Silber in zahlreichen Zukunftstechnologien Anwendung. Von Solarenergie bis zu Rechenzentren – kaum eine Technologie kommt hier ohne nennenswerte Mengen Silber aus. Es ist daher damit zu rechnen, dass die industrielle Silbernachfrage in den nächsten Jahren kräftig steigen wird. Dieser Nachfrageanstieg würde auf einen angespannten Silbermarkt treffen, denn das Edelmetall befindet sich bereits jetzt in einem langwierigen Defizit. Auf mittlere und lange Sicht sollten dreistellige Silberpreise daher nicht überraschen.
Kurzfristig bietet sich hingegen ein etwas anderes Bild. Hohe Anleiherenditen und ein starker US-Dollar – die beiden Geißeln der Edelmetalle – belasten Silber massiv. Und sowohl Anleiherenditen als auch der US-Dollar rücken am Mittwoch in den Fokus.
Silber: Anleger befürchten Fed-Hammer am Mittwoch
Am 15. und 16. September tagt das FOMC der US-Notenbank und berät über die Geldpolitik. Die Anspannung an den Finanzmärkten ist immens. Neben Silber fürchtet vor allem Gold die Auswirkungen des Termins. Eine Zinsanhebung der Fed um 25 Basispunkte ist mittlerweile eingepreist. Spätestens die aktuellen US-Verbraucherpreisdaten vom Freitag machen einen Zinsschritt „eigentlich“ unausweichlich. Allerdings gibt es da noch vor dem Hintergrund der anstehenden Kongresswahlen in den USA die politische Komponente, die womöglich die Währungshüter zögern lässt. Insgesamt gilt jedoch: Alles andere als eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte wäre eine faustdicke Überraschung und könnte zu heftigen Verwerfungen führen.
Verwerfungen könnten auch durch die Projektionen drohen. Im September werden turnusmäßig die Projektionen der US-Notenbank zu Wirtschaftsleistung, Arbeitsmarkt, Inflation und Zinsen veröffentlicht. Welche (gravierenden) Veränderungen gibt es im Vergleich zu den Juni-Projektionen? Dabei stehen insbesondere die Zinserwartungen im Fokus. Zur Erinnerung: In den Juni-Projektionen ging die US-Notenbank für Ende 2026 von einem Leitzins-Median von 3,8 Prozent sowie von einer Kerninflationsrate von 3,3 Prozent aus.
Die zentrale Frage lautet: Öffnet die Fed die Tür für einen weiteren Zinsschritt in 2026? Damit verbunden ist die Frage: Wie bewerten die Währungshüter die Lage im Nahen Osten? Der Konflikt erweist sich als überaus hartnäckig. Eine Entspannung ist weit und breit nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Die Lage scheint weiter zu eskalieren und mit ihr die Ölpreise. Brent-Öl notiert deutlich über 100 US-Dollar. Ein weiterer Preisanstieg in Richtung 120 US-Dollar ist nicht ausgeschlossen. WTI-Öl nimmt die 100 US-Dollar-Marke ins Visier.
Fazit – Kippt der Silberpreis jetzt?
Silber steht an einem Wendepunkt. Aus charttechnischer Sicht bewegt sich der Preis noch zwischen den wichtigen Bereichen 60 US-Dollar und 70 US-Dollar. Der Fed-Termin könnte eine Bewegung auslösen, die den Silberpreis über eine dieser Begrenzungen führt. Das größte Risiko geht dabei nicht von der bereits eingepreisten wahrscheinlichen Leitzinsanhebung aus. Die größten Risiken lauern in den Projektionen. Sollten allerdings böse Überraschungen ausbleiben, könnte das auf den Silberpreis überaus befreiend wirken.
Kurzum. Eine weitreichende Weichenstellung steht bevor. Ungeachtet der langfristig nach wie vor exzellenten Perspektiven für Silber könnte es kurzfristige Turbulenzen und Verwerfungen geben. Sollte Silber unter die 60 US-Dollar abtauchen, muss mit weiteren Abgaben auf 54,5 US-Dollar gerechnet werden. Ein Rücksetzer unter die 50 US-Dollar würde eine Neubewertung notwendig machen. Ein Ausbruch über die 70 US-Dollar würde hingegen ein starkes Kaufsignal mit Ziel 80 / 83 US-Dollar auslösen.
Unsere letzte Silber-Kommentierung beendeten wir an dieser Stelle mit „[…] Man sollte Silber trotz aller Belastungsfaktoren keineswegs abschreiben. Solange das Edelmetall oberhalb von 54 US-Dollar notiert, ist das bullische Szenario per se intakt. Ein Ausbruch über das zuletzt hart umkämpfte Widerstandsniveau von 70 US-Dollar könnte das entscheidende Rallyesignal auslösen. Und dieses Signal könnte sich womöglich schneller einstellen, als dem einen oder anderen lieb sein dürfte. […]“. Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.
Die aktuelle Kursentwicklung der Silberproduzenten spricht unverändert dafür, dass die Rallye intakt ist. Hecla Mining, Pan American Silver oder auch Fresnillo präsentieren sich trotz jüngster Turbulenzen beim Silberpreis robust.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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