Doppelter Zinsschock voraus?
Öl bei 107 US-Dollar: Diese Woche wird zum Stresstest für Anleger
Öl wird teurer, Aktien und Gold verlieren. Anleger zittern vor den Zinsentscheidungen in Washington und Tokio. Was jetzt eingepreist ist. Wo neue Enttäuschungen drohen.
- Ölpreise steigen nach Angriffen und schüren Inflation
- Märkte erwarten Zinserhöhungen in den USA und Japan
- Aktien und Gold fallen, während der Dollar zulegt
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Der Broker IG taxiert den Deutschen Aktienindex vor Handelsbeginn 0,3 Prozent tiefer auf 25.490 Punkte. Damit bleibt er nahe seinem Tief seit Ende Juli bei 25.361 Punkten. Am Freitag hatte der Index noch 0,8 Prozent gewonnen. Die vergangene Woche beendete er dennoch mit einem Verlust von rund 1,8 Prozent.
Thomas Altmann von QC Partners warnt vor wachsender Nervosität nach zwei Verlustwochen. Seit Mitte Januar bewege sich der Markt unter starken Schwankungen seitwärts. Nicht alle Anleger verfügten über komfortable Buchgewinne.
Technologiewerte unter Druck
Japans Nikkei verlor 0,8 Prozent, der südkoreanische Leitindex KOSPI sank um 2,1 Prozent. Chinesische Standardwerte gaben 0,4 Prozent nach. Besonders litten Aktien rund um künstliche Intelligenz. Die Chefs von OpenAI und Anthropic hatten laut Reuters eine langsamere Entwicklung gefordert, um Risiken zu begrenzen.
Auch die US-Terminmärkte signalisierten Verluste. Die Kontrakte auf den S&P 500 sanken um 0,4 Prozent. Nasdaq-Futures verloren 1,1 Prozent.
Ben Snider von Goldman Sachs erwartet dennoch einen anhaltenden Bullenmarkt. Starke Unternehmensgewinne könnten höhere Finanzierungskosten abfedern. Historisch verlor der S&P 500 in den ersten drei Monaten nach Beginn eines Zinserhöhungszyklus durchschnittlich zwei Prozent. Nach zwölf Monaten lag er dagegen im Schnitt neun Prozent höher.
Angriffe treiben Ölpreise hoch
Brent verteuerte sich zeitweise um 2,6 Prozent auf 107,36 US-Dollar je Barrel. US-Rohöl (WTI) stieg um 2,4 Prozent auf 102,48 US-Dollar. Neue Angriffe auf Saudi-Arabien und Schiffe im Persischen Golf verschärfen die Versorgungsängste.
Hinzu kommen der Ausfall einer saudischen Ölpipeline und Gefahren für wichtige Schifffahrtsrouten. Ein Treffen zwischen dem Iran und arabischen Golfstaaten zur Öffnung der Straße von Hormus wurde verschoben. Analysten befürchten deshalb länger hohe Energiepreise und zusätzlichen Inflationsdruck.
Anleihen: Zinserhöhung rückt näher
Die Rendite zehnjähriger US-amerikanischer Staatsanleihen lag bei 4,974 Prozent. Zweijährige Papiere rentierten mit 4,6148 Prozent. In der vergangenen Woche waren die Renditen um 19 beziehungsweise 26 Basispunkte gestiegen.
Nach den jüngsten Inflationsdaten preisen Händler laut dem Zinsbarometer FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von rund 86 Prozent für eine amerikanische Zinserhöhung am Mittwoch ein. Erwartet werden 25 Basispunkte. Es wäre die erste Anhebung seit Mitte 2023.
Michael Feroli von JPMorgan rechnet mit Zinsschritten im September und Dezember. Bleiben konkrete Maßnahmen aus, könne die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit gefährden.
Devisen: US-Dollar fester, Yen nahe Hoch
Der Euro gab um 0,1 Prozent auf 1,159 US-Dollar nach. Das britische Pfund notierte bei 1,352 US-Dollar. Der Dollarindex stieg um 0,12 Prozent auf 99,22 Punkte.
Der Yen verlor 0,3 Prozent auf 154,03 Yen je US-Dollar. Er blieb jedoch nahe seinem Siebenmonatshoch. Im September hat die japanische Währung bislang vier Prozent gewonnen.
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Für Freitag kalkulieren die Märkte mit rund 76 Prozent Wahrscheinlichkeit eine japanische Zinserhöhung auf 1,25 Prozent ein. Für weitere Yen-Gewinne müsse die Notenbank auch danach ein zügiges Straffungstempo signalisieren, erklären Analysten der Mitsubishi UFJ Financial Group.
Gold: Höhere Zinsen bremsen
Gold verbilligte sich am Kassamarkt um 0,3 Prozent auf 4.334 US-Dollar je Feinunze. Amerikanische Goldfutures verloren 0,8 Prozent auf 4.375 US-Dollar. Zuvor hatte das Edelmetall bereits drei Wochenverluste hintereinander verzeichnet.
Tim Waterer von KCM Trade sieht steigende Energiepreise und höhere Zinserwartungen als Belastung. Höhere Zinsen machen verzinste Anlagen gegenüber Gold attraktiver. Die geopolitischen Risiken könnten bei Kursrückgängen allerdings wieder Käufer anziehen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

