Earnings Preview
Ölpreis- und Zinsschock! Wer kann sich der Abwärtsspirale jetzt entziehen?
Diese in den kommenden Tagen (KW38) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Montag, 14. September: High Tide
Halbleiter, KI-Infrastruktur, Quantencomputer und Drohnen- sowie andere moderne Verteidigungstechnologie – an investierbaren Börsenhypes herrscht aktuell kein Mangel. Dadurch geraten andere, in der Vergangenheit immer wieder beliebte Branchen in den Hintergrund, wozu beispielsweise die Cannabis-Branche gehört. Dass eine Entscheidung der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA zur Herabstufung der Gefahrenstufe von Cannabis noch immer aussteht, hilft außerdem nicht dabei, der Branche wieder zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.
Trotzdem tut sich innerhalb der Branche inzwischen etwas, worauf Investoren viele Jahre lang warten mussten. Immer mehr Unternehmen werden nach einer radikalen Schrumpfkur zunehmend profitabel. Während einige Bilanzen bereits das Vorzeichen wechseln konnten, stehen einige unmittelbar davor.
Dazu gehört beispielsweise auch der kanadische Cannabis-Einzelhändler High Tide, der inzwischen zweimal eine schwarze Null präsentieren konnte und der spätestens im kommenden Jahr vor dem ersten, nennenswerten Jahresgewinn stehen könnte. Gegenwärtig erwarteten Analystinnen und Analysten für 2027 einen bereinigten Gewinn von 0,16 US-Dollar je Aktie, was ein KGVe 2027 von 16,0 bedeuten und endlich eine belastbare Unternehmensbewertung bedeuten würde. Dementsprechend hat sich die Kursentwicklung in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich von Canopy Growth und Tilray Brands abgekoppelt.
Damit das so bleibt, muss High Tide aber weitere operative Fortschritte demonstrieren. Für das abgelaufene Quartal werden Erlöse in Höhe von 140,0 Millionen US-Dollar erwartet, was ein Anstieg von 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wäre. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich auf 0,02 US-Dollar belaufen nach 0,01 US-Dollar vor 12 Monaten.
Am Optionsmarkt sind Händlerinnen und Händler zuversichtlich, dass es für die Aktie nach der Zahlenvorlage aufwärts gehen wird. 74,2 Prozent der am kommenden Freitag auslaufenden Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite, ihnen steht ein Put-Anteil von 25,8 Prozent gegenüber. Eingepreist ist eine Kursreaktion von bis zu 8,6 Prozent.
Dienstag, 15. September: Trip.com
Während angesichts sparsamer Verbraucherinnen und Verbraucher immer mehr Einzelhändler in Schieflage geraten, vor allem für Sportartikelhersteller laufen die Geschäfte gegenwärtig schlecht, zeigte sich bei Reiseveranstaltern und Buchungsportalen bis zuletzt keine Eintrübung. Doch der Krieg im Nahen Osten sowie die explodierenden Energiepreise belasten die Branche inzwischen doch.
Einerseits sind vor allem für Airlines und die Anbieter von Kreuzfahrten die Treibstoffkosten stark gestiegen, gleichzeitig hat die Nachfrage nach Reisen einerseits in die Golf-Region und andererseits angesichts noch klammerer Privathaushalte auch insgesamt nachgelassen. Die Aktienkursentwicklung von Tui, Carnival oder auch Booking spiegelt das längst wider.
Mit Trip.com wird nun das nach Marktanteilen viertgrößte Reisebuchungsportal der Welt seine Zahlen vorstellen. Auf dem chinesischen Heimatmarkt besitzt das Unternehmen sogar über einen Marktanteil von über 50 Prozent, womit die Zahlen gleichzeitig zum Stimmungsbarometer auch unter chinesischen Verbraucherinnen und Verbrauchern wird. Deren Konsumzurückhaltung macht gegenwärtig vielen westlichen Unternehmen, wie Puma und LVMH, zu schaffen.
Nichtsdestotrotz wird erwartet, dass sich Trip.com gegenüber dem Vorjahresquartal steigern konnte. Nach 2,07 Milliarden US-Dollar in Q2 2025 werden nun 2,32 Milliarden US-Dollar (-12,1 Prozent) erwartet. Allerdings dürfte der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) von 1,01 auf 0,85 US-Dollar (-15,8 Prozent) gesunken sein. Demgegenüber haben die Anteile allerdings fast die Hälfte an Wert verloren, wodurch die Aktie mit einem KGVe 2026 von 10,7 und einer zweistelligen Cashflow-Rendite inzwischen sehr günstig ist. Schon geringfügig übertroffene Gewinnerwartungen könnten daher für eine Erleichterungsrallye sorgen.
Für eine solche haben sich Anlegerinnen und Anleger mit knapper Mehrheit in Stellung gebracht. Während auf der Put-Seite 45 Prozent der offenen Kontrakte liegen, sind es auf der Call-Seite 55 Prozent. Im vergangenen Quartal hatten die Optimisten das Glück nicht an ihrer Seite, denn die Aktie war um 12,6 Prozent eingebrochen. Dieses Mal wird eine Kursreaktion von ± 6,7 Prozent erwartet.
Nur im September: Depot eröffnen, 5 Trades ausführen, Depot übertragen – oder beides kombinieren. Jetzt teilnehmen
Mittwoch, 16. September: Lennar
Explodierende Energiekosten und im Kampf gegen anhaltend hohe Inflationsraten nachlässige Notenbanken haben die Anleiherenditen in den vergangenen Wochen und Monaten weltweit deutlich steigen lassen. Dadurch sind die Hypothekenzinsen in den USA auf mehr als 7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007, also dem Beginn der großen Finanzkrise, gestiegen.
