Zwischen Hoffnung und Zweifel
Stillstand bei Lang & Schwarz: Im Forum wächst der Streit über die Bewertung
Bei Lang & Schwarz herrscht derzeit Stillstand – zumindest beim Kurs. Im Forum wird dagegen intensiv darüber gestritten, ob günstige Bewertung relativ zu Eigenmitteln und Gewinnschätzungen oder möglicher Margen- und Orderrückgang durch Broker-Insourcing stärker wiegt.
Die Aktie von Lang & Schwarz stand in dieser Woche im Fokus der Anlegerdiskussionen. Trotz einer nur moderaten Wochenperformance von plus 0,6 Prozent zwischen 16,50 und 17,40 Euro wurde das Papier im Forum intensiv diskutiert. Auslöser waren vor allem strategische Fragen zum zukünftigen Geschäftsmodell im Umfeld stark wachsender Neobroker wie Trade Republic sowie Überlegungen zur Bewertung der Aktie vor dem Hintergrund eines niedrigen KGV von 4,33 und einer Marktkapitalisierung von rund 158 Millionen Euro.
Zukunft des Geschäftsmodells unter Margendruck
Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell von Lang & Schwarz gegenüber dem strukturellen Wandel im Retail-Börsenhandel ist. Mehrere Beiträge sehen eine zunehmende Machtverschiebung hin zu großen Brokern, die ihre Wertschöpfungstiefe ausbauen und Schritte in Richtung Vollbank und eigenes Produktangebot gehen. Als Beispiel wird wiederholt Trade Republic genannt, dem perspektivisch 15 bis 20 Millionen Kunden in den kommenden Jahren zugetraut werden. Die Sorge eines Teils der Community: Wer den Endkunden kontrolliert, bestimmt künftig stärker, wohin Ordervolumen und Margen fließen.
In diesem Zusammenhang wird die Gefahr eines Preiskampfes hervorgehoben. Einige Nutzer erwarten, dass Trade Republic nicht nur beim Aktien- und ETF-Handel, sondern irgendwann auch im Derivategeschäft mit eigenen Produkten antritt, um die komplette Marge selbst zu vereinnahmen. Das würde bislang partnerschaftlich geteilte Erträge zwischen Brokern und Emittenten unter Druck setzen und könne mittelbar auch die Handelsaktivitäten von Lang & Schwarz betreffen. Diese Einschätzung wird ausdrücklich als Erwartung und Szenario der Community diskutiert, nicht als bereits eingetretene Tatsache.
Dem gegenüber steht eine deutlich skeptischere Fraktion. Sie argumentiert, dass der Derivatemarkt komplexer sei als der einfache Aktienhandel und Retailkunden die Preis- und Strukturdifferenzen zwischen verschiedenen Derivaten kaum sauber vergleichen könnten. Aus dieser Sicht ist die Preissensitivität begrenzt, die Margen im Derivategeschäft gelten daher als robuster. Zudem wird betont, dass Lang-&-Schwarz-Derivate derzeit gar nicht über Trade Republic laufen, sodass der direkte Einfluss eines möglichen Produktangebots des Neobrokers auf L&S vorerst begrenzt sei. Auch der Umstand, dass Emittenten flexibel zwischen Ausführungsplätzen wechseln können, wird angeführt, um vorschnelle Schlussfolgerungen zu relativieren.
Bewertung, Ertragskraft und Eigenmittel im Fokus
Parallel zur Strategiedebatte beschäftigt sich ein Teil der Community intensiv mit der Bewertung der Aktie. Mehrfach wird darauf verwiesen, dass der Kurs auf oder unter dem Niveau der geschätzten Eigenmittel je Aktie notiere. In Rückblicken auf frühere Phasen, in denen der Xetra-Schlusskurs unterhalb der Eigenmittel lag, wird herausgearbeitet, dass solche Unterbewertungen in der Vergangenheit innerhalb von etwa zwei Jahren wieder abgebaut wurden. Diese historische Beobachtung dient einigen Anlegern als Argument, die aktuelle Bewertung als Chance zu interpretieren. Es handelt sich dabei um persönliche Auswertungen und Rückschlüsse der Forennutzer.
Auf Basis eigener Modellrechnungen kommen einige Teilnehmer zu erwarteten Ergebnissen je Aktie von grob 0,45 bis knapp 0,50 Euro für die kommenden Quartale. Verknüpft mit der bereits bekannten günstigen Gewinnbewertung über das Vorjahres-KGV von 4,33 entsteht in Teilen des Forums das Bild eines Unternehmens, dessen Geschäftsmodell vom Markt derzeit deutlich pessimistischer bepreist wird, als es die aktuellen Ertragsbeiträge aus Handelstätigkeit und Skontoführung rechtfertigen würden. Andere mahnen zur Vorsicht und verweisen darauf, dass diese Prognosen stark von Annahmen zur Handelsaktivität abhängen und nicht als gesicherte Gewinnschätzungen gelten können.
Geschäftsentwicklung, Marktplätze und Ausblick
Positiv aufgenommen wird die Meldung, dass Lang & Schwarz an der Wiener Börse als Liquiditätsanbieter für den erweiterten Handel im global market auftritt. In der Community wird dieser Schritt als Beleg gewertet, dass das Unternehmen seine Rolle als Market Maker auch außerhalb des Heimatmarkts stabilisieren und tendenziell ausbauen kann. In einem Beitrag werden Handelsvolumina von LS-X, OTC, Wien und der Frankfurter Wertpapierbörse verglichen. Die dort präsentierten Auswertungen deuten laut Autor auf eine Verschiebung der relativen Bedeutung der einzelnen Handelsplätze hin, wobei Lang & Schwarz in der Summe aus LS-X, OTC und Wien weiterhin ein höheres Volumen in ausgewählten Aktien umgesetzt haben soll als die Frankfurter Börse. Diese Zahlen sind allerdings Teil einer individuellen Analyse und nicht offiziell bestätigt.
Technisch bleibt der Blick auf die Kursmarken der laufenden Woche gerichtet. Das Wochenhoch bei 17,40 Euro fungiert kurzfristig als Widerstand, während das Wochentief bei 16,50 Euro eine erste Unterstützung darstellt. Das Handelsvolumen entsprach zuletzt in etwa dem Wochendurchschnitt, was eher für eine abwartende Marktphase spricht. Für die kommende Woche stehen keine bekannten unternehmensspezifischen Termine an, dennoch könnten neue Informationen zum weiteren Vorgehen großer Broker im Handel mit Aktien und Derivaten die Diskussion um Margen, Orderflüsse und die Rolle von Lang & Schwarz neu beleben. Aus Sicht der Forenkommentatoren bleiben insbesondere die Entwicklung des Ordervolumens an LS-X, mögliche weitere Marktplatzkooperationen sowie ein stabiler Verbleib über der Unterstützung bei 16,50 Euro im Fokus.
Lang & Schwarz Kursdaten und Kennzahlen
| Wochenperformance | +0,6 % |
| Wochenhoch / Wochentief | 17,40€ / 16,50€ |
| KGV (Vorjahr) | 4,33 |
| Marktkapitalisierung | 158,09 Mio.EUR |
Stand: 13.09.2026, 16:00 Uhr
Ausblick auf die kommende Börsenwoche
Charttechnisch bilden das Wochenhoch bei 17,40€ und das Wochentief bei 16,50€ die zunächst wichtigsten Marken.

