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    Preissetzungsmacht hebelt Energiepreise und Inflation aus

    Die neue Gewalt im Iran-Konflikt und ein Ölpreis von über 100 US-Dollar lassen die Kurse an den Börsen dies und jenseits des Atlantiks nachgeben. Doch ist alles nur halb so schlimm?

    Für Sie zusammengefasst
    • Hormus-Schließung belastet vor allem die Golfregion
    • Hohe Energiepreise treiben die Inflation weiter
    • Qualitätsaktien mit Preissetzungsmacht im Fokus

    Studie zeigt: Schließung der Straße von Hormus trifft vor allem die Golfregion

    Zumindest für die Unternehmen scheint der Öl-Schock verkraftbar. Selbst eine dauerhafte Schließung der Schiffspassage durch das Rote Meer oder der Straße von Hormus dürfte die Weltwirtschaft nur begrenzt belasten – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Banque de France, die die Folgen gestörter Schifffahrtsrouten modelliert. Die Autoren zeigen, dass komplette Schließungen an maritimen Nadelöhren ohne praktikable Ausweichrouten – wie der Straße von Hormus – deutlich größere wirtschaftliche Schäden für die Golfregion verursachen als an Routen mit Alternativen wie dem Suezkanal. Im Fall einer dauerhaften kompletten Schließung der Straße von Hormus würde das reale Einkommen in Katar um 3,9 Prozent und in Kuwait um 2,7 Prozent sinken. Die Analyse berücksichtigt jedoch ausschließlich den Seeverkehr. Können Öl- und Gasexporte über Pipelines, Züge oder Lastwagen umgeleitet werden, dürften die tatsächlichen wirtschaftlichen Kosten für die Golfregion geringer ausfallen als von der Studie geschätzt.

    USA: Warten auf die nächste Fed-Sitzung

    Für die USA gilt dagegen: Der hohe Ölpreis belastet die US-Wirtschaft spürbar. Teures Benzin, sowie Diesel, Transport und Produktion treiben die Inflation. Verbraucher haben weniger Kaufkraft, Unternehmen höhere Kosten. Gleichzeitig profitieren US-Ölproduzenten von den hohen Preisen. Entscheidend ist, wie lange das Preisniveau anhält: Ein längerfristiger Schock könnte Wachstum bremsen und die Zinsen länger hochhalten. Mal schauen, wie die US-Notenbank in dieser Woche darauf reagiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen in dieser Woche anhebt, liegt bei über 60 Prozent.

    Gaspreise seit Juni fast verdoppelt

    Und wie steht es um den hohen Gaspreis? Die europäischen Gaspreise sind seit Ende Juni um mehr als 90 Prozent gestiegen. Treiber des Anstiegs sind vor allem der anhaltende Konflikt im Persischen Golf, die zunehmende Konkurrenz um Flüssiggaslieferungen und die niedrigen Füllstände europäischer Gasspeicher. Für den breiten europäischen Aktienmarkt erscheinen die Auswirkungen jedoch überschaubar: Energiekosten entsprechen bei STOXX-600-Unternehmen im Durchschnitt nur rund einem Prozent der Umsätze. Energieunternehmen und Teile des Versorgersektors profitieren sogar von höheren Gaspreisen. Gegen ein breites Gewinnrisiko spricht zudem, dass Analysten im vergangenen Monat ihre Gewinnerwartungen für neun der elf STOXX-600-Sektoren angehoben haben. Ob steigende Gaspreise den positiven Gewinntrend bremsen können, wird sich allerdings erst mit den Unternehmensberichten zum dritten Quartal Ende Oktober genauer beurteilen lassen.

    Inflationsbekämpfung hat für EZB höchste Priorität

     Nichtsdestotrotz: Die hohen Energiepreise treiben die Inflation in Euroland. Zuletzt lag die Rate bei 3,3 Prozent. Entsprechend hat die Europäische Zentralbank die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent erhöht. Für die Märkte kam der Schritt nicht überraschend. Investoren hatten die Erhöhung vollständig eingepreist. Die Bekämpfung der Inflation hat für die EZB nun mal oberste Priorität. Denn zugleich hob sie ihre Inflationsprognosen für 2027 und 2028 leicht an und erwartet für 2026 und 2027 ein höheres Wirtschaftswachstum als noch im Juni. Da die Inflation laut den Währungshütern voraussichtlich länger deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent bleiben wird, rechnen die Terminmärkte bis Juni 2027 mit drei weiteren Zinsschritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte. 

    Qualitätsaktien mit Preissetzungsmacht im Fokus

    So kam die Zinserhöhung für uns auch wenig überraschend. Wir haben unsere Mandate wie den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und den Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value entsprechend darauf ausgerichtet. So bleiben wir im Verhältnis zu US-Aktien in Europa übergewichtet, und zwar in Unternehmen, die einen Burggraben um ihr Geschäftsmodell aufgebaut haben und damit über Preissetzungsmacht verfügen. So können Inflation und Energieschocks besser aufgefangen werden. Etwa bei Finanzwerten wie der Allianz, der Münchner Rück oder der Deutschen Börse. Im Fokus stehen dabei Qualitätsaktien. Bei denen stehen solide Gewinne, verlässliche freie Cashflows, eine starke Bilanz, die oben genannten Wettbewerbsvorteile sowie eine Bewertung unterhalb des langfristig gerechtfertigten Unternehmenswerts im Vordergrund. Aktien, die dem momentanen Marktumfeld trotzen können.

     


    Frank Fischer
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    Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG und in dieser Funktion verantwortlich für den „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“, schreibt regelmäßig über die internationalen Aktienmärkte. Als überzeugter Value-Investor hat Fischer langjährige Expertise in allen Fragen rund um Fonds, Börse, aber auch das Stiftungswesen. In seinen regelmäßigen Marktkommentaren legt er besonderes Augenmerk auf Behavioral Finance, sowie Investments in Small- und Midcap-Werte.
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    Verfasst von Frank Fischer
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