Für die US-Immobilienwirtschaft ist das eine denkbar ungünstige Entwicklung, denn immer weniger US-Amerikanerinnen und -Amerikaner können sich dadurch eine Baufinanzierung oder überhaupt ein Eigenheim leisten. Die Zahl der Hausverkäufe entwickelt sich schon seit 3 Jahren schwach, die in der vergangenen Woche für August vorgelegten Zahlen zeigten mit unter 4 Millionen Einheiten einen der schwächsten Werte der vergangenen Jahre an. Die Branche befindet sich in der Krise.
Für die Anteile von Lennar, einem der größten US-Immobilienentwickler, schlägt sich die Krise in Kursverlusten von 43,2 Prozent in den vergangenen 12 Monaten nieder. Das reflektiert den im zuvor abgelaufenen Quartal um rund ein Drittel eingebrochenen operativen Gewinn. Trotz der hohen Kursverluste ist die Aktie nicht günstig. Mit einem KGVe 2026 von 14,5 notiert sie um knapp 38 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel. Auch bei anderen Bewertungskennziffern bestehen hohe Aufschläge. Das zeigt, dass das Abwärtspotenzial im Fall einer weiteren Eintrübung der Geschäftslage trotz der bereits erlittenen Verluste hoch ist.
Nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten dürften die Erlöse bereits zum siebten Mal in Folge gesunken sein. Gerechnet wird mit 8,37 Milliarden US-Dollar nach 8,81 Milliarden US-Dollar (-5,0 Prozent) im Vorjahreszeitraum. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie wird mit einem Rückgang von 2,00 auf 1,30 US-Dollar und damit um 35 Prozent gerechnet.
Am Optionsmarkt setzen Anlegerinnen und Anleger mehrheitlich auf eine Erholung der Anteile, die Call-Quote liegt bei 55,6 Prozent. Die implizite Kursreaktion ist mit 6,5 Prozent jedoch überdurchschnittlich, das zeigt eine hohe Unsicherheit bezüglich der Zahlen an.
Donnerstag, 17. September: Carnival
Wie die Zahlen von Trip.com werden auch die von Kreuzfahrtanbieter Carnival ein Test für die Stimmung von Verbraucherinnen und Verbrauchern einerseits und der Tourismusbranche andererseits. Kreuzfahrtanbieter sind von den hohen Öl- und Treibstoffpreisen besonders stark betroffen, weil sie einen großen Teil der operativen Kosten verursachen und die Profitabilität entweder verbessern oder deutlich verringern können. Genau das ist aktuell der Fall.
Gleichzeitig kämpft Carnival noch immer mit den finanziellen Folgen der Corona-Pandemie. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2019 explodierten die Schulden des Unternehmens innerhalb von drei Jahren auf fast 36 Milliarden US-Dollar. Zwar konnten rund 10 Milliarden US-Dollar dieser Schulden bereits zurückgezahlt werden, doch noch immer ist Carnival einer der am stärksten verschuldeten Reiseveranstalter. Zusätzlicher Gegenwind für den Betriebsgewinn kommt daher auch von den steigenden Anleiherenditen. Die Aktienkursentwicklung spiegelt das mit Minus30 Prozent gegenüber dem Stand vor einem Jahr wider. Erst in der vergangenen Woche ist Carnival auf das tiefste Niveau seit Juli 2025 gefallen. Solche Tiefs bedeuten in der technischen Analyse Verkaufssignale.
Da sich die Geschäfte zumindest zuletzt noch zufriedenstellend entwickelt hatten, ist die Unternehmensbewertung mit einem KGVe 2026 von 10,2 und einem Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0,87 jedoch günstig. Sollten die Belastungen durch höhere Treibstoff- und Refinanzierungskosten nicht ganz so stark wie befürchtet ausgefallen sein, könnte die Aktie daher vor einer Erholungsrallye stehen – und Rückenwind auch für die Aktie von Tui liefern, das in der darauffolgenden Woche seine Quartalszahlen präsentieren wird.
Von Analystinnen und Analysten wird ein Umsatzanstieg von 8,15 auf 8,39 Milliarden US-Dollar (+2,9 Prozent) sowie ein bereinigter Gewinn je Anteile von 1,35 US-Dollar erwartet, der damit um 8 Cent unter dem Vorjahresergebnis liegen würde (-5,6 Prozent).
Am Optionsmarkt wappnen sich Anlegerinnen und Anleger mehrheitlich gegen fallende Kurse, während der Call-Anteil bei 39,3 Prozent liegt, beträgt die Put-Quote 60,7 Prozent. Schon in den beiden Vorquartalen war die Aktie nach den Zahlen gefallen. Aktuell ist eine Kursreaktion von ±7,1 Prozent eingepreist.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Coinshares | Mo., 14.09. | Vorbörse | 0,09 $ | 37,9 Mio. $ | ± 9,4 % | 706,3 Mio. $ |
| Dave & Busters | Mo., 14.09. | Nachbörse | 0,19 $ | 556,8 Mio. $ | ± 17,3 % | 283,2 Mio. $ |
| Forgent Power Soln. | Di., 15.09. | Vorbörse | 0,24 $ | 429,9 Mio. $ | ± 15,3 % | 8,3 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Sonntag, 13. September, 14:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


